DIE ZEIT

DIE ZEIT: Geheimdienste in die Leuna-Affäre stärker verwickelt als bisher bekannt
Leiter der Leuna-Aufklärungstruppe des Finanzministeriums ist früherer BND-Mann

Die Genfer Justiz hat die Beweisunterlagen über die sogenannte "deutsche Spur" der Leuna-Affäre an die Bundesregierung abgegeben. Das hat der Genfer Generalstaatsanwalt Bernard Bertossa der ZEIT mitgeteilt. Die Unterlagen sind am Montag bei der Bundesregierung eingegangen, wie ein Sprecher des Berliner... mehr

    Hamburg (ots) -

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    Die Geheimdienste sind stärker in die Leuna-Affäre verwickelt als bisher bekannt. Die Abwicklung und Verteilung der rund 80 Millionen Mark "Provisionen" des französischen Ölkonzerns Elf war offenbar eine Operation des französischen Auslandsgeheimdienstes DGSE.

    Fünf Geheimdienst-Mitarbeiter zählten zu den Beratern und Bevollmächtigten von Elf während der Leuna-Verhandlungen. Innerhalb des damals noch staatlichen Elf-Konzerns gab es eine ganze Betriebsgruppe der DGSE und außerhalb eine weitere, die sie führte. Der wichtigste DGSE-Mann während der Leuna-Verhandlungen war der Oberst Pierre Lethier. In Paris vor Gericht zum Thema Leuna vernommen, sagte er, er habe einen "Sonderstatus" für "französische Nachrichten-Beamte" gehabt. Ziel sei es gewesen, "französische Beamte in das Weltwirtschaftsnetz einzuschleusen. So geht es aus dem Vernehmungsprotokoll hervor, aus dem DIE ZEIT in ihrer jüngsten Ausgabe zitiert. Lethier war jener Mann, der die rund 80 Millionen Mark "Provisionen" von Elf zur Weiterverteilung erhielt.

    Auch der BND spielte offenbar eine größere Rolle als bisher bekannt. Der Geschäftsmann Dieter Holzer, der bisher wichtigste deutsche Verdächtige im Fall Leuna, war offenbar länger und intensiver für den BND tätig als bekannt. Bisher hieß es, er sei unter dem Decknamen "Baumholder" zeitweise ein Informant des BND gewesen.

    Die Recherchen der ZEIT zeigen, dass Holzer mehreren deutschen Regierungen als Geheimdienstmitarbeiter zu Diensten war. Zuerst während einer SPD/FDP-Regierung, als er 1977 bei der Geiselbefreiung in Mogadischu auf dem Rollfeld stand.

    Dann während einer CDU/FDP-Regierung, als er 1987 bei der Befreiung der entführten Geschäftsleute Cordes und Schmidt aus dem Libanon half. Die Frage liegt nahe, ob der BND die Partnerorganisation der französischen DGSE bei der Verteilung der Leuna-"Provisionen" war. Eine Sprecherin des BND hat das gegenüber der ZEIT bestritten.

    Auch bei der Aufklärung der Leuna-Affäre spielt der BND eine Rolle. Die vom Berliner Finanzministerium eingerichtete „Arbeitsgruppe Koordinierte Ermittlungen" zur Recherche von Vermögensschäden bei der Privatisierung der Raffinerie Leuna wird von einem früheren BND-Mann geleitet. Das hat der BND jetzt der ZEIT bestätigt. Auch hat der BND den Sonderermittlern des Finanzministers aufgrund von Amtshilfeersuchen, "erstmals 1997" geholfen, wie der BND der ZEIT mitteilte. Es stellt sich die Frage, wie Leute aus dem BND eine Affäre aufklären können, in die der BND offenbar verwickelt war.

    DIE ZEIT druckt exklusiv, was die Staatsanwälte hierzulande seit Monaten stoisch ignorieren und was in keine Ermittlungsakte Eingang gefunden hat. Die Erklärung dieses verwirrenden Geflechts von Holzers Stiftungen, Briefkastenfirmen und Treuhandgesellschaften sowie die Verdachtsmomente, die sich daraus ergeben, haben die Schweizer den Deutschen ebenso geschickt. Weil sich auch dafür keine Staatsanwaltschaft interessiert, hat die ZEIT diese 17 Seiten lange Erläuterung unter www.zeit.de/2001/28/leuna  (ab heute 22.00 Uhr) ins Internet gestellt.

    Diese PRESSE-Vorabmeldung aus der ZEIT Nr. 28/2001 mit     Erstverkaufstag am Donnerstag, 05. Juli 2001, ist unter     Quellen-Nennung DIE ZEIT zur Veröffentlichung frei. Der     Wortlaut des ZEIT-Textes kann angefordert werden.

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