Deutsche Stiftung Weltbevölkerung

UNFPA-Weltbevölkerungsbericht 2010
Konfliktregionen: Traumata als Entwicklungshindernis
UNFPA: Frauen stärker in Friedensprozess einbeziehen

Hannover/Berlin (ots) - In bewaffneten Konflikten wird geschlechtsspezifische Gewalt einschließlich Vergewaltigung immer häufiger als Instrument der Kriegsführung eingesetzt. Diese Form der Gewalt steht im Mittelpunkt des diesjährigen UNFPA-Weltbevölkerungsberichts "Krise, Frieden, Wiederaufbau: Gesellschaften im Wandel". Anlass für den Themenschwerpunkt ist der zehnte Jahrestag der UN-Resolution 1325. Mit der Resolution hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im Jahr 2000 erstmals alle Parteien bewaffneter Konflikte aufgefordert, Frauen und Mädchen vor sexueller Gewalt besser zu schützen und sie stärker bei Friedensvereinbarungen mit einzubeziehen. Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) stellt den Bericht heute gemeinsam mit UNFPA, dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen, und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Berlin vor.

Sexuelle Gewalt kann Gesellschaften destabilisieren

"Eine Zwischenbilanz nach zehn Jahren UN-Resolution 1325 zeigt die Dringlichkeit, sich mit dem Thema zu befassen", erklärt UNFPA-Vertreterin Bettina Maas. Der aktuelle UNFPA-Weltbevölkerungsbericht macht deutlich, wie die durch Vergewaltigungen erlittenen Traumata weit über das Kriegsende hinaus nachwirken und ganze Gesellschaften destabilisieren können. "Damit die Betroffenen wieder ins normale Leben zurückkehren können, ist gesellschaftliche Unterstützung entscheidend: beispielsweise durch die Familie und Freunde, aber auch durch Nichtregierungsorganisationen und internationale Helfer, die etwa mit psychosozialer und juristischer Betreuung helfen", so Bettina Maas weiter. Der Bericht untersucht Länder, in denen es Konflikte oder Naturkatastrophen gab und die sich auf dem Weg der Stabilisierung befinden: Bosnien-Herzegowina, Liberia, Uganda, Osttimor, die Palästinensischen Autonomiegebiete, Jordanien und Haiti.

Zugang zu reproduktiver Gesundheit: Fortschritte haben sich verlangsamt

Der neue Bericht weist auch auf die mangelnde reproduktive Gesundheitsfürsorge in Regionen hin, die von bewaffneten Konflikten oder Naturkatastrophen betroffen sind: Hier fehlt es an Verhütungsmitteln, Schwangerenbetreuung und Geburtshilfe. Das Risiko, bei der Geburt zu sterben, ist daher für Frauen hier besonders hoch. Weltweit ereignen sich über 60 Prozent aller Fälle von Müttersterblichkeit in nur zehn Ländern, neun davon befinden sich entweder in einem Krieg oder im Wiederaufbau.

Bis 2015 soll jeder Mensch Zugang zu reproduktiver Gesundheitsfürsorge haben - das ist eines der Millennium-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Weltweit hat sich der Fortschritt bei der Verwirklichung dieses Ziels verlangsamt. Wie aus dem Weltbevölkerungsbericht hervorgeht gibt es einen starken Zusammenhang zwischen dem Zugang zu reproduktiver Gesundheit und soziodemographischen Faktoren: Besonders benachteiligt sind arme Frauen mit einem niedrigen Bildungsgrad in Entwicklungsländern. Sie haben beispielsweise einen deutlich schlechteren Zugang zu Verhütungsmitteln und werden häufiger im Teenageralter schwanger als sozial höher gestellte Frauen.

"Mit reproduktiver Gesundheitsfürsorge lassen sich Tausende von Todesfällen vermeiden. Hier müssen die Investitionen deutlich erhöht werden. Noch immer sterben jeden Tag 1.000 Frauen im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft oder Geburt. Hätten alle Frauen Zugang zu Verhütungsmitteln und Familienplanung, ließe sich die Müttersterblichkeit um 30 Prozent senken", erklärt Renate Bähr, Geschäftsführerin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung. "Wir wissen, dass Familienplanung eine der wirksamsten Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheit von Frauen und Müttern ist", betont Gudrun Kopp, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. "Darum wird Deutschland in den kommenden Jahren der selbstbestimmten Familienplanung höchste politische Priorität einräumen und die Finanzmittel in diesem Bereich ab 2011 auf jährlich 80 Millionen Euro verdoppeln."

Gleichberechtigung von Frauen entscheidend

Auch zehn Jahre nach Verabschiedung der Resolution 1325 leiden Mädchen und Frauen noch immer besonders unter den Folgen von Konflikten. "Die Diskriminierung von Mädchen und Frauen muss endlich ein Ende haben", fordert Bettina Maas. "Wenn sie als gleichberechtigt wahrgenommen werden, werden sie seltener Opfer von Vergewaltigungen und können besser zu Friedensprozessen beitragen."

Eine Zusammenfassung des UNFPA-Weltbevölkerungsberichts 2010 "Krise, Frieden, Wiederaufbau: Gesellschaften im Wandel" sowie weitere Pressematerialien finden Sie unter

http://dsw-online.de/presse/presseinformationen185.shtml

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Carmen Kommer
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