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Börsen-Zeitung: Zur Unzeit, Kommentar von Bernd Weber zur Großrazzia bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW)

Frankfurt (ots)

Mit 240 Beamten im Einsatz dürfte die Razzia bei
der LBBW am gestrigen Montag zu den bisher größten im deutschen 
Bankgewerbe gezählt werden. Ob das Ergebnis im Nachhinein diesen 
Aufwand rechtfertigen wird, steht auf einem ganz anderen Blatt. Denn 
so richtig es ist, die Verantwortlichen der Finanzkrise zur 
Rechenschaft ziehen zu wollen, so schwierig wird es werden, den 
Verdächtigen Untreue und Vermögensgefährdung nachzuweisen. Es ist 
kaum vorstellbar, dass die Vorstände Geschäfte durchgewinkt oder 
initiiert haben, von denen die Herren wussten, dass sie zu Verlusten 
führen würden.
Hinzu kommt, dass in dem von der Staatsanwaltschaft untersuchten 
Zeitraum ab Ende 2006 vielleicht mit Ausnahme einiger weniger 
Experten wirklich niemand vorhersah, dass die mit Ramschhypotheken 
aufgepumpte Immobilienblase in den USA platzen würde. Subprime 
bedeutete damals nur, dass die Bonität des Kreditnehmers nicht 
allererster Güte war. Das gab und gibt es auch in anderen Ländern, in
denen Hypothekenkredite vergeben werden.
Für die Bank kommt die Eskalation zu einem denkbar ungünstigen 
Zeitpunkt. Gerade erst musste der unschöne Neunmonatsverlust von 620 
Mill. Euro veröffentlicht werden, und nun gibt es Schlagzeilen mit 
den Reizwörtern Razzia, Staatsanwaltschaft, Untreue. Zwar ist nicht 
zu erwarten, dass die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft die 
Entscheidung der EU-Kommission bezüglich des Restrukturierungsplans 
der LBBW beeinflussen, ausschließen kann man es aber nicht. 
EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes ist bekanntlich keine Freundin
der Landesbanken in Deutschland.
Irritierend ist, dass die Stuttgarter Staatsanwaltschaft den 
gesamten ehemaligen Vorstand der LBBW ins Visier genommen hat. Zwar 
kann dem operativen Spitzengremium eine Gesamtverantwortung für die 
Bank unterstellt werden, ob Geschäfte mit US-Hypothekenkrediten aber 
tatsächlich auch über den Tisch des Privatkunden- oder des für das 
Sparkassengeschäft verantwortlichen Vorstands gingen, darf in Zweifel
gezogen werden. Der Gremienverdacht der Justiz wird die 
Zusammenarbeit der sechs beschuldigten und noch aktiven Vorstände 
belasten, aber auch das Verhältnis der Bank zu ihren Kunden 
schwieriger gestalten. Der LBBW hilft beides nicht.
(Börsen-Zeitung, 8.12.2009)

Pressekontakt:

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Redaktion

Telefon: 069--2732-0
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