Polizeipräsidium Mittelfranken

POL-MFR: (1049) Polizeiliche Kriminalprävention - Polizei zeigt Stalkern die rote Karte Durch Information und Aufklärung frühzeitiges Einschreiten ermöglichen - Psychoterror beenden

    Mittelfranken (ots) - Stalking ist permanenter Psychoterror, der das Opfer zermürbt und in die Verzweiflung treibt. Der neue Paragraph 238 des Strafgesetzbuchs ermöglicht jetzt der Polizei, frühzeitig und konsequent gegen Stalker vorzugehen. Dazu startet die Polizei eine bundesweite Initiative mit dem Ziel, die Bevölkerung und Polizei fit zu machen zum Schutz gegen Stalking. Entscheidend dabei ist, dass der verbesserte Schutz im Einzelfall greift und das Martyrium der Opfer frühzeitig ein schnelles Ende findet bzw. dass es erst gar nicht soweit kommt. Die Aufklärungsinitiative umfasst einen Kurzfilm für die Bevölkerung, der den Leidensweg eines Stalkingopfers nachzeichnet und zeigt, wie sich Opfer schützen können, ein Merkblatt mit Vorbeugungstipps sowie ein umfangreiches Serviceangebot im Internet. Alle Informationen sind abrufbar unter www.polizei-beratung.de. Darüber hinaus wurde für Polizisten ein spezieller Schulungsfilm mit Filmbegleitheft erarbeitet, der über das Phänomen Stalking und den Umgang mit Stalkingopfern informiert.

    Die Stalker bedienen sich übler Machenschaften, um ihre Opfer zu quälen, um Macht und Kontrolle über sie zu erlangen. Auf Platz eins dieser Negativliste mit fast 80 Prozent stehen die unerwünschten Kontaktversuche durch Auflauern des Opfers im Bereich der Wohnung oder des Büros. Nahezu 70 Prozent werden zudem von ihrem Peiniger verfolgt. Mit massenhaft Briefen, Geschenken und Telefonanrufen bombardieren rund zwei Drittel der Stalker ihre Opfer. Auch moderne Kommunikationsmittel wie SMS und E-Mail nutzen Stalker vermehrt, um ihr Repertoire des Psychoterrors auszuweiten. Der neue Kurzfilm der Polizeilichen Kriminalprävention "Wenn Liebe zur Bedrohung wird" setzt einen typischen Stalking-Fall szenisch um. Gezeigt wird nicht nur, wie der Stalker sein Opfer verfolgt und in die Enge treibt, sondern auch welch tief greifende körperliche und seelische Belastungen die Betroffenen im Berufs- und Privatleben häufig davontragen. Ergänzend dazu werden in dem Film wichtige Tipps zum richtigen Verhalten bei Stalking gegeben. Zudem hält die Polizei ein Merkblatt sowie spezielle Internetinformationen für die Bevölkerung bereit.

    Zehn Millionen Bürger leiden unter Stalking

    "Stalking ist keine Privatangelegenheit. Dank des neuen Stalking-Straftatbestands kann die Polizei jetzt mit aller Konsequenz frühzeitig und gezielt gegen Stalker vorgehen", betonte Erwin Hetger, Vorsitzender der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes und Landespolizeipräsident von Baden-Württemberg. Rund zwölf Prozent der Menschen in Deutschland - also zehn Millionen Bürger - werden mindestens einmal in ihrem Leben gestalkt, so eine Studie des Zentralinstituts für seelische Gesundheit Mannheim. Mit einem Anteil von über 80 Prozent sind Frauen als Opfer überrepräsentiert, während die Täter vorwiegend männlich sind. Das Gefahrenpotenzial reicht von Belästigungen und Bedrohungen bis hin zur völligen Eskalation der Situation - mit vereinzelt sogar tödlichem Ausgang.

    Sechs Tipps der Polizei für Stalking-Opfer Zeigen Sie dem Stalker eindeutig: Kontakt ist unerwünscht

    Es gibt jedoch Möglichkeiten, sich gegen den Psychoterror zu wehren. Von zentraler Bedeutung ist, dass Opfer über das Phänomen Stalking informiert sind, sich gegenüber dem Stalker von Anfang an richtig verhalten, den neu geschaffenen strafrechtlichen Schutz in Anspruch nehmen und zur Polizei gehen. Zu den wichtigsten Vorbeugungstipps zählen: § Machen Sie dem Stalker sofort und unmissverständlich klar, dass Sie keinen Kontakt mehr wünschen. § Halten Sie sich konsequent an diese Aufforderung und ignorieren Sie den Stalker anschließend völlig. § Dokumentieren Sie alles, was der Stalker Ihnen schickt, mitteilt oder was er unternimmt. § Lassen Sie bei Telefonterror Ihre Telefonnummer, bei E-Mail-Terror Ihre E-Mail-Adresse ändern. § Öffentlichkeit kann schützen! Informieren Sie Ihr Umfeld über Ihr Problem. § Wenden Sie sich an die Polizei und erstatten Sie Anzeige.

    Stalker geraten ins Visier der Polizei

    "Der am 31. März in Kraft getretene "Stalking-Paragraph" 238 des Strafgesetzbuchs stellt die sich aufsummierenden vermeintlich kleinen Belästigungen, die einen Großteil des Psychoterrors ausmachen, unter Strafe und schließt damit eine gesetzliche Lücke. Denn viele der gerade für Stalking typischen Verhaltensweisen, wie ständige Telefonanrufe oder das Auflauern, waren bislang strafrechtlich nicht oder nur schwer zu ahnden", sagte Hetger. "Die Polizei kann jetzt konsequent intervenieren und dem Stalker die rote Karte zeigen. Ich appelliere deshalb an alle Betroffenen, bei Stalking nicht zuzuwarten, sondern frühzeitig zur Polizei zu gehen und Anzeige zu erstatten."

    Um die Beamtinnen und Beamten optimal auf das Einschreiten bei Stalking vorzubereiten, hat die Polizei ihr Fortbildungsangebot in Sachen Stalking um einen speziellen Schulungsfilm mit einem Filmbegleitheft ergänzt. Die Beamten sollen sofort die notwendigen Maßnahmen in die Wege leiten können, um das Opfer zu schützen und Ermittlungen gegen den Stalker einzuleiten. Nicht selten hat das Leid bereits ein Ende, wenn die Polizei den Täter auf seine üblen Machenschaften anspricht und ihm verdeutlicht, dass sie ihn fortan im Visier behält.

    Der Kurzfilm "Wenn Liebe zur Bedrohung wird" kann online unter www.polizei-beratung.de angesehen werden. Dort gibt es auch das Merkblatt mit weiteren Verhaltenstipps zum Download und ausführliche Informationen.

    Anlage

    Stichwort: Stalking

    Der Begriff "Stalking" kommt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich übersetzt "auf die Pirsch gehen". Er ist aus der Jägersprache entlehnt und erinnert so an das Wild, das gejagt und zur Strecke gebracht wird. Ein Stalker verfolgt, belästigt oder bedroht sein Opfer. Er handelt manchmal aus einer Wahnidee oder Zwangsvorstellung heraus. Sein Ziel: Macht und Kontrolle über sein Opfer zu erlangen. Einige wollen sich rächen, andere agieren im Liebeswahn. Hinter einem Stalker verbirgt sich häufig ein Ex-Partner. Es kann aber auch ein Kollege, der Nachbar oder ein völlig Unbekannter sein. Oftmals hat das Opfer den Stalker zuvor verlassen oder abgewiesen. Nun will er Aufmerksamkeit erregen, sein Opfer hartnäckig zu einer (neuen) Beziehung zwingen. Dabei besteht auch die Gefahr körperlicher oder sexueller Übergriffe.

    Zum Inhalt des Films "Wenn Liebe zur Bedrohung wird"

    Der Film zeichnet eindrucksvoll das klassische Martyrium eines Stalking-Opfers nach: Anita trennt sich nach einer kurzen Beziehung von Rüdiger. Der akzeptiert die Trennung nicht und schon gar nicht, dass Anita einen neuen Freund hat. Anfangs noch völlig unbedarft, trifft sich Anita mit ihrem Ex-Freund zu einer persönlichen Aussprache. Obwohl sie ihm erklärt, dass sie für eine Beziehung mit ihm keine Chance mehr sieht, gibt Rüdiger nicht auf und beginnt Anita zu terrorisieren: Verlässt sie das Büro, lauert er ihr auf der Straße auf. Geht sie einkaufen, wartet er vor der Haustür. Er drangsaliert sie mit nicht enden wollenden Telefonanrufen, bombardiert sie mit unzähligen E-Mails, schickt ihr ungewollte und anzügliche Geschenke. Seine Annäherungsversuche werden immer perfider, Anita immer verängstigter. Sie fühlt sich ihm hilflos ausgeliefert, streitet sich deshalb mit ihrem neuen Freund und arbeitet zunehmend unkonzentriert. Eines Tages taucht der Stalker vor ihrer Wohnungstür auf. Für Anita die Initialzündung, um sich endlich an die Polizei zu wenden. Den kompletten Film können Sie im Internet unter www.polizei-beratung.de ansehen.


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