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Erfolgreiche internationale Tagung zu Politiken der Antidiskriminierung an der Universität Koblenz

Erfolgreiche internationale Tagung zu Politiken der Antidiskriminierung an der Universität Koblenz
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Erfolgreiche internationale Tagung zu Politiken der Antidiskriminierung an der Universität Koblenz

Die Tagung Against Interlocking Forms of Discrimination and Exclusion (in Higher Education): Concepts, Struggles, and Strategies, die Ende Januar 2026 an der Universität Koblenz stattfand und Wissenschaftler*innen sowie Praktiker*innen aus Brasilien, Kanada, Deutschland und den Niederlanden zusammenbrachte, diente dem internationalen und damit kontextübergreifenden Austausch zum Themenfeld Politiken der Antidiskrimierung.

Denn das Hochschulwesen ist im Umbau: Neben Angriffen auf die Wissenschaftsfreiheit durch rechtsgerichtete Kräfte schränken laut Kerner Mittelkürzungen und neoliberale Restrukturierungsprozesse Spielräume in Lehre und Forschung ein. Zugleich ist nicht nur an deutschen Hochschulen eine Ausweitung von Antidiskriminierungsmaßnahmen zu beobachten. So werden geschlechterpolitische Gleichstellungsansätze herausgefordert und ergänzt, um verflochtenen Formen der Ungleichbehandlung zu begegnen. Dabei geht es vor allem um Fragen der Herkunft, der Klasse und um Maßnahmen gegen Rassismus. Welche Ansätze und Strategien dabei besonders vielversprechend scheinen und sich zudem als praktisch umsetzbar erweisen, ist dabei nicht ausgemacht.

Zu Beginn der Tagung unterstrich die Vizepräsidentin für Forschung und Transfer der Universität Koblenz, Prof. Dr. Claudia Quaiser-Pohl, in ihrem Grußwort das Engagement und die Erfolge der Universität Koblenz im Bereich der Gleichstellungspolitik. In ihrem öffentlichen Keynote-Vortrag thematisierte anschließend Mieke Verloo von der Radboud-Universität Nijmegen aktuelle politische Bedrohungen freier Forschung und Lehre, aber auch hochschulischer Antidiskriminierungspolitiken. Sie plädierte für eine Demokratisierung der Hochschulen, um den genannten Bedrohungen gut begegnen zu können.

Der zweite Konferenztag war konkreten Antidiskriminierungsansätzen und -strategien gewidmet. Regina Frey von der Bundesstiftung Gleichstellung in Berlin stellte den von ihrer Stiftung erarbeiteten Gleichstellungs-Check vor, der als Arbeitshilfe für die gleichstellungsorientierte Gesetzesfolgenabschätzung in Bundesministerien entwickelt wurde, grundsätzlich aber auch an Hochschulen Verwendung finden kann. Am Beispiel der letzten BAföG-Reform erläuterte Frey die Funktionsweise, aber auch praktische Herausforderungen oder gar Hürden des Instruments. Dies sind zum Beispiel die strukturelle Überforderung von Gleichstellungsbeauftragten oder fehlende empirische Daten, die über Mann-Frau-Dichotomisierungen hinausgehen.

Cristiano Rodrigues von der Universidade Federal de Minas Gerais, der sich aktuell als Fellow der Alexander von Humboldt-Stiftung als Gastwissenschaftler an der Universität Koblenz aufhält, stellte gemeinsam mit Mariana Prandini Assis von der Universidade Federal de Goiás erste Ergebnisse eines gemeinsamen Forschungsprojektes über Maßnahmen gegen geschlechtsbasierte Gewalt an brasilianischen Universitäten vor. Das Duo problematisierte dabei Strategien, die sich auf die Ebene rechtlicher Vorgaben allein beschränken.

Aline Oloff von der Technischen Universität Berlin lenkte die Aufmerksamkeit auf das deutsche Hochschulwesen und sprach über unterschiedliche Strategien der Erweiterung der etablierten Geschlechtergleichstellungspolitik um antirassistische Maßnahmen. Aktuell herrsche die sogenannte Anbaustrategie vor, also eine Ergänzung vormaliger Zuständigkeitsbereiche um zusätzliche Strukturen. Denkbar seien jedoch auch intersektionale, also Geschlechtergleichstellung und Antirassismus verschränkende Strategien. Wie diese aussehen könnten, zeigte anschließend Gemma Hunting von der Simon Fraser University in Vancouver anhand des von ihr und Kolleg*innen entwickelte Intersectionality-Based Policy Analysis Framework (IBPA), einem Ansatz für intersektionale Policy-Analysen, die unterschiedliche Diskriminierungsachsen nicht nebeneinanderstellen, wie in Diversity-Ansätzen üblich, sondern als strukturell und miteinander verschränkt verstehen. Daraus ergeben sich dann Analysen, die beispielsweise die Gruppe der Frauen nicht als homogen verstehen, sondern anhand weiterer je relevanter Merkmale ausdifferenzieren: zum Beispiel nach Alter, sexueller Orientierung oder Herkunft – und die Effekte von Policies für alle diese Untergruppen erfassen.

Lucienne Wagner, Promovendin an der Universität Koblenz, betonte die immense Dynamik des gleichstellungspolitischen Felds an Hochschulen. Vor dem Hintergrund ihrer umfassenden empirischen Forschung in dem Feld sprach sie sich dafür aus, widerständiges Praxiswissen einzubeziehen und solidarische Bündnisse an die Stelle potenziell konkurrierender Zuständigkeitsbereiche – Geschlechtergleichstellung hier, Antirassismus und Diversity dort – treten zu lassen.

Abschließend thematisierte Prof. Dr. Mai-Anh Boger, Professorin für Allgemeine Sonderpädagogik an der Universität Koblenz, am Beispiel des Begriffs der ‚First Generation‘-Studierenden Probleme, die durch die Internalisierung von Unterdrückung und Benachteiligtsein entstehen können. Sie sprach sich für Bildungspraktiken aus, die hier entgegenwirken, und betonte dabei den wichtigen Stellenwert einer humanistischen Bildung, die bewusst ohne externe Zwecksetzungen auskommt und von einem emanzipatorischen Universalismus anstatt von identitätspolitischen Imperativen geleitet ist.

Insgesamt zeigte die Tagung, dass die Bandbreite der Herausforderungen und offenen Fragen im Feld der hochschulischen Antidiskriminierungspolitik beträchtlich ist – aber auch, dass man an den unterschiedlichsten Orten an zielführenden Lösungen arbeitet. Maßnahmen der Demokratisierung von Hochschulen und der Einbeziehung von Diskriminierungsbetroffenen bei der Entwicklung von Gegenmaßnahmen gehören dazu.

Veranstaltet wurde die Tagung von Prof. Dr. Ina Kerner, Professorin im Arbeitsbereich Politische Wissenschaft des Instituts für Kulturwissenschaft an der Universität Koblenz. Die Tagung wurde vom Referat Forschung der Universität Koblenz finanziell unterstützt.

Fachliche Ansprechpartnerin

Prof. Dr. Ina Kerner

Universität Koblenz

Universitätsstr. 1

56070 Koblenz

Tel.: 0261 287 2182

E-Mail: kerner@uni-koblenz.de

Universität Koblenz
Referat Kommunikation
Universitätsstraße 1
56070 Koblenz
E-Mail:  pressestelle@uni-koblenz.de
Website:  https://www.uni-koblenz.de                                                 
Weiteres Material zum Download

Dokument:  Tagung Kerner Agains~Discrimination.docx