WHU - Otto Beisheim School of Management
Deutschland fällt bei Wachstumskennzahlen in die untere Hälfte des EU-Durchschnitts
Der Anteil wachstumsstarker Unternehmen in Deutschland ist auf 10,5 Prozent gesunken und liegt damit fast fünf Prozentpunkte unter dem EU27-Durchschnitt von 15 Prozent. Zwar könnten Einschränkungen bei der Datenverfügbarkeit den Abstand teilweise erklären, doch die Konsistenz des Musters der vergangenen fünf Jahre und über alle acht Wachstumskategorien hinweg deutet eher auf strukturelle Schwierigkeiten als auf konjunkturelle Effekte hin.
Deutschland fällt bei Wachstumskennzahlen in die untere Hälfte des EU-Durchschnitts
Das European Scaleup Institute hat auf seiner Konferenz in Barcelona am 22. und 23. Mai die vierte Ausgabe des European Scaleup Monitor vorgestellt. Der Bericht analysiert acht Kategorien des Unternehmenswachstums in den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union und umfasst rund 2,1 Millionen Unternehmen. Eine zentrale Erkenntnis lautet, dass Deutschland als größte Volkswirtschaft Europas in nahezu allen Wachstumskategorien nur im unteren Mittelfeld der EU-Mitgliedstaaten rangiert.
Deutschland und die EU27 im Jahr 2024
Als „Scaler“ werden Unternehmen bezeichnet, die über einen Zeitraum von drei Jahren ein durchschnittliches jährliches Beschäftigungswachstum von mindestens zehn Prozent erzielt haben. Sie gelten im Monitor als der umfassendste Indikator für dynamisches Unternehmenswachstum. Im Jahr 2024 erreichten lediglich 10,5 Prozent der deutschen Unternehmen diese Schwelle, verglichen mit 15 Prozent im EU27-Durchschnitt. Durch die Differenz von 4,5 Prozentpunkten landet Deutschland deutlich in der unteren Hälfte der Mitgliedstaaten. Bemerkenswert ist zudem, dass dies kein einmaliger Effekt ist. Deutschland lag in jedem Jahr zwischen 2020 und 2024 unter dem EU27-Durchschnitt bei den „Scaler“-Unternehmen. Die schwache Entwicklung zeigt demnach ein durchgängiges Muster im Fünfjahreszeitraum.
„Die anhaltende Schwäche Deutschlands in sämtlichen Wachstumskategorien und in jedem Jahr seit 2020 ist ein strukturelles Problem. Europas größte Volkswirtschaft bringt nicht mehr in dem Maße wachstumsstarke Unternehmen hervor, wie es ihre Größe und industrielle Basis erwarten ließen. Das sollte politische Entscheidungsträger:innen deutlich stärker beunruhigen als einzelne Jahreszahlen“, erklärt Prof. Dr. Dries Faems, Inhaber des Lehrstuhls für Entrepreneurship, Innovation and Technological Transformation an der WHU – Otto Beisheim School of Management.
Europa im Kontext
Neben der konstanten Schwäche Deutschlands gibt es strukturelle Fortschritte in anderen Teilen Europas zu verzeichnen, insbesondere in Südeuropa. Mit lediglich 10,5 Prozent an „Scalern“ liegt Deutschland deutlich hinter Irland (23,1 %), Spanien (20,7 %), Italien (17,7 %), Portugal (17,7 %) und Frankreich (14,0 %). Griechenland mit einem Plus von 2,8 Prozentpunkten und Portugal mit einem Plus von 1,5 Prozentpunkten gehörten 2024 zu den stärksten Aufsteigern Europas. Frankreich war die einzige große Volkswirtschaft, in der der Anteil der „Scaler“-Unternehmen weiter zunahm.
Einordnung der Ergebnisse
Bei der Interpretation der Daten ist ein wichtiger Hinweis zu beachten. Einschränkungen bei der Verfügbarkeit von Unternehmensdaten in der Orbis Datenbank könnten einen Teil der beobachteten Schwäche Deutschlands erklären. Die Abdeckung von Beschäftigtendaten auf Unternehmensebene gilt in Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Mitgliedstaaten als unvollständig. Dennoch spricht die Konsistenz der Ergebnisse über alle fünf Jahre hinweg dagegen, dass allein Dateneffekte die Unterschiede erklären.
Über das European Scaleup Institute
Das European Scaleup Institute bringt Wissenschaft und Praxis aus ganz Europa zusammen, um wachstumsstarke Unternehmen gezielt zu fördern und bessere Rahmenbedingungen für Scaleups zu schaffen. Die Plattform richtet sich an Unternehmen, politische Entscheidungsträger und öffentliche Institutionen. Zum Netzwerk gehören führende Hochschulen und Forschungseinrichtungen wie die Erasmus University Rotterdam, ESADE, ESSEC, LUISS, die Vlerick Business School und die WHU – Otto Beisheim School of Management.
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Kerstin Leitel Associate Director Public Relations WHU – Otto Beisheim School of Management Campus Vallendar, Burgplatz 2, 56179 Vallendar, Germany Tel.: +49 261 6509-540; presse@whu.edu; www.whu.edu WHU – Otto Beisheim School of Management is the Business School of the WHU Foundation.