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Börsen-Zeitung: Woche der Entscheidung, Marktkommentar von Dieter Kuckelkorn

Frankfurt (ots)

Die abgelaufene Börsenwoche hätte noch deutlich
schlimmer ausfallen können. Der Dax hat sich trotz der schwachen 
Performance vom Donnerstag im Wochenvergleich fast noch in die 
schwarzen Zahlen retten können. Bezogen auf den Stand vom Freitag vor
einer Woche weist er ein minimales Minus von 0,1% auf. Angefühlt 
haben sich die fünf Handelstage aber ganz anders. Es ist deutlich 
spürbar, dass Unsicherheit und Zweifel bei vielen Marktteilnehmern 
vorherrschen sowie die Sorge, dass nun die befürchtete Korrekturphase
beginnt. So mancher Anleger fragt sich nämlich, ob es mit rechten 
Dingen zugeht, wenn der Dax, der Anfang März noch bei 3666 Punkten 
die Tiefen auslotete, jetzt schon fast zum Sprung über die Marke von 
6000 Zählern ansetzt und wenn ein Anstieg des deutschen Leitindex von
mehr als 20% seit Jahresanfang vergessen macht, dass die Krise so 
gerade eben überstanden ist.
Höhenflug gestoppt
Insofern verwundert es nicht, dass die Quartalssaison in den USA, 
die bislang besser ausfällt als erwartet, den europäischen 
Aktienmarkt nicht zu einem weiteren Höhenflug animieren konnte. Seit 
dem Beginn der Saison haben jenseits des Atlantiks bereits 151 
Unternehmen aus dem Benchmark-Index Standard & Poor's 500 (S&P500) 
Einblick in die Bücher gewährt. Nicht weniger als 127 Firmen - das 
sind satte 84% - haben beim Nettogewinn die Analystenerwartungen 
übertroffen, wie die Landesbank Baden-Württemberg errechnet hat. Auch
beim Umsatz gelang dies einer deutlichen Mehrheit von 100 Unternehmen
bzw. knapp 67%.
Zwar lässt sich gegen eine allzu pessimistische Sichtweise 
einwenden, dass gerade die zuletzt genannte Zahl von großer Bedeutung
ist. Sie macht nämlich deutlich, dass es im dritten Quartal nicht 
mehr nur Sparmaßnahmen und Restrukturierungen waren, die das 
Ergebniswachstum getragen haben, sondern eben auch oftmals eine echte
Nachfragebelebung.
Auf der anderen Seite dürfte mehr als positive, allerdings 
rückwärts gewandte Quartalsberichte erforderlich sein, um für weitere
Kursgewinne auf breiter Front und beim Dax für einen Sprung über die 
Marke von 6000 Punkten zu sorgen. Hinzukommen müssen optimistische 
Ausblicke der Konzerne auf die nächsten Monate und freundliche 
Perspektiven hinsichtlich der konjunkturellen Entwicklung in den 
Schlüsselregionen USA, Europa und China. Zwar konnte das Reich der 
Mitte kürzlich mit einem ausgewiesenen Anstieg des 
Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 8,9% im dritten Quartal glänzen. In 
der beendeten Woche sind aber die Makrodaten aus den USA vor allem 
die Zahlen vom Immobilienmarkt - eher enttäuschend ausgefallen. Das 
hat den Ausschlag gegeben, dass die Aktienmärkte kaum vorangekommen 
sind. An der Wall Street trat der S&P500 in den fünf Handelstagen 
sogar komplett auf der Stelle.
Somit wird es in der neuen Börsenwoche äußerst spannend. Die 
US-Quartalssaison strebt mit 149 Unternehmensberichten aus dem 
S&P-500-Universum ihrem Höhepunkt zu, und aus den deutschen Indizes 
Dax, MDax und TecDax treten immerhin schon 21 Gesellschaften an die 
Öffentlichkeit. Gleichzeitig stehen wichtige volkswirtschaftliche 
Daten an, allen voran die ersten Zahlen zum US-BIP im dritten 
Quartal, die am Donnerstag bekannt gegeben werden.
Hohe Überschussliquidität
Nicht übersehen werden sollte in der aktuellen Gemengelage, dass 
es nach wie vor die überbordende Ausstattung der Finanzmärkte ist, 
die die Kurse auf hohem Niveau hält. Die Analysten der Credit Suisse 
(CS) qualifizieren das gegenwärtige Ausmaß an Überschussliquidität 
als extrem. Auf globaler Ebene übertrifft derzeit das 
Geldmengenwachstum den Anstieg der Industrieproduktion nach 
CS-Berechnungen um 28%. Dies sei der höchste jemals festgestellte 
Wert.
Wie die ja bereits vor der Krise großzügige Liquiditätsausstattung 
der Märkte und die dann erfolgten Ereignisse eindrucksvoll 
demonstriert haben, sind derartige Situationen auf den Märkten auf 
längere Sicht instabil. Damit die Rally weitergeht, müssen in der 
kommenden Woche sowohl die Quartalsberichte als auch die Ausblicke 
und die Makrodaten positiv überraschen. Kommt es dazu nicht, dürfte 
die Korrektur einsetzen.

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