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Schwäbische Zeitung: Die Probleme der CDU - Leitartikel

Ravensburg (ots) - Einen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2016 haben die baden-württembergischen Christdemokraten immerhin gefunden - auch wenn der in seine Rolle erst hineinwachsen muss. Die spektakulär zelebrierte Kür Guido Wolfs hat aber das Personalproblem der CDU kaum kaschieren können.

Wann gab es das mal in der erfolgsgeprägten Parteigeschichte, dass sich mit Peter Hauk ein Fraktionschef nicht einmal auf die Waage stellen musste, um allgemein als Leichtgewicht empfunden zu werden? Wann gab es das mal, dass die CDU-Mitglieder die Wahl hatten zwischen einem Bundespolitiker, der mit der Landespolitik eher fremdelt, und einem Landespolitiker, der sich im harten Tagesgeschäft der politischen Auseinandersetzung - geschweige denn des Regierens - noch nicht bewähren konnte? Die Antwort ist einfach: Beides gab es noch nie.

Eine Ebene tiefer sieht es kaum besser aus. Eine ganze Reihe altgedienter Landtagsabgeordneter tritt nicht mehr an. Man mag von ihnen im Einzelfall halten, was man will. Aber in ihren Wahlkreisen waren sie die Gesichter der CDU - bewährte Schlachtrösser, die mit ihren Namen für ihre Politik gebürgt haben.

Der Generationswechsel, der jetzt auf breiter Front ansteht, ist nicht nur chancenreich, wie es die Parteioberen und vor allem die Junge Union gern betonen. Er ist auch riskant, weil das Etikett "jung/unverbraucht" noch lange keinen Wahlerfolg und schon gar keine solide Politik garantieren. Erfahrung ist auch nicht schlecht, am bekömmlichsten - für jede Partei und jeden Betrieb - ist eine ordentliche Mixtur aus beidem. Die ist bei der CDU gefährdet.

Wenn im Herbst 2016 die Kandidaten für den nächsten Bundestag bestimmt werden, dräut der Partei ein weiteres, ähnlich gelagertes Problem. Der Südwesten ist in Berlin mit vielen Abgeordneten vertreten, die brav und fleißig ihren Wahlkreis vertreten. Kluge Vordenker, Intellektuelle wie der verstorbene Andreas Schockenhoff, sind rar gesät - zu rar. Es ist derzeit nicht erkennbar, dass sich an dieser Schlagseite in der CDU etwas ändern könnte.

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