Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft

Hochschulräte zu Orten des gesellschaftlichen Diskurses machen

Berlin (ots) - Nur wenn Hochschulräte vielfältig zusammengesetzt sind, können sie ihre Funktion als Orte des gesellschaftlichen Diskurses ausüben. Dazu müssen sie grundlegende Entscheidungskompetenzen besitzen, aber von operativen Detailaufgaben entlastet werden. Zu diesem Schluss kommt das "Handbuch Hochschulräte", eine große gemeinsame Studie von Heinz Nixdorf Stiftung, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und CHE Centrum für Hochschulentwicklung, die heute in Berlin vorgestellt wurde.

Derzeit kommt jedes zweite Hochschulratsmitglied aus der Wissenschaft. Aus der Wirtschaft stammt dagegen nur jedes dritte Mitglied. "Von einer Dominanz der Unternehmen in Hochschulräten kann nicht gesprochen werden. Um zu Brücken in die Gesellschaft zu werden, sollten sich die Hochschulen deshalb noch mehr für Nicht-Wissenschaftler aus allen gesellschaftlichen Bereichen öffnen", empfiehlt Andreas Schlüter, Generalsekretär des Stifterverbandes.

Die Stärke von Hochschulräten liegt in der strategischen Beratung von Hochschulen. Die können sie aber nur ausspielen, wenn die grundlegende Ausrichtung passt. "Der hochschulübergreifende Landeshochschulrat in Brandenburg bzw. der Universitätsrat in Schleswig-Holstein sind eine Fehlkonstruktion", warnt Frank Ziegele, Geschäftsführer des CHE. Weil sie hochschulübergreifend arbeiten, finde eine Identifikation mit der einzelnen Hochschule nur schwer statt. Und weil sie zugleich die Landespolitik und die Hochschulleitungen beraten sollen, seien Interessenkonflikte programmiert.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Hochschulräte in Deutschland noch nicht perfekt funktionieren, dass aber alle beteiligten Akteure etwas beitragen können, die Reform zum durchschlagenden Erfolg zu machen: Die Politik muss Fehler in den Gesetzen beseitigen, z.B. die Überfrachtung von Hochschulräten mit Detailaufgaben, für die sie weder die notwendige Expertise noch die nötige Zeit haben, sowie Rechenschaftspflicht und Abwahlmöglichkeit für Hochschulräte vorsehen. Die Hochschulen müssen ausreichend Ressourcen für eine Geschäftsstelle bereitstellen, um den Hochschulrat überhaupt arbeitsfähig zu machen. Und die Hochschulräte selbst müssen zu Beginn ihrer Amtszeit mit Hochschulleitung und Senaten eine klare Rollenteilung verabreden und von sich aus die hochschulinterne Kommunikation suchen.

Seit Mitte der Neunziger Jahre wurden in allen Bundesländern mit Ausnahme Bremens Hochschulräte als Aufsichts- und Beratungsgremien der Universitäten und Fachhochschulen geschaffen. Die neuen Gremien erhielten teils weitreichende Kompetenzen, die zuvor bei den Landeswissenschaftsministerien lagen. Über Auftrag und Zusammensetzung der Hochschulräte wird seither kontrovers diskutiert. Stifterverband, Heinz Nixdorf Stiftung und Centrum für Hochschulentwicklung fördern, beobachten und begleiten die Arbeit von Hochschulräten seit einigen Jahren. Das Handbuch Hochschulräte basiert auf Experteninterviews mit Hochschulräten, Hochschulpräsidenten und -rektoren, Vertretern von Ministerien und Leitern von Hochschulratsgeschäftsstellen. In mehreren Expertenrunden wurden daraus Empfehlungen und Denkanstöße für die Praxis erarbeitet. Eine für das Handbuch durchgeführte vergleichende Analyse der Landesgesetze zeigt große Unterschiede zwischen den Bundesländern. Das Handbuch will den Mitgliedern von Hochschulräten praktische Tipps für die Wahrnehmung ihrer Aufsichts- und Beratungsfunktion geben. Zugleich sollen Stolpersteine identifiziert werden, die die Arbeit der Hochschulräte erschweren. "Die Denkanstöße und Empfehlungen sind eine Einladung zum Dialog. Jetzt kommt es darauf an, aus den Erfahrungen der ersten Jahre die richtigen Schlüsse zu ziehen, dann kann die Einführung von Hochschulräten ein zentraler Baustein für die Modernisierung der Hochschulen sein", sagt Horst Nasko, Vorstand der Heinz Nixdorf-Stiftung.

Die Publikation ist online verfügbar: http://www.stifterverband.de/link/hochschulraete

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