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Börsen-Zeitung: Stahl wird leichter, Kommentar von Andreas Heitker zum angekündigten Wechsel an der Spitze von ThyssenKrupp

Frankfurt (ots) - Über die Nachfolge von Ekkehard Schulz wird bei ThyssenKrupp schon so lange diskutiert, dass man kaum glauben mag, dass nun tatsächlich eine Entscheidung gefallen ist. Bereits 2002 hatte der damalige Aufsichtsrat drei junge Männer in den Vorstand berufen, von denen eigentlich einer den großen Sprung hätte schaffen sollen. Doch Finanzchef Stefan Kirsten warf bereits 2006 das Handtuch. Und die beiden heutigen Vorstände für Technologie, Olaf Berlien, und Stahl, Edwin Eichler, hielten zwar durch, bekamen jetzt aber nicht den Zuschlag.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme will mehr als den Generationswechsel bei ThyssenKrupp. Er sieht auch ein zunehmendes Ungleichgewicht im Portfolio des Konzerns. Im Jahr 2006 wurden 20 Mrd. Euro für Investitionen bereitgestellt. Die eine Hälfte war für das Stahlgeschäft bestimmt, die andere Hälfte für die übrigen Bereiche des Mischkonzerns. Heute haben die Stahlmanager schon viel mehr als die eigentlich veranschlagten 10 Mrd. Euro ausgegeben, was vor allem an den explodierenden Preisen für die neuen Stahlwerke in Brasilien und den USA lag. Für die übrigen Geschäfte des Konzerns, für die erfolgreiche Aufzugssparte oder auch den Anlagenbau, ist nicht mehr so viel Geld übrig wie eigentlich geplant.

Hinzu kommt, dass sich die stahlfernen Geschäfte längst nicht so gut entwickelt haben wie erhofft. Die Transrapid-Hoffnungen wurden begraben, und große Teile des Automotive- und des Werftengeschäfts sind mittlerweile verkauft. Diese Entwicklung hat die Bedeutung des Stahlgeschäfts innerhalb des Portfolios zusätzlich noch erhöht, was Cromme mit Sorge betrachtet. Er sieht die Balance gefährdet, den Konzern als zu abhängig von einer immer noch zyklischen Branche. Das letzte Geschäftsjahr mit dem scharfen Einbruch im Stahlgeschäft, das ThyssenKrupp einen Milliardenverlust beschert hat, hat hierfür nur den letzten Beweis geliefert.

Cromme hofft immer noch auf den großen Wurf auch im Technologiegeschäft. Deshalb gibt er nun Heinrich Hiesinger eine langfristige Perspektive, der im Siemens-Industriegeschäft schon durch mehrere Turnarounds positiv aufgefallen ist. Hiesinger folgt Anfang 2011 auf den anerkannten Stahlexperten Schulz. Dadurch werden sich die Gewichtungen im Konzern verschieben. Stahl wird leichter.

(Börsen-Zeitung, 5.5.2010)

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