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Der Tagesspiegel: Kritik aus SPD und FDP an Sarkozys Türkei-Vorschlägen Polenz sieht Frankreichs Präsidenten hingegen auf EU-Kurs

Berlin (ots)

Berlin - Die jüngsten Äußerungen des französischen
Präsidenten Nicolas Sarkozy zu den EU-Beitrittsverhandlungen mit der 
Türkei haben in Berlin ein unterschiedliches Echo hervorgerufen. 
Politiker aus SPD und FDP kritisierten im Gespräch mit dem 
"Tagesspiegel" (Samstagausgabe), dass Sarkozy bei seiner 
außenpolitischen Grundsatzrede am vergangenen Montag in Paris die 
Fortsetzung der EU-Beitrittsgespräche mit Ankara an eine Bedingung 
geknüpft hatte. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des 
Bundestages, Ruprecht Polenz (CDU), wertete Sarkozys Vorstoß hingegen
positiv. Der französische Staatschef hatte angeregt, dass die 
EU-Staaten bis Ende des Jahres einen Ausschuss der Weisen zur Zukunft
der EU einsetzen. Wenn dies geschehe, werde sich Frankreich auch 
nicht gegen die Öffnung weiterer Kapitel in den EU-Verhandlungen mit 
der Türkei sperren, hatte Sarkozy weiter erklärt. Der 
stellvertretende Vorsitzende des Auswärtigen Bundestags-Ausschusses, 
Hans-Ulrich Klose (SPD), wies hingegen darauf hin, dass die EU mit 
der Türkei einen Vertrag über die Beitrittsgespräche geschlossen 
habe. "Es kann nicht angehen, dass einzelne Länder anfangen, diesen 
Vertrag in Abrede zu stellen. Das gilt auch für den französischen 
Präsidenten", sagte der SPD-Politiker der Zeitung. Auch der 
Vize-Fraktionsvorsitzende der SPD, Walter Kolbow, äußerte sich 
kritisch. Der von Sarkozy vorgeschlagene Ausschuss der Weisen "wäre 
ein völlig neues Instrument, das es bei den bisherigen 
Beitrittsprozessen nicht gegeben hat", sagte er. Zudem sei Sarkozy in
seiner Grundsatzrede "nicht einen Millimeter von seiner bisherigen 
Position abgerückt, dass die Türkei nicht nach Europa gehört". Der 
FDP-Europaexperte Markus Löning sagte, es sei "unzulässig", wenn 
Sarkozy ein Junktim zwischen den Beitrittsgesprächen der Türkei und 
der Einrichtung eines Expertengremiums herstelle. Der Vorsitzende des
Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Ruprecht Polenz (CDU), 
wertete die Äußerungen Sarkozys zur Türkei dagegen als "ein Zugehen 
auf den bisherigen Kurs der EU". Polenz erinnerte daran, dass Sarkozy
während des Wahlkampfs eine EU-Mitgliedschaft der Türkei noch strikt 
ausgeschlossen hatte. Es bleibe allerdings nach wie vor eine "offene 
Frage", ob es der Türkei in Zukunft gelinge, die 
EU-Beitrittskriterien zu erfüllen. Polenz empfahl, Sarkozys 
Vorschlag, einen Ausschuss der Weisen einzurichten, "positiv 
aufzugreifen". Sollte ein solches Gremium zu Stande kommen, dann 
sollte sich Deutschland "mit geeigneten Vorschlägen beteiligen", die 
sich nicht auf deutsche Persönlichkeiten beschränken müssten, sagte 
der CDU-Politiker weiter.
Inhaltliche Rückfragen richten Sie bitte an:
Der Tagesspiegel, Ressort Politik, Tel. 030-26009-615

Pressekontakt:

Der Tagesspiegel
Chef vom Dienst
Thomas Wurster
Telefon: 030-260 09-308
Fax: 030-260 09-622
cvd@tagesspiegel.de


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