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Börsen-Zeitung: Warnschuss aus China, Marktkommentar von Kai Johannsen

Frankfurt (ots) - Das ist wahrlich ein Paukenschlag gewesen, der in der gerade abgelaufenen Woche aus China gekommen ist. Die chinesische Zentralbank hat die Landeswährung Yuan am Dienstag und Mittwoch um insgesamt 3,5% abgewertet und die Finanz- und Rohstoffmärkte weltweit kräftig durchgeschüttelt. Aktienmärkte gerieten unter enormen Druck, genauso wie diverse Währungen, vor allem die von Ländern mit hohen Rohstoffexporten nach China. Auch die Rohstoffmärkte bekamen die Sorgen vor einem Konjunktureinbruch - der befürchteten harten Landung der chinesischen Wirtschaft - zu spüren, wie an mehrjährigen Jahrestiefs mancher Rohstoffe abzulesen war. Die Flucht in Sicherheit gewann an den Märkten wieder die Oberhand, Gewinner waren die sicheren Häfen wie Gold oder Bundesanleihen. Am kurzen Ende der Kurve konnten schon wieder Rekorde gefeiert werden. Die zweijährige Bundrendite sackte bis auf minus 0,29% ab. Bis zu fünf Jahren Laufzeit war die Kurve negativ.

Prompte Reaktion

Am Donnerstag bremsten die Chinesen den Kursverfall des Yuan ab, es kam zur Beruhigung der Märkte, die auch am Freitag noch anhielt. Nun blicken die Akteure an den Finanz- und Rohstoffmärkten auf die nächsten Tage. War es das schon, oder legen die Chinesen etwa noch mal nach, lautet die bange Frage. Ursprünglich sollte es ja eine einmalige Maßnahme sein, mit der sie der Konjunktur unter die Arme greifen wollten. Aber ob es wirklich dabei bleibt, daran sollten zumindest leichte Zweifel angebracht sein. Medienberichten zufolge sollen einflussreiche Stimmen in der Regierung darauf aus sein, dass der Yuan weiter abgeschwächt wird. Die Rede ist in diesem Zusammenhang von 10% Abwertung. Dann kämen die Chinesen noch mit zwei weiteren Runden Abwertung des gesehenen Ausmaßes daher, was an den Märkten noch für sehr heftige Bewegungen sorgen könnte. China würde mit einer derartigen Abwertung einen Konjunkturimpuls über die Exportseite bekommen. Die Exporte waren im Juli um 8,3% eingebrochen. Die Zahlen waren erst einen Tag vor den Interventionen bekannt geworden. Die Zentralbank hat demzufolge prompt reagiert.

Ob es aber nur diese Zahlen waren, die Peking zum Handeln gebracht haben, muss man allerdings bezweifeln. Erst jüngst war die Zinsdiskussion in den USA neu befeuert worden. Dennis Lockhart, Präsident der Fed von Atlanta, hatte sich ziemlich deutlich geäußert bezüglich des Zinsschritts. In Abhängigkeit von entsprechend robusten Konjunkturdaten hatte er in Aussicht gestellt, im September bei der nächsten turnusmäßigen Sitzung des Offenmarktausschusses nicht mehr gegen eine Leitzinsanhebung stimmen zu wollen. Er stimmte die Märkte somit stärker auf September als geeigneten Zinsanhebungszeitpunkt ein.

Der Warnschuss aus China könnte also auch in Richtung USA gegangen sein. Kommt es zur Zinsanhebung in den Vereinigten Staaten, wird es tendenziell attraktiver, dort Kapital anzulegen und es aus aufstrebenden Volkswirtschaften abzuziehen. China und andere Länder des asiatischen Raums brauchen dieses Kapital aber, um ihren Aufschwung zu finanzieren.

Es ist gut möglich, dass die Chinesen den Zeitpunkt mit Blick auf die September-Sitzung der Fed gewählt haben. In den Reihen der Fed dürften aber auch die nun erfolgten Abwertungsschritte so manchen zum Nach- bzw. vielleicht auch schon Umdenken bewogen haben. Und mancher in den Reihen der Fed wird etwas zögerlicher, ob es mit Blick auf China und andere Länder wirklich so glücklich ist, bereits jetzt an der Zinsschraube zu drehen. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung im September hat eher ab- als zugenommen.

Dass mancher Notenbanker eher zurückhaltender geworden sein dürfte in Sachen Zinsanhebung, führt zu einem weiteren Aspekt, auf den vor Wochenfrist - kurz nach dem etwas schwächer als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktbericht für Juli - Volkswirt Philip Marey von der niederländischen Rabobank hingewiesen hat: "Wenn man die Zinsen erstmals nach Jahren anheben will, möchte man Einigkeit demonstrieren." Bei einer Anhebung im September müsse mit Gegenstimmen gerechnet werden. Vollkommen richtig. Und nach der Yuan-Abwertung könnten es noch mehr Gegenstimmen sein.

Diesen Risikofaktor wird die Fed ins Kalkül nehmen müssen. Wie sieht es denn aus, wenn man die Zinsen anhebt, die Konjunktur später zur Schwäche neigt und der Zinsanhebungszyklus unter- oder abgebrochen werden muss? Später wird der Fed in einem solchen Fall immer vorgehalten werden, dass es innerhalb der Fed die warnenden Gegenstimmen gab, die genau darauf hingewiesen haben.

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