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Kernenergie keine wirksame Option für schnellen und bezahlbaren Klimaschutz

Pressemitteilung

Darmstadt, 27. Mai 2026

Kernenergie keine wirksame Option für schnellen und bezahlbaren Klimaschutz

Bei der Bekämpfung des Klimawandels wird Kernenergie allenfalls eine untergeordnete Rolle spielen. Für eine weltweite Transformation der Stromerzeugung mit Netto-Null-Treibhausgasemissionen bis 2050 sind erneuerbare Energien die zentrale Technologie. Das geht aus einer neuen Studie des Öko-Instituts im Auftrag des Umweltbundesamtes hervor, die die Rolle der Kernenergie in globalen Energieszenarien, in nationalen Ausbauplänen sowie mit Blick auf Kosten, Flexibilität, Klimarisiken und Umweltauswirkungen untersucht. Zentrales Ergebnis: Trotz vergleichsweise niedriger Emissionen im gesamten Lebenszyklus ist die Kernenergie keine geeignete Option, um Treibhausgasemissionen schnell, verlässlich und kosteneffizient zu senken.

Erneuerbare Energien sind Schlüssel für Klimaneutralität bis 2050

Die ausgewerteten globalen Energieszenarien zeigen, dass erneuerbare Energien der entscheidende Faktor für das Erreichen der Klimaziele sind. Ihr Anteil an der Stromerzeugung steigt in den Szenarien bis 2050 auf 70 bis 100 Prozent. Die Rolle der Kernenergie bleibt dagegen begrenzt: Ihr Anteil liegt im Jahr 2050 je nach Szenario zwischen null und neun Prozent. Selbst ambitionierte nationale Ausbaupläne führen laut Studie nicht zu einer globalen „Renaissance“ der Kernenergie.

„Die Klimadebatte braucht realistische Optionen. Neue Kernkraftwerke sind teuer, ihre Inbetriebnahme dauert sehr lange und sie passen nur schlecht in ein Energiesystem, das künftig stark von Wind- und Solarenergie geprägt sein wird“, sagt Dr. Christoph Pistner, Leiter des Bereichs Nukleartechnik & Anlagensicherheit am Öko-Institut. „Wer Klimaschutz ernst nimmt, muss vor allem auf Technologien setzen, die schnell verfügbar, bezahlbar und in einem erneuerbaren Stromsystem gut integrierbar sind.“

Neue Kernkraftwerke deutlich teurer als Wind- und Solarenergie

Ein zentrales Ergebnis der Studie betrifft die Kosten. Neue Kernkraftwerke weisen deutlich höhere Stromgestehungskosten – also Kosten für die Erzeugung einer Kilowattstunde Strom über die gesamte Lebensdauer einer Anlage – als erneuerbare Energien auf.

So liegen die Kosten der Kernenergie in Europa für das Jahr 2020 bei 15 bis rund 19 Cent pro Kilowattstunde und sind damit wesentlich höher als die Durchschnittswerte für die Erzeugung von Photovoltaik oder Windenergie an Land. Für das Jahr 2030 erwartet die Studie bei neuen Kernkraftwerken sogar weiter steigende Kosten, für Windenergie an Land und Photovoltaik werden dagegen deutlich niedrigere globale Durchschnittswerte erwartet.

Auch zur Vermeidung von Treibhausgasen ist Kernenergie im Vergleich zu erneuerbaren Energien eine teure Option. Während erneuerbare Energien bereits heute und auch perspektivisch kostengünstige Möglichkeiten zur Emissionsminderung bieten, bleiben neue Kernkraftwerke aufgrund hoher Kapitalkosten, langer Bauzeiten und erheblicher finanzieller Risiken eine kostenintensive Vermeidungsoption.

Kernenergie passt schlecht in ein nachhaltiges Energiesystem

Hinzu kommt: Kernenergie ist für ein zukünftiges Stromsystem mit hohen Anteilen erneuerbarer Energien nur begrenzt geeignet. Wind- und Solarenergie erzeugen Strom abhängig von Wetterbedingungen und Tageszeit. Das künftige Energiesystem braucht daher flexible Anlagen, die diese Schwankungen ausgleichen können. Konventionelle Kernkraftwerke sind aufgrund ihrer Größe, technischen Eigenschaften und wirtschaftlichen Anforderungen auf hohe Auslastung angewiesen. Ein flexibler Betrieb würde ihre ohnehin hohen Stromerzeugungskosten weiter erhöhen.

Verdreifachung der Kernenergie bis 2050 ist unrealistisch

Die Studie untersucht außerdem, ob das Ziel einiger Staaten, die weltweite Kernkraftkapazität bis 2050 zu verdreifachen, realistisch ist. Eine solche Verdreifachung würde eine Netto-Stromkapazität von 1.160 Gigawatt bis 2050 erfordern. Dafür müssten über 25 Jahre hinweg im Durchschnitt jedes Jahr neue Kapazitäten in der Größenordnung des historischen Maximums von circa 30 Gigawatt ans Netz gehen. Demgegenüber wurden in den letzten über 30 Jahren typischerweise weniger als zehn Gigawatt neu in Betrieb genommen, was zeigt, dass eine Verdreifachung bis 2050 unrealistisch ist.

„Unser Fazit: Neue Kernkraftwerke sind zu teuer und stünden zu spät bereit, um einen signifikanten Beitrag zur Erreichung der bestehenden Klimaziele zu leisten“, so Pistner. „Erneuerbare Energien bleiben damit die zentrale Säule eines klimaneutralen Stromsystems.“

Studie „Climate and environmental impact of nuclear power“

Diese Studie entstand im Öko-Institut e.V.

Ansprechpartner am Öko-Institut

Dr. Christoph Pistner

Leiter des Institutsbereichs

Nukleartechnik & Anlagensicherheit

Öko-Institut e. V., Büro Darmstadt

Telefon: +49 6151 8191-190

E-Mail: c.pistner@oeko.de

Dr. Martin Möller

Senior Researcher im Institutsbereich

Produkte & Stoffströme

Öko-Institut e. V., Büro Freiburg

Telefon: +49 761 45295-256

E-Mail: m.moeller@oeko.de

Das Öko-Institut ist seit seiner Gründung vor mehr als 40 Jahren eine der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungseinrichtungen für eine nachhaltige Zukunft. Es erarbeitet Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

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