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Börsen-Zeitung: Pure Imagepflege, Kommentar zu Chinas flexibleren Wechselkurspolitik von Ernst Herb

Frankfurt (ots) - Die Nachricht, dass China künftig eine flexiblere Wechselkurspolitik betreiben wird, kann nicht überraschen. Denn die People's Bank of China hat die feste Ankoppelung des Yuan gegenüber dem Dollar bereits Mitte 2005 aufgegeben. Dieser ist in den folgenden zwei Jahren gegenüber dem Greenback auch mehr als 20% erstarkt. Erst die globale Finanzkrise, die einen Einbruch der chinesischen Exporte nach sich zog, stoppte die Aufwertung. Die chinesische Regierung, die in Folge weiterhin bestehender Kontrollen im Kapitalverkehr mit dem Ausland den Wechselkurs der Landeswährung bestimmen kann, ließ dabei nie einen Zweifel daran, dass diese zur Stützung der Ausfuhren ergriffene Maßnahme nur temporär sei.

Jetzt, da die Exporte erneut stark angezogen haben und gleichzeitig über die Einfuhren Inflation importiert wird, will Peking den Marktkräften in der Bestimmung des Wechselkurses zwar nicht ganz freien Lauf lassen, aber immerhin größere Freiheiten einräumen. Dabei ließ die jüngste Verlautbarung keine Zweifel daran, dass die jetzt erwartete Aufwertung des Yuan gegenüber dem Dollar ein nur gradueller Prozess sein wird. Amerikanische Politiker, die in den vergangenen Wochen von Peking unter Androhung von Wirtschaftssanktionen eine flexiblere Wechselkurspolitik verlangt haben, dürften dabei enttäuscht werden. Selbst eine einmalige 2%-ige Aufwertung ist dabei nicht vorgesehen.

Doch kommt Peking mit der gemächlichen Gangart durchaus auch US-Interessen entgegen. Denn China will zukünftig nicht nur den Wechselkurs flexibler gestalten, sondern auch den Yuan an einen handelsgewichteten Korb von Währungen anbinden. Würde eine solche Politik über Nacht eingeführt und dabei die zuletzt erlebte Schwäche des Euro eingerechnet werden, würde der Yuan gegenüber dem Dollar wahrscheinlich sogar deutlich abgewertet werden.

Protektionistische Stimmen im US-Kongress, die Präsident Barack Obama seit Längerem zu einer härteren Gangart gegenüber China drängen, würden eine solche Entwicklung wohl als offene Kriegeserklärung Pekings empfinden. Das ist mit Sicherheit nicht der Zweck der unverbindlichen Zentralbankverlautbarung vom Wochenende. Vielmehr will die chinesische Regierung ihren Kritikern im Ausland kurz vor dem G 20-Gipfel das sagen, was sie gerne hören wollen.

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