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Börsen-Zeitung: Ein solides Fundament, Kommentar zur Fondsbranche von Silke Stoltenberg

Frankfurt (ots) - Das sollte der Fondsbranche in Deutschland doch wirklich einen guten Tropfen wert sein: Die Investmentfonds haben hierzulande in nur sieben Monaten mehr Vermögen eingesammelt als im gesamten bisherigen Rekordjahr 2000. Na denn prost! Die Vertriebsmitarbeiter werden von den Anlegern quasi überrannt und mit Geldern nur so zugeschüttet. Zwischenzeitliche Sorgen vor einem Aktiencrash mit bösen Folgen für die Fonds, die in der letzten Augustwoche nach dem Schwarzen Montag aufkamen, haben sich schon wieder verflüchtigt. Der geschäftliche Erfolgskurs der Fondsgesellschaften steht auf einem soliden Fundament, ein Absturz ist fürs Erste nicht in Sicht.

Erste Fondszahlen aus dem August von den Indexprodukten zeigen, dass der Aktiencrash am Ende des Monats wegen der Ängste um Chinas Wachstumsaussichten, der schwächeren Konjunkturdaten und der fallenden Ölpreise die Investoren nicht aus den Investmentprodukten vergrault hat. Im Gegenteil - insbesondere Aktien-ETF aus Europa waren stark gefragt. Das lässt hoffen, dass nach dem Erreichen des Rekords für die Fondsanbieter in Deutschland nicht die Kehrtwende folgt.

Dafür spricht auch ein tieferer Blick in die Statistik des Fondsverbands BVI. Denn anders als in der Vergangenheit ist das Geschäft viel stärker von der Nachfrage nach institutionellen Spezialfonds geprägt als nach Publikumsfonds, aus denen in volatilen Märkten schneller mal die Gelder abgezogen werden. Die Profianleger sind im Niedrigzinsumfeld gezwungen, mit Hilfe von Vermögensverwaltern irgendwo noch ein Quäntchen Rendite herauszukitzeln. Damit sind starke Abflüsse aus den Spezialfonds eher unwahrscheinlich, die mittlerweile die Hälfte des verwalteten Fondsvermögens in Deutschland von insgesamt 2,6 Bill. Euro ausmachen.

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum der Erfolg der Investmentbranche nicht auf Sand gebaut ist. Selbst wenn die bei einem Aktiencrash für Mittelabflüsse anfälligen Aktienfonds mit rund 300 Mrd. Euro weiterhin das größte Gewicht bei den Publikumsfonds haben - die Struktur hat sich deutlich zugunsten der Mischfonds verschoben. Sie haben in kürzester Zeit die Rentenfonds mit mehr als 200 Mrd. Euro auf den dritten Platz verdrängt. Wenn diese Produkte in schwierigen Marktphasen ihr Versprechen halten und durch Umschichtungen die Investoren ein wenig schützen, ist dies der beste Schutz vor einer Anlegerflucht aus Fonds. Insofern spricht derzeit wenig dafür, dass nach dem Rekordrausch für die Fondsbranche ein böses Erwachen droht.

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