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Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)

Neun Jahre nach dem Völkermord: GfbV fordert Gerechtigkeit und humanitäre Hilfe für die Rohingya

Neun Jahre nach Beginn der schwersten Gewaltwelle gegen die Rohingya in Myanmar gedenkt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) der Opfer des Völkermords und fordert humanitäre Hilfe für die Vertriebenen. Am 25. August 2017 begann die Tatmadaw, das myanmarische Militär, mit systematischen Massakern, Massenvergewaltigungen und der Zerstörung hunderter Dörfer in Rakhine State. Zehntausende Menschen wurden getötet, mehr als 700.000 flohen nach Bangladesch. Die GfbV und andere Menschenrechtsorganisationen sprechen seit Jahren von einem Völkermord an den Rohingya. Ein diesbezügliches Urteil des Internationalen Gerichtshofs (IGH) im Fall „The Gambia v. Myanmar“ wird in den kommenden Monaten erwartet.

„Die systematische Verfolgung der Rohingya begann lange vor 2017 und dauert bis heute an. Der 25. August 2017 war eine Eskalation der Gewalt, nicht der Beginn der Verfolgung. Diskriminierende Gesetze, Staatenlosigkeit, Entrechtung und wiederkehrende Gewalt haben die Rohingya über Jahrzehnte zur Flucht gezwungen“, betont Mirjam Kobold, Referentin für Asien bei der GfbV. „Die Rohingya wurden 1982 per Gesetz in ihrer Heimat Myanmar staatenlos gemacht und werden spätestens seitdem systematisch verfolgt. Eine Aufarbeitung steht bis heute aus. Neun Jahre nach dem Völkermord gibt es noch immer keine Rechenschaft oder eine Perspektive auf Rückkehr für die Vertriebenen.“

Die Lage der Rohingya ist heute so ernst wie selten zuvor. Rund 1,2 Millionen Menschen leben in den Camps im bangladeschischen Cox's Bazar auf engstem Raum und leiden unter den Auswirkungen drastischer Kürzungen internationaler humanitärer Hilfe. Mehr als ein Drittel des humanitären Jahresbedarfs für 2026 ist bislang ungedeckt. Die GfbV fordert die Bundesregierung auf, den Jahrestag zum Anlass zu nehmen, um ihre humanitäre Hilfe für die Rohingya deutlich aufzustocken.

Im Bundesstaat Rakhine in Myanmar ist die Situation katastrophal: Seit November 2023 blockiert die Militärjunta humanitäre Hilfslieferungen in weite Teile des Bundesstaats. Die Arakan Army, die seit 2024 große Teile Rakhines kontrolliert, begeht ihrerseits schwere Menschenrechtsverletzungen gegen die Rohingya-Gemeinschaft. Eine sichere, freiwillige, würdige und nachhaltige Rückkehr ist unter diesen Bedingungen nicht möglich. Solange die Rohingya staatenlos sind und ihre Sicherheit nicht gewährleistet ist, bleibt jede Rede von Rückführung eine Zumutung.

„Bevor die Rohingya in Myanmar nicht als Staatsbürger anerkannt werden und die schweren Menschenrechtsverletzungen in Rakhine State nicht aufhören, dürfen Rohingya nicht dorthin zurückgeschickt werden. Die Bundesregierung muss politischen Druck auf alle Konfliktparteien in Myanmar ausüben und sich klar für die Wiederherstellung der Staatsbürgerschaft der Rohingya einsetzen“, fordert Kobold.

Einladung zur Gedenk- und Informationsveranstaltung in Berlin

Am 25. August 2026 um 11 Uhr veranstaltet die GfbV gemeinsam mit der Stiftung Asienhaus und Vertretern der Rohingya-Community in Deutschland eine Gedenk- und Diskussionsveranstaltung in Berlin: „Nine Years On: Memory, Justice and the Future of the Rohingya“. Die Veranstaltung bringt Stimmen aus der Rohingya-Community, zivilgesellschaftliche Organisationen und politische Gäste zusammen. Um Anmeldung wird gebeten. Weitere Informationen unter: https://www.gfbv.de/aktuelles/termine/

Sie erreichen Mirjam Kobold unter m.kobold@gfbv.de oder 030/51695825-4.

Gesellschaft für bedrohte Völker
Pressereferat
Sarah Neumeyer
Postfach 2024
D-37010 Göttingen
Tel.:  +49 551 499 06-21
Fax:  +49 551 580 28
E-Mail:  presse@gfbv.de
 www.gfbv.de
Menschenrechtsorganisation mit beratendem Status bei den UN 
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