WDR Westdeutscher Rundfunk

WDR Fernsehen, Donnerstag 20. Juni 2002, 21.00 - 21.45 Uhr
Soldaten hinter Stacheldraht
Teil 3: Heimkehr
Ein Film von Meinhard Prill

    Köln (ots) - 1947, zwei Jahre nach Kriegsende: Noch immer befinden
sich mehr als drei Millionen deutscher Soldaten in Gefangenschaft.
Sie fehlen zu Hause als Väter, Ehemänner und als Arbeitskräfte. Ohne
sie, das erkennen auch die Alliierten, kann der Wiederaufbau des
Landes nicht gelingen. Im April 1947 beschließen die alliierten
Außenminister in Moskau, bis Ende 1948 alle deutschen
Kriegsgefangenen freizulassen. Die westlichen Alliierten folgen
diesem Beschluss. Die Sowjetunion dagegen hält eine zunächst
unbekannte Zahl von Gefangenen zurück; die meisten von ihnen waren
als Kriegsverbrecher in Schauprozessen zu 25 Jahren Zwangsarbeit
verurteilt worden. Die westliche Presse vermutet 1949 noch 1,5
Millionen deutsche Soldaten im Osten. Tatsächlich sind es nur noch
30.000. Die letzten von ihnen kehren erst im Januar 1956  heim -
umjubelt von der Bevölkerung.
    
    Das Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen war schnell zu einem
Instrument des kalten Krieges geworden. Mit Pathos gedachten die
Bundesbürger in den frühen fünfziger Jahren der Gefangenen. Sie
stellten Kerzen ins Fenster, feierten einen "Tag der Treue" und
schickten Weihnachtspakete in die sowjetischen Lager. Bis heute
verdecken diese Bilder, auf welche Probleme in Ost- wie in
Westdeutschland die Heimkehrer tatsächlich stießen. Zwar hatte sich
im Lauf der Zeit ihr Gesundheitszustand gebessert. Aber je später sie
zurückkehrten, desto schwieriger war die Integration.
    
    Der Krieg und die Jahre danach hatten die alten Rollenmuster von
Mann und Frau erschüttert. Die Frauen waren notgedrungen
selbständiger geworden, die Männer unselbständiger, auch apathischer.
Die meisten Spätheimkehrer hatten ihr Leben lang den Eindruck, die
verlorenen Jahre nie aufgeholt zu haben.
    
    Redaktion: Beate Schlanstein
    
    
ots Originaltext: WDR
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