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Börsen-Zeitung: Banken in der Zwickmühle, Kommentar zur konzertierten Aktion gegen eine Kreditklemme von Angela Wefers

Frankfurt (ots) - Die Situation ist vertrackt. Die Banken sollen einerseits mehr Mittel an die Wirtschaft ausreichen, um eine Kreditklemme abzuwenden, andererseits sind sie infolge der Finanzkrise angehalten, bei der Kreditvergabe stärker risikoorientiert und damit restriktiver vorzugehen. Überdies debattieren die führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) mit Blick auf den bevorstehenden dritten Weltfinanzgipfel in Pittsburgh eine weitere Verschärfung der Eigenkapitalausstattung - genau mit dem Ziel, das Geschäft der Kreditinstitute zu dämpfen. Zu Recht hat der Präsident des Genossenschaftsverbandes BVR, Uwe Fröhlich, der als Federführer für den Zentralen Kreditausschuss (ZKA) die Branche beim Spitzentreffen mit Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) und den führenden Wirtschaftsverbänden vertrat, auf diesen Widerspruch hingewiesen. Sparkassenpräsident Heinrich Haasis unterstützte ihn darin. Zusätzlich belastet wird die Kreditwirtschaft durch die drohenden rezessionsbedingten Kreditausfälle. Die Abschreibungen werden das Eigenkapital weiter schmälern. Immerhin ist es gelungen, mit dem Spitzentreffen alle beteiligten Gruppen - Kreditwirtschaft, Unternehmen und Politik - an einen Tisch zu bringen. Die Stimmung soll zuvor und währenddessen nicht besonders gut gewesen sein. Vereinbart wurden Beratungen auf Expertenebene über konkrete Probleme. Damit stehen die Chancen gut, dass die emotional gegen die Banken aufgeheizte Debatte mehr an Sachlichkeit gewinnt. Die Beschlüsse der Bundesregierung zu einer weiteren günstigen Finanzausstattung der Banken mit Globaldarlehen müssen bedeuten, dass die Institute die dort erlangten Konditionenvorteile an die Kunden weiterreichen. Dazu hat sich die Branche nun schriftlich verpflichtet - und zwar nicht nur für den Firmensektor, sondern auch für Baufinanzierungen, Konsum- und Dispokredite an Privatkunden. Zudem sollte die Kreditwirtschaft klug genug sein, die verschiedenen staatlichen Stützungsangebote für die Branche - wie etwa Bad Banks - zu nutzen. Sonst könnte die Politik die bislang freiwilligen Instrumente leicht zwangsweise verordnen. Die G20 sollte sich indessen genau überlegen, mit welchem Zeitplan sie die Eigenkapitalvorgaben für die Banken verschärft. Sonst treibt sie die Institute in eine Zwickmühle, aus der diese kaum mehr herauskommen. Pressekontakt: Börsen-Zeitung Redaktion Weitere Informationen: www.boersen-zeitung.de Telefon: 069--2732-0 Original-Content von: Börsen-Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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