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Börsen-Zeitung: Alles außer Ketchup, Marktkommentar von Kai Johannsen

Frankfurt (ots) - Das große Finale - so nennt die Commerzbank in ihrem wöchentlichen Zinsausblick das Ereignis, das den internationalen Finanzmärkten in der neuen Handelswoche ins Haus steht. Am Donnerstag wird Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), vor die Presse treten und der Öffentlichkeit die bislang größte Shoppingtour seines Hauses in Sachen Bonds ankündigen. Die Erwartungen, die die Marktteilnehmer an ihn stellen, sind hoch. Aber bislang hat es Draghi in Sachen Quantitative Easing (QE) - wie die unkonventionellen Maßnahmen der Geldpolitik genannt werden - immer wieder geschafft, auch die kühnsten Erwartungen noch zu übertreffen. So wird es wohl auch dieses Mal sein. Eine Enttäuschung können sich Draghi und Co. einfach nicht leisten.

Doch was erwarten die Märkte jetzt eigentlich schon? Eine Ausweitung von QE gilt als ausgemachte Sache. Wie wird diese Ausweitung aussehen? Die Marktakteure gehen davon aus, dass die seit März dieses Jahres laufenden Staatsanleihekäufe zeitlich ausgedehnt werden. Bislang sollten die Käufe bis September 2016 laufen. Damit einhergehen könnte, dass eine Verlängerung um ein oder zwei Jahre kommuniziert wird. Die EZB könnte sich aber auch dafür entscheiden, noch einen Schritt weiter zu gehen, wie die Zinsstrategen der Commerzbank aufzeigen. Die EZB könnte erklären, dass die Käufe jetzt einfach "so lange wie nötig" erfolgen.

Des Weiteren gehen die Marktteilnehmer von einer volumenmäßigen Erhöhung aus. Fragt sich nur, wie viel? 500 Mrd. Euro oder doch besser gleich 1 Bill. Euro? Oder noch mehr? Man darf gespannt sein. Die Volumenfrage steht auch im Zusammenhang mit der Frage nach der künftigen Zusammensetzung des Bondkaufprogramms. Welche Anleihen werden künftig noch gekauft? Das könnten zum Beispiel die Anleihen unterhalb der Ebene Zentralstaat sein, denn auf der Ebene der Zentralstaaten und darüber (supranationale Adressen und Agencies) wird ja schon gekauft. So könnten demnächst Anleihen der deutschen Länder und entsprechende Papiere in anderen Staaten (Regionen, Provinzen) gekauft werden. Auch Städte-Bonds und entsprechende gemeinschaftliche Emissionen (von Ländern etwa) könnten ins Kaufprogramm aufgenommen werden.

Die EZB könnte auch noch weiter gehen. Die nächsten Assets, die sie in Angriff nehmen könnte, wären dann Anleihen von staatsnahen Adressen. Oder sie geht gleich in den Bereich der Unternehmensanleihen, zunächst "nur" Investment-Grade-Papiere, verbunden aber mit der Perspektive, dass es später dann auch zu Käufen in den High Yieldern kommen könnte, die bekanntlich heute schon auf Rendite-/Marktzinsniveaus handeln, die Otto Normalanleger vor einigen Jahren noch auf seinem Sparbuch sah.

Doch das ist noch nicht alles. Vermutlich - und davon gehen die meisten Marktteilnehmer aus - senkt die EZB auch noch den Einlagesatz weiter in den negativen Bereich ab. Denn sie selbst hat es sich ja zur Vorgabe gemacht, nur Anleihen bis zur Renditeuntergrenze des negativen Einlagesatzes (derzeit minus 0,2%) zu kaufen. Am kurzen Ende der Kurve sind aber schon so viele Anleihen von Eurozonenländern ins Negative gerutscht, dass diese Grenze schon einen limitierenden Faktor darstellt - um es mal salopp zu formulieren. Eine weitere Absenkung verschafft somit neuerlichen "Kaufspielraum". Die Commerzbank-Experten vermuten, dass vielleicht auch Freibeträge für die Banken beim Negativzins eingeführt werden und die Banken sich dann nach Anlageopportunitäten umsehen. Das könnte außerhalb des Euro sein. Was wären die Effekte? Die Gemeinschaftswährung würde dann weiter geschwächt werden. Und die Renditen der Anleihen werden bei einer Ausweitung des Programms nur einen Weg einschlagen, und zwar in Richtung Keller.

Vielleicht kommt aber auch alles ganz anders, und die bisherigen Überlegungen der Analystenschar erweisen sich am Donnerstag als Makulatur, weil die EZB sich ein noch viel größeres Paket und noch ganz andere Instrumente ausgedacht hat. Dann werden wohl Erinnerungen an März 2009 wach, als die US-Notenbank mit ihrer Bond-Shoppingtour-Ankündigung die Finanzmärkte durchschüttelte. Seinerzeit fassten die Zinsanalysten der Commerzbank das US-Mega-Bondkaufprogramm der Fed wie folgt zusammen: "Die Fed kauft alles außer Ketchup." Und mancher Marktteilnehmer fragte sich mit Verweis auf die Haltbarkeit toxischer MBS (Mortgage Backed Securities): Wieso eigentlich keinen Ketchup? Mal sehen, ob Draghi bis zum Ketchup geht.

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