ver.di Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft
ver.di-Auftakt der Tarifrunde im Handel: ver.di fordert deutlich höhere Einkommen und bessere Arbeitsbedingungen im Handel
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- 2026-02-26_Pressegespräch_Handel.pdf
PDF - 1,7 MB - Übersicht_Verhandlun~rmine_GAH_2026_.pdf
PDF - 62 kB - Übersicht_Verhandlun~ermine_EH_2026_.pdf
PDF - 64 kB - Übersicht Beschlussf~ngen nach Datum.pdf
PDF - 106 kB - Übersicht der Forderungen_EH 2026.pdf
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Ver.di-Auftakt der Tarifrunde im Handel: ver.di fordert deutlich höhere Einkommen und bessere Arbeitsbedingungen im Handel
Vor den anstehenden Tarifverhandlungen für den Handel haben sich die Tarifkoordinierungskonferenzen für den Groß- und Außenhandel sowie für den Einzel- und Versandhandel der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) am Dienstag und Mittwoch (24./25. Februar 2026) in Kassel zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Branche beraten und eine gemeinsame Orientierung für die Tarifrunde verabredet. Die 100 Vertreterinnen und Vertreter der regionalen Tarifkommissionen haben sich im Schwerpunkt auf eine Entgeltrunde für beide Branchen festgelegt. Im Mittelpunkt stehen Forderungen nach Einkommenssteigerungen, die deutlich über der Inflation liegen. Der Austausch der Tarifkoordinatorinnen und -koordinatoren hat gezeigt: „Die Beschäftigten in den Betrieben sind kampfbereit. Zentral für alle ist der Anschluss an die Löhne in anderen Branchen. Hier sind die Arbeitgeber in der Verantwortung, weil der Bruttodurchschnittsverdienst im Einzelhandel deutlich unter dem Bruttodurchschnittsverdienst der Gesamtwirtschaft liegt und ein Großteil von Beschäftigten akut von Altersarmut bedroht ist“, so Silke Zimmer, ver.di-Bundesvorstandsmitglied, zuständig für den Handel.
Die Tarifkoordinierungskonferenzen markieren den Auftakt für die Tarifrunde, begleitet von den laufenden Befragungen der Beschäftigten und Forderungsaufstellungen in den 16 Tarifgebieten im Einzel- und Versandhandel und in den 20 Tarifgebieten im Groß- und Außenhandel. Ab April 2026 beginnen dann die Tarifverhandlungen für die rund 5,2 Millionen Beschäftigten im Handel, davon 3,4 Millionen Beschäftigten im Einzelhandel und 1,8 Millionen im Groß- und Außenhandel.
„Die Verhandlungen finden in stürmischen Zeiten statt, in denen Arbeitgeber unbezahlte Karenztage und längere Arbeitszeiten fordern, die Politik soziale Verschärfungen ankündigt und die Kanzlerpartei Teilzeit-Beschäftigte mit dem Label „Lifestyle-Teilzeit“ der Faulenzerei bezichtigt. Dabei wissen die Beschäftigten im Handel nur zu gut: Teilzeit ist dort meist erzwungen, was ebenfalls zu niedrigen Löhnen und leider auch zu niedrigen Renten führt“, sagte Zimmer.
„Arbeiten im Handel ist Knochenarbeit. Ein Einkommen, von dem die Beschäftigten leben können, ist dringend geboten. Das ist momentan nicht der Fall. Hier müssen die Arbeitgeber nachbessern. Dazu zählt auch ein Bekenntnis zur Tarifbindung. Weit über 80 Prozent der Handelsbetriebe wenden keinen Tarifvertrag an. Das ist unhaltbar! Denn nur Tariflöhne sind existenzsichernd. Die erwarten wir von den Arbeitgebern“, so die Gewerkschafterin. Derzeit verwenden die meisten Beschäftigten im Handel 70 Prozent ihres Einkommens für Miete, Lebensmittel und Energieversorgung. „Nach Abzug der Fixkosten haben die Handelsbeschäftigten so gut wie kein freiverfügbares Einkommen. Die Grundversorgung frisst praktisch das ganze Geld auf. Deshalb braucht es dringend steigende Einkommen, damit die Beschäftigten auch Geld zur Verfügung haben, etwa für Bildung, Gesundheit, Rücklagen oder - wie von der Politik gefordert – um fürs Alter zusätzlich vorzusorgen“, sagte Zimmer.
Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft drängt daher auf mehr Vollzeit-Beschäftigungsverhältnisse. „Der Handel ist eine der expandierenden Branchen. Doch statt mit mehr Vollzeitjobs mehr Sicherheit zu signalisieren, werden immer mehr Teilzeit- und Minijobs vergeben. Das muss sich in Zukunft ändern, damit die Menschen von ihrer Hände Arbeit leben können.“ Derzeit sind fast 40 Prozent der Beschäftigten im Einzelhandel teilzeitbeschäftigt. Mehr als 17 Prozent von ihnen sind ausschließlich geringfügig beschäftigt. Hinzu kommen weitere neun Prozent Nebenjobberinnen und Nebenjobber.
Eckdaten:
Der Handel macht in Deutschland 2,52 Billionen Euro Gesamtumsatz (Vorläufige Zahlen Destatis für 2025);
2024 waren es noch rund 2,1 Billionen Euro, davon 792 Milliarden Euro im Einzelhandel und 1,32 Billionen Euro im Groß- und Außenhandel. 74,4 Milliarden Euro davon sind reiner Gewinn, davon 29,7 Milliarden Euro im Einzelhandel und 44,7 Milliarden Euro im Groß- und Außenhandel.
Eine Kauffrau / ein Kaufmann im Einzelhandel ab dem 6. Berufsjahr verdient rund 3.219 Euro brutto.
Eine Kauffrau / ein Kaufmann im Groß- und Außenhandel verdient ab dem 7. Tätigkeitsjahr 3.394 Euro brutto.
Weitere Infos für die Redaktionen:
Aktuelle Wirtschafts- und Branchendaten, Fristen für Forderungsaufstellungen sowie Verhandlungstermine finden Sie im Anhang.
Für Rückfragen nehmen Sie bitte Kontakt auf, mit der ver.di-Bundesfachgruppenleiterin für den Einzelhandel, Corinna Groß, mobil: 0170 8562095
V.i.S.d.P.
Daniela Milutin ver.di-Bundesvorstand Paula-Thiede-Ufer 10 10179 Berlin Tel.: 030/6956-1011, -1012 E-Mail: pressestelle@verdi.de www.verdi.de/presse