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MEDICA 2001 in Düsseldorf: Aussteller zeigen wie "Aktentürme" vermieden werden können - Wege zur Elektronischen Patientenakte / Sonderschau MEDICA MEDIA mit Mix aus Anwendung und Wissenschaft

    Düsseldorf (ots) - Seit 25 Jahren zerbrechen sich Informatiker den
Kopf, wie man das Leistungsgeschehen in einem Krankenhaus mit seinen
bisherigen elektronischen Insellösungen und
Schnittstellenproblematiken in den informatorischen Griff bekommt.
Nun wird die Lösungsfindung dringend, denn mit dem neuen
DRG-Krankenhaus-Vergütungssystem müssen medizinische Leistungen genau
erfasst werden, sonst drohen den stationären Versorgungseinheiten
wirtschaftliche Einbussen bis hin zur Schließung. Neue Lösungsansätze
für die sogenannte elektronische Patientenakte zeigen Aussteller im
November auf der größten Medizinmesse der Welt, der MEDICA 2001 (21.
bis 24.11.) in Düsseldorf.
    
    Der beginnende Dokumentationsdruck auf allen Ebenen des
Krankenhauses wird ohne elektronische Datenverarbeitung nicht zu
bewältigen sein. Ziel ist es, alle administrativen und medizinischen
Daten in elektronischer Form zu eine kompletten Patientenakte zu
bündeln.  Dabei geht das Fernziel weit über die Belange des
Krankenhauses hinaus. Hier gilt es alle strukturierten
Gesundheits-daten eines Patienten, in digitalen Archiven beim
Hausarzt, Facharzt, Krankenhaus oder Gesundheitsamt verteilt
abgelegt, zu einer virtuellen digitalen Krankengeschichte
zusammenzufassen. Statistisch in Teilaspekte ausgewertet, wird diese
gigantische Datensammlung Grundlage von gesundheitspolitischen
Entscheidungen sein.
    
    Doch noch ist es nicht so weit. Noch müssen die Krankenhäuser
autark arbeiten und zusehen, wie sie ihre interne elektronische
Patientenakte realisiert bekommen. Noch ist der Widerstand des
medizinischen Personals erheblich, sich mit "artfremden"
Dokumentationsaufgaben abzugeben. Da auch die Investitionsmittel
fehlen und die gesundheitspolitischen Entwicklungen mitunter schlecht
zu kalkulieren sind, verfügen heute höchstens 150 der 2.200 deutschen
Krankenhäuser ansatzweise über die notwendige EDV-Infrastruktur für
den Einstieg in die krankenhausinterne digitale Patientenakte.
    
    Auch in der Industrie dominiert die Papierform
    
    Experten gehen davon aus, dass in den kommenden zehn Jahren 40 bis
60 Prozent aller Dokumente im Krankenhaus nach wie vor in Papierform
erstellt werden. Damit ist es um das Krankenhaus nicht so viel
schlechter bestellt, wird ein Vergleich gezogen des klinischen
Informationsmanagements mit dem der Industrie. Nach einer Erhebung
des Verbandes Organisations- und Informationssysteme e. V. sind
gerade einmal ein Fünftel aller Informationen, die in einem deutschen
Unternehmen vorhanden sind, digital abgelegt. Auch hier dominiert die
Papierform.
    
    Zwar läuft in den Krankenhäusern die Administration elektronisch
ab, doch die Kernkompetenz der Klinik, Medizin und Pflege, ist nur
unvollständig mit kleinen Abteilungssystemen ausgestattet. Während so
gut wie jedes klinische Labor strukturierte Daten in digitaler Form
liefert, ist nur jede zweite chirurgische Abteilung mit einem
EDV-Abteilungssystem ausgestattet. Und noch keine 50 der über 1000
vollradiologischen Abteilungen verfügen über ein digitales
Bild-Archivierungs- und Kommunikationssystem.
    
    Metamorphose von Analog in Digital
    
    Zwei grundsätzlich verschiedene Wege werden derzeit eingeschlagen:
Der schnelle Einstieg über "digitales Papier" oder der langwierige
Weg über das völlig papierlose Krankenhaus.
    
    Mit einem Trick gelingt es einigen deutschen Krankenhäusern, die
nächste Sprosse auf der EDV-Evolutionsleiter zu erklimmen: Sie jagen
jedes Stück Papier durch einen Digitalkopierer. Bevor der Reißwolf
zuschnappt, wird jede Papier-Krankenakte digitalisiert und digital
archiviert. Am Ende der Metamorphose von Analog in Digital steht eine
bedingt strukturierte Sammlung von "abfotographierten" Dokumenten,
auf CD-ROM und Mikrofilm erfasst. Somit entsteht die digitale
Patientenakte nicht während, sondern nach dem Krankenhausaufenthalt.
Lediglich jene Daten, die bereits digitale vorliegen, können online
während des Patientenaufenthalts gesichtet werden. Dafür ist die
"kilometerhohe Aktentürmung" gestoppt.
    
    Die Kugelschreiber-Notiz des Arztes wird bei dieser Lösung noch
viele Jahre lang den Vorzug gegenüber der mausgesteuert erzeugten
Informationserfassung am Bildschirm erhalten. Jedoch wird durch die
parallele Einführung von EDV-Systemen die papierorientierte
Arbeitsweise Stück für Stück zurückgedrängt, bis die weitgehend
vollständige digitale Informationserfassung und Verarbeitung
vollzogen ist. Vorreiter dieser evolutionären "digitalen Papierakte"
ist die Medizinische Hochschule Hannover und die Universitätsklinik
Ulm.
    
    Vorzüge der Web-Technik
    
    Diese sanfte Übergangslösung ist jedoch nicht unumstritten. Eine
Patientenakte hat mehr Funktionsansprüche zu erfüllen, als nur der
Ablösung des platzraubenden analogen Papierarchivs durch eine
kleinvolumige digitale Ablage zu dienen. Sie muss zeitnah den
Behandlungsprozess des Patienten online abbilden und Arbeitsabläufe
unterstützen. Und das funktioniert nur durch eine konsequente
Ablösung aller papiergebundenen Arbeitsweisen durch die
Elektronischen Datenverarbeitung.
    
    Die Umsetztung gestaltet sich als nicht einfach. Bis zu 100
unterschiedliche EDV-Subsysteme in den verschiedenen medizinischen
Abteilungen einer Großklinik, alle mit eigener kleinen Datenbank
versehen, stellen eine enorme Herausforderung an den Aufbau einer
elektronischen Patientenakte dar. Hier locken die Vorzüge der
Web-Technik, über Web-Browser die heterogen verteilte Datenwelt zu
vereinnahmen. Doch das "Datensammelsurium" aus un-strukturierteren
Freitexten, halbstrukturierten Rechnungen und strukturierten
Formularen mit den digital generierten Daten zu vereinen und diesen
Datenmix zu handhaben, ist mit der Internettechnologie alleine nicht
zu bewältigen. Gesucht sind zusätzlich lernfähige Computerprogramme,
eine Art neuronales Netz, um im "Dokumentenwust" zu navigieren.
    
    Weg durch das informatorische Labyrinth geschlagen
    
    Unumstritten ist: Eine koordinierte Überführung der
unterschiedlichen digitalen Dokumentenströme in die strukturierte
Elektronische Krankenakte ist technisch, organisatorisch und
finanziell nur stufenweise lösbar, zu gewaltig sind die
Integrationsprobleme. Diesen langen Weg durch das informatorische
Labyrinth haben Informatikern vom Universitätsklinikum Freiburg fast
hinter sich gebracht. Hier ist die klinikinterne Elektronische
Patientenakte weit gediehen.
    
    Hier beherrscht ein Medizinisches Informations-, Retrieval- und
Archivsystem die Szenerie. An die zentrale Datenbank für die
Elektronische Patientenakte angebunden, greifen die klinischen
Arbeitsplätze auf administrative und medizinische Daten zu und
füttern ihrerseits die EDV mit Daten. Etwa 1000 Arbeitsplatzrechner
sind bereits angeschlossen, davon sind mehr als 300 täglich aktiv.
Mit 33 Kilobyte pro Tag und Bett, ohne Bilder, wird ein beachtliches
Datenvolumen von etwa 16 vollgeschriebenen Seiten mit reinen
Patienten-Informationen zwischen der EDV und den
Stationsarbeitsplätzen ausgetauscht. Über 60 Gigabyte befinden sich
im täglichen Zugriff.
    
    MEDICA MEDIA - das Forum der Telemedizin
    
    Inwieweit der Einsatz medizinischer Informationssysteme sowie der
Telemedizin geeignet ist, die Qualität und Wirtschaftlichkeit der
medizinischen Versorgung zu steigern, zeigt im Rahmen der MEDICA, 33.
Weltforum für Arztpraxis und Krankenhaus, neben den zahlreichen
Ausstellern des Themensegments Informations- und
Kommuniksationstechnologie auch die Sonderschau MEDICA MEDIA in Halle
14. Seit drei Jahren ist die MEDICA MEDIA (einst als "Medienstraße"
gestartet) fester Bestandteil der MEDICA und wird in diesem Jahr auf
über 700 m_ den Besuchern Informationen zur Gesundheitstelematik
bieten und den Erfahrungsaustausch zwischen den Branchenexperten
fördern. U. a. werden rund 40 führende Forschungsinstitute in
Sonderpräsentationen über ihre aktuellen Arbeiten informieren. Ein
Anwenderforum sowie die fest etablierte Diskussionsreihe MEET THE
EXPERT helfen im Rahmen der Sonderschau den Gedankentransfer von der
Wissenschaft zur praktischen Anwendung zu realisieren.
    
    Zur MEDICA 2001 erwartet die Messe Düsseldorf in Anknüpfung an das
sehr gute Vorjahresergebnis über 3.500 Aussteller und rund 120.000
Fachbesucher aus der ganzen Welt.  
    
    Informationen sind auch abrufbar im Internet: www.medica.de
    
    Bei Veröffentlichung freuen wir uns über ein Belegexemplar.
    
    
ots Originaltext: Messe Düsseldorf GmbH
Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de


Kontakte zum Projekt Hannover und Ulm:
Ceyoniq Healthcare
Tel. 0821-44490-0 (oder -44490-62)

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