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30.08.2004 – 09:59

WDR Westdeutscher Rundfunk

WDR Fernsehen, Mittwoch, 1. September 2004, 20.15-21.15 Uhr HART aber fair – Die Reportage

    Köln (ots)

HART aber fair – Die Reportage Beutezug fürs Alter - Rentner-Aufstand gegen Politiker-Pensionen Eine Reportage von Frank Plasberg und Jürgen Schulte

    Frank Plasberg erkundet in der „HART aber fair“-Reportage „Beutezug fürs Alter“ den deutschen Rentendschungel und fragt, wie lange sich die Bürger die vielen kleinen und großen Ungerechtigkeiten im System noch gefallen lassen. Wie lebt es sich als Rentner in Deutschland? Schwer zu sagen, kommt darauf an, wen man fragt.

    Zum Beispiel Rentnerin Helga Schlotzhauer: Frank Plasberg besucht sie in Düsseldorf. Sie wohnt in einer kleinen Altbauwohnung im vierten Stock. Die Treppen werden für die 81-jährige langsam beschwerlich, doch einen Umzug kann sie sich nicht leisten. Vor einem Jahr war Helga Schlotzhauer Gast in der WDR-Sendung „HART aber fair“ und berichtete den Zuschauern, wie sie versucht, von weniger als 200 Euro im Monat ein erfülltes Leben im Alter zu führen. Helga Schlotzhauer öffnet ihr Fotoalbum und erzählt Frank Plasberg aus ihrem Leben: Von ihrem Mann, der sie immer wieder betrogen hat, von dem sie nur los kam, weil sie sich „schuldig“ scheiden ließ und dafür auf Unterhalt und Rentenansprüche verzichtete. Vom Leben in den 60er und 70er Jahren mit einer schlecht bezahlten Stelle als ungelernte Verkäuferin. Ihr persönliches Schicksal hat sie klaglos und mit Würde ertragen. Nur ein Gedanke läßt sie traurig werden: Weihnachten - ihren vier Enkelkindern wird sie auch in diesem Jahr nichts schenken können, weil dafür die Rente nicht reicht.

    Oder: Hans Fritsche. Der Rentner aus Berlin hat eine Seniorenresidenz der Caritas auf Mallorca als Altersruhesitz gewählt. 1.500 € zahlt er monatlich für sein Appartment mit Blick auf die Bucht von Paguera. „Nein“, sagt er, „privilegiert fühle ich mich nicht. Das ist der Lohn für das, was ich im Leben geleistet habe.“ Hans Fritsche, 78, hat als Theaterinspektor gearbeitet, ein sicherer Job im öffentlichen Dienst. Neben seiner Rente hat er noch Reserven aus dem Verkauf eines Ferienhauses auf Mallorca. Die kalten, regnerischen Winter in Deutschland hat er hinter sich gelassen. Jetzt genießt er bei Frühgymnastik am Pool der Seniorenresidenz den sonnigen Süden.

    Und: SPD-Bundestagsabgeordneter Dieter Wiefelspütz. Er steht noch im Berufsleben, sein Lebensabend ist jetzt schon mehr als abgesichert. 4.500 € wird er monatlich bekommen, obwohl er nie in eine Rentenversicherung eingezahlt hat. Er hätte sogar schon vor zwei Jahren mit 55 in Rente gehen können. Seine üppige Altersversorgung hält er für nicht gerecht. Im November 2003 versprach er deswegen als Gast bei „HART aber fair“ Abhilfe: „Wir werden uns endlich die gleiche Härte zumuten, die alle anderen ertragen müssen.“ Mit Frank Plasberg und den Zuschauern wettete Wiefelspütz, dass bis spätestens Juli 2004 die Eckwerte einer neuen und bescheideneren Regelung unter Dach und Fach seien, andernfalls wolle er eine Monatsdiät von 7009 Euro für einen guten Zweck spenden. Wiefelspütz hat hoch gepokert - und verloren. Auf eine Reform ihrer Altersbezüge haben sich die Abgeordneten des Deutschen Bundestages bis Juli nicht verständigen können. Frank Plasberg nahm die 7009 Euro in der letzten „HART aber fair“- Sendung vor der Sommerpause entgegen – für Helga Schlotzhauer. Sie kann das Geld gut gebrauchen. Denn was den Abgeordneten in eigener Sache so schwer fällt, haben sie für Millionen Bürger längst beschlossen: Eine de facto - Kürzung der Renten. Hans Fritsche ist sauer auf die Politik, auch wenn ihm die Nullrunde und die Beiträge zur Pflege- und Krankenversicherung nicht den Schlaf rauben. Bei Helga Schlotzhauer hingegen sind ein paar Euro weniger im Monat schon existenzbedrohend.

    In Berlin trifft Helga Schlotzhauer den Bundestagsabgeordneten Wiefelspütz und muss erfahren, dass es für sie mit dem Verzichten weitergehen soll: „Was wir Frau Schlotzhauer zumuten, ist nur das Vorspiel – wir werden noch viel tiefer gehende Einschnitte und Reformen bei der Rente erleben. Denn die Generation der heute 40jährigen wird nur noch einen Bruchteil des Geldes bekommen, das sie eingezahlt hat, und wer heute jünger als 20 ist, bekommt noch weniger, vielleicht gar nichts mehr.“

    Die „HART aber fair“- Reportage ist die Ergänzung zum erfolgreichen WDR-Talk-Format (mittwochs, 20.15-21.45 Uhr im WDR Fernsehen).

Redaktion: Stefan Wirtz

Pressekontakt: Kristina Bausch, WDR-Pressestelle Tel. 0221 - 220 4607 kristina.bausch@wdr.de

Fotos unter www.ard-foto.de

ots-Originaltext: WDR Westdeutscher Rundfunk

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