Schwäbische Zeitung

Schwäbische Zeitung: Der Zwischenrufer - Kommentar von Klaus Nachbaur

Ravensburg (ots) - Der evangelische Pfarrer blitzt manchmal durch. Die Erfahrungen des Mannes, der Jahrzehnte in einer Diktatur leben musste, scheinen immer wieder durch. Das Widerständige ist eine Wesensart von ihm. Alles zusammen macht aus Joachim Gauck einen ungewöhnlichen Bundespräsidenten - und zwar im Sinne von unbequem. Es ist ja ein arg strapazierter Begriff, aber Gauck ist authentisch. Er meint, was er sagt, und die Menschen spüren das. Seine Forderung, die Menschenrechte und die Menschenwürde im äußersten Notfall mit der Waffe zu verteidigen und sein jüngster Appell, die Flüchtlingspolitik humaner zu gestalten, sind zwei Seiten derselben Medaille. Von einem Sonntagsredner unterscheidet diesen Präsidenten, dass er immer reichlich konkret wird. Und: Der Unbequeme nimmt gern Gegenwind in Kauf. Er weiß, dass Deutschland nicht alle Flüchtlinge dieser Welt aufnehmen kann, aber er lehnt es ab, sich hinter einer Binsenweisheit wegzuducken, sie als Ausrede zu benutzen. Joachim Gauck ist ein durch und durch politischer Mensch, ein Einmischer und Zwischenrufer. Er strapaziert sein Amt - aber dem Land tut es gut.

Pressekontakt:

Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

Original-Content von: Schwäbische Zeitung, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: Schwäbische Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren: