WDR Westdeutscher Rundfunk

Billig-Sekt ist Geld nicht wert
Niederschmetterndes Ergebnis bei WDR-Verkostung - 60 % nicht befriedigend
Aldi-Sekt Test-Sieger

    Köln (ots) - Billig-Sekte sind oft selbst ihren niedrigen Preis nicht wert. So das Gesamtergebnis eines Sekt-Tests, den die Redaktionsgruppe Umwelt und Verbraucher des WDR-Hörfunks kurz vor dem Jahreswechsel durchführte. Zehn Sekte der Preisklasse unter 3,50 Euro, sowie zwei Marken zu deutlich höheren Preisen wurden untersucht.          Das Testurteil: oft alte und minderwertige Grundweine, die mit Säure und Zucker aufgepeppt werden. Häufig gab es Bewertungen wie "muffig", "unangenehm", "riecht nach Hühnerstall", "schmeckt wie verbrannte Autoreifen". 60 Prozent der in einem standardisierten Blindtest geprüften Sekte erreichten das Prädikat befriedigend nicht.

    Aber es gab auch positive Ausnahmen: Test-Sieger wurde ein trockener Aldi-Sekt, Marke "Auerbach", zum Preis von DM 4,98. Er erhielt die Gesamtnote 2,8.

    Bewertet wurde nach Schulnoten.
    
    Aus den Kriterien Geruch, Geschmack und Mundgefühl wurde der
Mittelwert errechnet. Hinzu kam eine Bewertung der Kohlensäure-Perlen
sowie die der Klarheit. Getestet wurde von ausgewiesenen Fachleuten
- Christina Fischer, die Kölner Restaurant-Inhaberin und Sommeliere
2001, Harald Schlächter, Mitglied der Kommission für
Qualitätsweinprüfung, Ludwig Wengenmayer, Chef-Einkäufer für Wein bei
der REWE-Gruppe sowie zwei qualifizierte Gäste. Erstaunlich dabei:
sowohl die Fachleute als auch Gäste wie Dieter Maiwald,
Chefbraumeister aus der Brauerei Gilden Kölsch oder der weinkundige
evangelische Pfarrer Klaus Völkel, kamen stets zu übereinstimmenden
Ergebnissen.
    
    Ein glattes "mangelhaft' gab es für den italienischen Vertreter
"Massimo Spumante" und den DLG-prämierten Beeren-Perlwein "Graf
Artos". Die Tester bemängelten bei beiden Kandidaten muffigen und
anderen unangenehmen Geruch sowie einen bereits fortgeschrittenen
Oxydations-Prozess.
    
    Die Mehrzahl der untersuchten Sekte erreichten in dem sensorischen
Test kein befriedigendes Ergebnis. Häufiger gab es Bewertungen wie:
"unsauber", "langweilig, pappig" und "mit Kohlensäure aufgepeppt".
Dabei waren sich die Fachleute einig: bei einem Preis von weniger als
DM 3,- wie bei der Marke "Römer Krönung" kann eigentlich kein
vernünftiges Produkt mehr angeboten werden. Martin Kühn,
Weinkontrolleur des Landes Nordrhein-Westfalen, zu der
Preiskalkulation bei Sekt: Auf jede Flasche kommen DM 2,- Sekt-Steuer
und 50 bis 70 Pfennige für die Ausstattung, also Etikett, die Flasche
und den Verschluss. Dazu kommen mindestens 40 Pfennige
Mehrwertsteuer. Da kann sich jeder ausrechnen, wie viel bei seinem
Sekt für den Grundwein übrig bleibt.
    
    "Chemie-Panschereien" gibt es nach den Erfahrungen von Ludwig
Wengenmayer (REWE) trotzdem nicht. Denn die Grundweine aus Spanien
und Italien kosten nur einen Spottpreis. Nach geltendem EU-Recht
dürfen die Grundweine jedoch in Deutschland zu Sekt weitervergoren
werden. Doch oft sind es eben Billigprodukte, die nach dem Rezept
gemacht werden: Minderwertiger Wein, ein wenig Säure und Zucker -
fertig ist die Silvester-Brause. Ein Zustand, den auch Ludwig
Wengenmayer, Wein-Einkäufer der REWE-Gruppe, bedauert. Aber :"Die
Konkurrenz-Situation ist eben so". Als Tester ließ er das - wie auch
seine Kollegen - nicht durchgehen. Geschmackssicher erkannten die
Fachleute die Billig-Sekte, wie den spanischen "Don Cavall", Note
3,4, oder den Riesling-Sekt "Feist", Note 4,3. Auch den im Test-Korb
versteckten Champagner "Vauve Monsigny"' (DM 19,98), der zum
Vergleich nach dem selben Verfahren getestet wurde, schmeckten sie
heraus. Doch der kam mit der Note 3,3 nur auf Rang sechs - die Tester
machten auch hier alte und muffige Grundweine aus.
    
    Dabei hatte die chemische Analyse zuvor ergeben: alle Sekte
einwandfrei, alle Grenzwerte eingehalten. Eine Gesundheitsgefahr geht
also trotz des teilweise grauenvollen Geschmacks von diesen Sekten
nicht aus.
    
ots Originaltext: WDR
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