Polizeipräsidium Mittelfranken

POL-MFR: (1069) Bundesweite Mordserie mit neun Toten - XY-Sendung am 03.08.2006

    Nürnberg (ots) - Wie wiederholt berichtet, wurden seit September 2000 insgesamt neun Männer erschossen, wobei immer dieselbe Waffe verwendet wurde.

    Zur Erinnerung:

    09.09.2000 Nürnberg: Mord an Enver Simsek (39) Blumengroßhändler

    13.06.2001 Nürnberg: Mord an Abdurrahim Özüdogru (49)Änderungsschneider

    27.06.2001 Hamburg: Mord an Süleyman Tasköprü (31) Gemüsehändler

    29.08.2001 München: Mord an Habil Kilic (38)Gemüsehändler

    25.02.2004 Rostock: Mord an Yunus Turgut (25) Döner-Verkäufer

    09.06.2005 Nürnberg: Mord an Ismail Yasar (50) Dönerbudenbesitzer

    15.06.2005 München: Mord an Theodorous Boulgarides (41)Schlüsseldienst

    04.04.2006 Dortmund: Mord an Mehmet Kubasik (39) Kioskbesitzer

    06.04.2006 Kassel: Mord an Halit Yozgat (21) Besitzer eines Internetcafés

    Die Opfer waren sechs türkische Staatsangehörige, zwei türkischstämmige Deutsche und ein Grieche. Alle waren Kleingewerbetreibende, und sie wurden immer dann erschossen, wenn sie sich alleine an ihrem Arbeitsplatz aufgehalten haben (Ausnahme in Kassel). Obwohl die Polizei die Lebensumstände der Opfer durchleuchtet hat, konnten keine offensichtlichen Verbindungen unter den Männern festgestellt werden. Die meisten Opfer hatten auch keinerlei Bezug zu kriminellen Machenschaften. In keinem der Fälle gibt es ein eindeutiges Motiv.

    Da bei der Tatausübung fast keine Spuren hinterlassen wurden, haben die Sonderkommissionen, deren Steuerungsgruppe bei der BAO Bosporus (Polizeipräsidium Mittelfranken) angesiedelt ist, Arbeitshypothesen aufgestellt. Es wird sowohl in Betracht gezogen, dass es sich bei den Tätern um die Mitglieder einer kriminellen Organisation handeln könnte, gleichwohl ist aber auch ein Serienmörder als Einzeltäter denkbar.

    Bei der gestrigen XY-Sendung stieß die Mordserie auf großes Interesse. Im Aufnahmestudio in München gingen dazu acht Anrufe ein und in Nürnberg meldeten sich bei der BAO 25 Personen. Ersten Bewertungen zufolge befinden sich darunter einige Hinweise, die interessant klingen. Die genaue Aufarbeitung aller Mitteilungen wird aber etliche Zeit in Anspruch nehmen. Inwieweit eine heiße Spur darunter ist, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden.

    Nach wie vor wird die Bevölkerung um Mithilfe bei der Aufklärung der Verbrechen gebeten. Folgende Fragen sind deshalb von besonderer Bedeutung:

    Themenkomplex "Mobilität"

    - Wer kennt Personen, die beruflich oder privat häufiger Fahrten in die Tatortstädte unternahmen und eventuell noch unternehmen?

    - Wer kennt Personen, die sich zu den jeweiligen Tatzeiten in diesen Städten oder der dazugehörenden Region aufgehalten haben?

    - Wer kennt Firmen, deren Mitarbeiter überregional in diesen Städten bzw. Regionen eingesetzt waren oder sind?

    Themenkomplex  "Chronologie"

    Zwischen den Fällen 4 und 5 liegt eine 2 ½-jährige Pause. Der Mord in München wurde am 29.08.2001 verübt, der nächste in Rostock am 25.02.2004. Nach kriminalistischer Erfahrung könnte die Ursache dafür in veränderten Lebensumständen des Täters zu suchen sein. Eventuell war er während dieser Zeit eine neue Beziehung eingegangen, lebte im Ausland oder war inhaftiert.

    - Wer kennt Personen, auf die solch ein Umstand zutrifft?

    Themenkomplex "Tatwaffe"

    Als Tatwaffe wurde eine Pistole Ceska, Typ 83, Kaliber 7.65, mit Schalldämpfer verwendet. Zum Teil wurden die Schüsse durch eine Plastiktüte abgegeben.

    - Wer hat entsprechende Schießübungen beobachtet, bei denen ein Schalldämpfer benutzt wurde oder die Schussabgabe durch eine Plastiktüte erfolgte?

    - Wer kann Angaben zu Besitzern illegaler Pistolen der Marke Ceska, Brünner oder einfach CZ machen?

    - Wer kennt den Besitzer einer Waffe mit Schalldämpfer, der an einem verlängerten Lauf angebracht ist?

    Die Polizei ist besonders an Hinweisen auf Personen interessiert, bei denen mehrere der vorgenannten Merkmale zutreffen. Ob gegen diese Personen dann tatsächlich Tatverdacht besteht, werden die Ermittlungen ergeben.

    Für die Aufklärung der Mordserie ist eine Belohnung in Höhe von bis zu 300.000 Euro ausgesetzt. Die Belohnung wird nur unter Ausschluss des Rechtsweges zuerkannt und verteilt und ist ausschließlich für Privatpersonen und nicht für Beamte, zu deren Berufspflicht die Verfolgung strafbarer Handlungen gehört, bestimmt.

    Hinweise erbittet die BAO Bosporus unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800 1999200. Auf Wunsch werden die Hinweise auch vertraulich entgegen genommen.

    Weitere Einzelheiten zu dem Mordfall sind im Internet unter

                                              www.bka.de

    abrufbar.

    Peter Grösch


ots Originaltext: Polizeipräsidium Mittelfranken
Digitale Pressemappe:
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