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Börsen-Zeitung: Siemens-Glanz blendet, Kommentar von Michael Flämig zum Halbjahresergebnis des Siemens-Konzern

Frankfurt (ots) - Nun ist es amtlich: Siemens will im laufenden Geschäftsjahr operativ einen Rekordgewinn erreichen. Und dies, obwohl der Konzern einen Umsatzausfall von voraussichtlich 5 Mrd. Euro verkraften muss. Mittlerweile liefern die Münchener sogar eine bessere Marge ab als das ehemals leuchtende Vorbild General Electric. Kein Zweifel: Siemens steuert auf eine Glanzleistung zu.

Die hervorragende Performance beruht - neben Entlastungen etwa durch Kurzarbeit und einem günstigen Umsatzmix - auf zwei Faktoren. Erstens hat Siemens schon vor der Krise ein Programm zur Senkung der Verwaltungskosten installiert. In der Schockstarre der Kunden im vergangenen Frühjahr konnten die Münchener diese Struktur nutzen, um die Kosten stärker als ursprünglich geplant zu senken.

Zweitens hat der Konzern- und Mentalitätsumbau, dem Siemens in den vergangenen zehn Jahren unterzogen wurde, die Reaktionsfähigkeit des Kolosses enorm erhöht. Fehlentwicklungen können dementsprechend schneller korrigiert werden. Ein kleines Beispiel: Wenn ein Auftrag für die Wasserversorgung New Yorks falsch kalkuliert wurde, fällt dies bei Arbeitsbeginn auf - und nicht erst Jahre später wie im Fall der Straßenbahn Combino. Dementsprechend konnte sich Siemens auf die Wirtschaftskrise gut einstellen.

Der schöne Glanz droht aber zu blenden. Es darf bei Siemens nicht so weitergehen wie bisher. Denn der Konzern liefert zwar einen Rekordgewinn, aber verliert an Boden beim Auftragseingang. Sicherlich spielt dabei die Wirtschaftskrise die zentrale Rolle. Doch auch das Ziel, doppelt so schnell zu wachsen wie die Weltwirtschaft, wird im laufenden Jahr meilenweit verfehlt.

Mit Sparen allein ist es also nicht getan. Vielmehr muss Siemens die Erfolge 2010 nutzen, um die Positionierung am Markt zu verbessern. Der Vorstand hat dies erkannt und wird die Ausgaben für Vertrieb und Forschung kräftig erhöhen. Dabei ist Verstand gefragt. Denn nichts ist schlimmer, als das Orderbuch durch niedrigmargige Projekte aufzublähen.

Siemens hat bewiesen, grosso modo mindestens so gut wie der Wettbewerb abzuschneiden. Dies drückt sich im Erreichen der Margenziele aus. Nun sollte die Schaffung von Werten durch Wachstum stärker beachtet werden. Für das zu erwartende Nachfolgeprogramm des Strategieansatzes "Fit for 2010" ist dies eine zentrale Aufgabe.

(Börsen-Zeitung, 30.4.2010)

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