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20.09.2000 – 12:05

BDI Bundesverband der Deutschen Industrie

BDI zur Pressekonferenz von Prodi: Mehr Wettbewerb öffentlicher Dienstleistungen

    Berlin (ots)

    "Unter dem Deckmantel der sogenannten Daseinsvorsorge darf es keine wettbewerbsrechtlichen Reservate für die wirtschaftliche Betätigung der öffentliche Hand geben". Dies forderte BDI-Hauptgeschäftsführer Ludolf von Wartenberg anlässlich der heute von Kommissionspräsident Prodi vorgestellten Mitteilung der EU-Kommission zur Daseinsvorsorge. Der BDI-Hauptgeschäftsführer hob hervor, dass "der Wettbewerb privater Unternehmen am besten geeignet ist, die Versorgung mit grundgesetzlich garantierten Leistungen zu sichern." Gerade die Liberalisierung der Telekommunikations- und Energiemärkte hätte eindrucksvoll gezeigt, dass Wettbewerb zu einer höheren Angebotsvielfalt, zu günstigeren Preisen und technischen Innovationen führten.

    Soweit der EG-Vertrag bereits heute besondere Regeln für
Dienstleistungen von "allgemeinem wirtschaftlichem Interesse"
enthalte, dürften diese allenfalls in eng umgrenzten Ausnahmefällen
zur Anwendung kommen. Im Interesse des Wettbewerbs in Europa müsse
vielmehr die von der EU-Kommission betriebene Liberalisierung und
Deregulierung konsequent vorangetrieben werden, betonte Wartenberg.
Besonders große Defizite bestünden beispielsweise noch immer in den
Märkten für Abfallentsorgung, im Bereich der Wasserwirtschaft, im
Gesundheitssektor sowie bei den Postdienstleistungen. Hier dürften
die Chancen der europäischen Wirtschaft nicht verspielt werden.

    An die Adresse der deutschen Bundesländer richtete der
BDI-Hauptgeschäftsführer den Appell, im eigenen Interesse die Debatte
um die Daseinsvorsorge nicht eskalieren zu lassen. Forderungen, die
Zustimmung zu den Ergebnissen der EU-Regierungskonferenz mit der
Verankerung wettbewerbsrechtlicher Sonderregelungen für die
Daseinsvorsorge im EU-Vertrag zu verknüpfen, seien verfehlt. Dies
würde den Fahrplan für die EU-Ost-Erweiterung gefährden und die
Glaubwürdigkeit der EU in den Beitrittverhandlungen untergraben.
"Wenn die EU von den Beitrittskandidaten weitreichende
wirtschaftliche und strukturelle Reformen, eine zügige Privatisierung
und die Liberalisierung von Schlüsselmärkten verlangt, muss sie
selbst mit gutem Beispiel vorangehen", unterstrich Wartenberg.

ots Originaltext: Bundesverband der Deutschen Industrie e. V.
Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de

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