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Börsen-Zeitung: Baustellen für den Neuen, Kommentar zu BMW von Stefan Kroneck

Frankfurt (ots) - Für den Neuen an der BMW-Spitze war es kein Auftakt nach Maß. Der Zwischenbericht, den der seit Mitte Mai amtierende Vorstandschef Harald Krüger präsentierte, legt die Baustellen des Autokonzerns offen. Während er daran feilt, die langfristige Strategie seines Amtsvorgängers Norbert Reithofer zu überarbeiten (Stichwort Digitalisierung), kommen die Einschläge immer näher.

Die größte Baustelle für die Münchener ist zweifellos China. Der Wachstumsmotor im Reich der Mitte, zuvor ein verlässlicher Ergebnisbringer, ist ins Stottern geraten. Die Erklärungen des Topmanagements, dass dies abzusehen gewesen sei und sich der Markt nun normalisiere, wirken beschwichtigend. Klar ist, dass die Entwicklung in der Volksrepublik auch die BMW-Führung überrollte. Nun muss der weiß-blaue Konzern gegensteuern, damit die Lage in China hinsichtlich der Preise nicht aus dem Ruder läuft, schließlich verkauft der Konzern jedes fünfte Fahrzeug auf dem weltgrößten Automarkt. Die Lösung, die Lagerhallen in China drastisch abzubauen, indem überzählige Modelle in die USA verschifft werden, um sie dort an den Mann (oder die Frau) zu bringen, eröffnet aber neue Baustellen. Denn so reagieren Wettbewerber ebenfalls auf den empfindlichen Dämpfer in China. Die Folge: Auch im zweitgrößten Einzelmarkt für BMW geraten die Preise und damit die Margen aufgrund eines wachsenden Angebots unter Druck. Vor diesem Hintergrund bleibt für den Vorstand kurzfristig die Hoffnung, dass die im Herbst auf den Markt kommende neue, renditestarke BMW-7er-Generation Impulse bringt.

Auf lange Sicht droht aber Ungemach an anderer Front. Infolge der rasanten Aufholjagd von Daimler kann sich BMW nicht mehr so sicher fühlen, ihre Position als führender Anbieter im Premiumsegment dauerhaft zu behaupten. Zwar halten die Münchener die Stuttgarter hinsichtlich der Absatzzahlen immer noch auf Abstand, bei den Finanzdaten ist dies aber nicht mehr der Fall. Im ersten Halbjahr überholte Mercedes-Benz Cars sogar die Kernsparte von BMW bei den Eckdaten Umsatz (40,6 Mrd. versus 40,5 Mrd. Euro), operatives Ergebnis (4,1 Mrd. vs. 3,6 Mrd. Euro) und Rendite (10% vs. 8,9%). Das mag für manche nur eine Momentaufnahme sein, es zeigt aber, dass Anspruch und Wirklichkeit bei BMW im Vergleich zum wieder erstarkten Konkurrenten auseinanderklaffen können. Fünf Monate vor Beginn des BMW-Jubiläumsjahrs 2016 (100-jähriges Bestehen) zeigt sich für Krüger auch hier eine weitere Baustelle.

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