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WAZ: Spekulation um Wohnungsriesen: Kein Grund für Jubelarien - Leitartikel von Wilfried Beiersdorf

Essen (ots)

Die Spekulationen schießen ins Kraut: Der
Wohnungsriese Gagfah soll Interesse am Wohnungsgiganten Deutsche 
Annington haben. Ein Unternehmen in Essen schluckt eines aus Bochum 
und wird damit zum größten Wohnungsbesitzer in Deutschland - so 
könnte es kommen. Vor einigen Jahren hätten solche Pläne für ein elf 
Milliarden Euro schweres Unternehmen hier zu Lande noch Jubelarien 
ausgelöst. Nach dem Motto: Riesenfusion im Ruhrgebiet, finanziert mit
Geldern von Finanzinvestoren aus aller Welt. Sie setzen auf das 
Ruhrgebiet.
Doch im Zeichen der Globalisierungsfolgen, die längst im Alltag 
angekommen sind, reagiert die Öffentlichkeit anders. Zumal es hier um
eine Branche geht, die das Leben der meisten Menschen direkt berührt.
Denn die internationalen Finanzfonds, die im Geld ihrer Anleger nur 
so schwimmen und zum Gewinnmachen verurteilt sind, haben den 
deutschen Wohnungsmarkt für ihre Zwecke entdeckt. Noch 3,3 Millionen 
Objekte der Begierde sind allein im Besitz von Städten und Ländern. 
Und die brauchen bekanntlich dringend Geld.
Für die oft langjährigen Mieter von Sozial- oder Werkswohnungen 
geht damit meist über Nacht eine jahrzehntelange Idylle zu Ende. Da 
sollen Wohnungen plötzlich modernisiert werden, oft mit allem Schnick
und Schnack - und entsprechenden Miet-erhöhungen. Andere Mieter 
sollen plötzlich entscheiden, ob sie ihre Wohnung kaufen oder 
irgendwann ausziehen. Hilfreich ist aus ihrer Sicht häufig, dass das 
deutsche Mietrecht reine Wildwest-Methoden nicht zulässt. Trotzdem: 
Mit den neuen Besitzern halten oft große Unruhe und latente Ängste in
ganzen Wohnvierteln Einzug.
Dabei müssen die Befürchtungen von Mieterschützern aber nicht 
eintreten. Größere Unternehmen können durchaus einen besseren Service
bieten als die bisherigen Besitzer. Da war längst nicht alles in 
Ordnung. Aber darum geht es nicht, wenn Wohnungen - oder gleich ganze
Wohnungsgesellschaften - abgestoßen werden. Immer mehr Städte sehen 
im Verkauf ihres Wohnungsbestandes die Lösung ihrer finan-ziellen 
Probleme. Das ist ein gefährlicher Weg. Denn die Städte geben so die 
Chance aus der Hand, die betreffenden Gebiete im Interesse von 
Bürgern, Mietern und Allgemeinheit weiterzuentwickeln. Die sozialen 
Folgekosten von kommunalen Wohnungsverkäufen werden viele Städte in 
einigen Jahren wohl noch teuer zu stehen kommen. Für die Mieter kann 
das schon viel schneller geschehen. Sind ganze Wohngebiete erst in 
einer Hand, sind flächendeckende Miet-erhöhungen vermutlich nicht 
mehr weit.

Pressekontakt:

Rückfragen bitte an:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Thomas Kloß
Telefon: (0201) 804-8975
zentralredaktion@waz.de

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