Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit
Weltdrogentag 2026: Kokainkonsum unter jungen Erwachsenen nimmt zu
Neue Daten des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit zum Konsum illegaler Drogen bei jungen Menschen in Deutschland
Immer mehr junge Erwachsene konsumieren Kokain: Das belegen aktuelle Daten der Drogenaffinitätsstudie 2025, die das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) anlässlich des Weltdrogentags 2026 am 26. Juni erstmals veröffentlicht. Bei Jugendlichen bleibt der Konsum illegaler Drogen auf einem insgesamt niedrigen Niveau.
Insgesamt 2,5 Prozent der 12- bis 17-jährigen Jugendlichen gaben an, bereits Erfahrungen mit mindestens einer illegalen Droge zu haben. Zwischen Jungen und Mädchen zeigten sich dabei keine Unterschiede.
Bei den 18- bis 25-jährigen jungen Erwachsenen lag dieser Anteil mit 18,7 Prozent deutlich höher. Dabei hatten nahezu doppelt so viele junge Männer wie Frauen Erfahrungen mit illegalen Drogen (23,8 % gegenüber 12,9 %).
Auffällig ist die Entwicklung beim Kokainkonsum: Im Zehnjahresvergleich stieg der Konsum bei Männern und Frauen im Alter von 18 bis 25 Jahren von 1,2 auf 4,1 Prozent.
Gaben 2015 noch 1,8 Prozent der jungen Männer an, in den zwölf Monaten vor der Befragung (mindestens einmal) Kokain konsumiert zu haben, lag dieser Anteil im Jahr 2025 bei 5,7 Prozent.
Bei den jungen Frauen stieg der Anteil innerhalb von zehn Jahren von 0,5 auf 2,4 Prozent.
Abwasseranalysen im Auftrag der Drogenagentur der Europäischen Union (EUDA) in deutschen Städten deuten ebenfalls auf eine Zunahme des Kokainkonsums in den letzten Jahren hin.
Bei den Jugendlichen zeigten sich über den gleichen Zeitraum keine bedeutsamen Veränderungen beim Kokainkonsum.
Insgesamt am häufigsten genannt wurden in beiden Altersgruppen Erfahrungen mit Lachgas. 1,3 Prozent der Jugendlichen sowie 8,0 Prozent der jungen Erwachsenen gaben an, in ihrem Leben schon (mindestens) einmal Lachgas konsumiert zu haben.
Erst nach der Erhebung der Studiendaten traten am 12. April 2026 Änderungen des Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetzes in Kraft. Unter anderem ist seitdem der Verkauf von Lachgas an Minderjährige sowie über den Versandhandel und über Automaten verboten. Damit soll insbesondere der Missbrauch durch Jugendliche unter 18 Jahren eingeschränkt werden.
Prof. Dr. Hendrik Streeck, Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen: „Sucht ist immer ein Spiegel unserer Gesellschaft und zeigt auch unsere Verletzlichkeit. Deshalb bin ich besorgt, wie hoch der Konsum unter jungen Menschen ist und wie schnell sich der Drogenmarkt gerade verändert. Junge Menschen kommen leichter an immer potentere Substanzen. Digitale Kanäle beschleunigen diesen Zugang und verharmlosen Risiken, die real und oft lebensgefährlich sind. Besonders der Anstieg des Kokainkonsums bei jungen Erwachsenen alarmiert mich. Kokain gilt vielen noch immer und wieder mehr als Party- oder Leistungsdroge. Das ist eine gefährliche Täuschung. Aus ärztlicher Sicht ist eindeutig: Kokain kann schnell abhängig machen und schwere Schäden an Herz, Gehirn und Psyche verursachen. Kokain zerstört aber auch weit über den einzelnen Konsum hinaus. Jede Linie finanziert kriminelle Netzwerke, die von Gewalt, Menschenhandel und Korruption leben. Wir brauchen deshalb eine ehrliche Prävention, die junge Menschen früher und auf Augenhöhe erreicht, auch im digitalen Raum. Und wir brauchen verlässliche Beratung und Hilfe. Gerade in schwierigen Haushaltszeiten entscheidet sich, ob wir Sucht verhindern oder ihre Folgen später teuer bezahlen.“
Dr. Johannes Nießen, Kommissarischer Leiter des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit: „Die meisten jungen Menschen nehmen keine illegalen Drogen – das ist die gute Nachricht. Aber wir sehen auch: Junge Erwachsene greifen heute deutlich häufiger zu Kokain als noch vor zehn Jahren. Genau hier müssen wir früh ansetzen, Risiken klar benennen und junge Menschen dort erreichen, wo sie Informationen suchen. Mit drugcom.de bieten wir dafür ein kostenfreies Angebot, mit dem sich im vergangenen Jahr knapp sechs Millionen Menschen informiert haben – besonders oft zu Kokain und Amphetaminen.“
Studie „Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2025“: Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, ehemals BZgA, untersucht seit 1973 mit wiederholt durchgeführten Repräsentativbefragungen den Substanzkonsum junger Menschen in Deutschland. Die aktuelle Studie aus dem Jahr 2025 baut auf den früheren Erhebungen auf und analysiert längerfristige Veränderungen im Konsum legaler und illegaler Drogen unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 12 und 25 Jahren. Dafür wurden im Zeitraum April bis Juli 2025 insgesamt 7.001 Personen dieser Altersgruppe befragt.
Ein Infoblatt mit ausgewählten Grafiken zum Thema finden Sie hier:
www.bioeg.de/presse/daten-und-fakten/suchtpraevention/
Der Bundesdrogenbeauftragte hat die Schirmherrschaft für die Sucht- und Drogen-Hotline des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit übernommen.
Die Hotline, Telefonnummer 01806 313031, bietet telefonische Beratung, Hilfe und Informationen durch erfahrene Fachkräfte aus der Drogen- und Suchthilfe (erreichbar Mo. – So. von 8 bis 24 Uhr, kostenpflichtig, 0,20 € pro Anruf aus dem Festnetz und aus dem Mobilfunknetz)
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