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18.05.2020 – 15:20

ZDF

ZDF-Programmhinweis
Sonntag, 24. Mai 2020

Mainz (ots)

Bitte aktualisierten Programmtext beachten!!

Sonntag, 24. Mai 2020, 23.45 Uhr
Precht
Verändert Corona unsere Gesellschaft?
Richard David Precht im Gespräch mit Andreas Reckwitz, Soziologe

Nach Corona wird alles anders sein als vorher - diese Annahme hört 
man derzeit oft. Doch stimmt sie? Was genau verändert sich, wenn die 
Pandemie überwunden sein wird? 

Wie Corona die Gesellschaft, die Wirtschaft und das Verhalten der 
Menschen in Zukunft beeinflussen wird, darüber spricht Richard David 
Precht mit dem Soziologen Prof. Dr. Andreas Reckwitz, Professor an 
der Humboldt-Universität zu Berlin.

Nichts wird mehr so sein wie vor Corona, meinen viele - und manche 
fürchten es. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen sind 
derzeit noch nicht absehbar. Eine besondere Herausforderung müsse das
Risikomanagement der Regierungen bestehen, meint Andreas Reckwitz, 
der von Politikern und Politikerinnen wie Bundeskanzlerin Angela 
Merkel oder SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil gelesen wird. Beim 
Abwägen zwischen allgemeinem Gesundheitsschutz und dem Grundrecht des
Einzelnen auf freie Entfaltung stehe man immer vor einem schwer 
lösbaren Dilemma. Und wie groß wird der Einfluss der Wissenschaft auf
die Politik in Zukunft sein, fragt Reckwitz.

Der Fortschrittsglaube, der unser System bisher immer höher und immer
weiter tragen sollte, stoße durch die Corona-Krise endgültig an seine
Grenzen, sagt Richard David Precht. Das Vertrauen und die Zuversicht 
in stetiges Wachstum, Globalisierung und eine deregulierte Wirtschaft
schwinde. Ein Kontrollverlust der Systeme werde spürbar und 
verunsichere vor allem die hoch entwickelten Gesellschaften. Zudem 
werfe die Corona-Krise den Menschen auch auf seine biologische 
Existenz zurück. Wir sind zerbrechlich und merken jetzt wieder, dass 
wir doch mehr mit den Tieren verwandt sind als mit unseren 
Smartphones, kommentiert Precht. 

Möglicherweise, so Andreas Reckwitz, wird sich unser 
Fortschrittsbegriff durch die aktuellen Ereignisse ja auch verändern,
hin zu einem Fortschritt des Weniger, der Nachhaltigkeit und der 
Besinnung auf das Wesentliche. Zugleich müsse man aber auch an die 
sozialen und wirtschaftlichen Verheerungen der Pandemie denken. 
Reckwitz prognostiziert, dass dem Staat in Zukunft wieder mehr 
regulierende Verantwortung zufallen wird. 

Wird Corona am Ende lehren, fragt Precht, wieder mehr als 
Gesellschaft zu fühlen und weniger als egoistisches Individuum? Wird 
es vor allem der Politik gelingen, notwendige Kurskorrekturen 
rechtzeitig in Angriff zu nehmen? Precht und sein Gast Andreas 
Reckwitz konstatieren, dass durch diese biologische Katastrophe nun 
endgültig begreifbar sei, dass nun auch der Klimakrise mit dem 
dringend erforderlichen Ernst begegnet werden müsse. Oder schlägt das
Pendel in die entgegengesetzte Richtung aus, und die Gesellschaft 
wird eine Zeit der Abschottung, Selbstbezogenheit und eines 
grassierenden Populismus erleben? 

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