Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)
Gedenken an Srebrenica darf nicht durch Genozidleugnung und Relativierung entwürdigt werden
Sarajevo/Göttingen – Zum Internationalen Tag des Gedenkens an den Genozid von Srebrenica am 11. Juli warnt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) vor der fortschreitenden Normalisierung von Genozidleugnung und Geschichtsrevisionismus in Bosnien-Herzegowina und Serbien. Die GfbV fordert die strafrechtliche und politische Ahndung von Genozidleugnung und der Verherrlichung verurteilter Kriegsverbrecher sowie verbindliche Bildungsprogramme über den Genozid in Bosnien und Herzegowina, Deutschland und anderen europäischen Staaten.
Auch in diesem Jahr werden auf dem Friedhof des Gedenkzentrums Srebrenica-Potočari weitere Opfer des Genozids beerdigt, die identifiziert wurden. Am 11. Juli 2026 finden insgesamt zehn Bestattungen statt. Die Zahl der beigesetzten Opfer steigt damit auf 6.782. Rund 250 Opfer wurden auf Wunsch ihrer Familien auf lokalen Friedhöfen beerdigt. Auch mehr als drei Jahrzehnte nach dem Genozid suchen Familien weiter nach den Überresten ihrer Angehörigen. Die Täter verteilten die Leichen oft auf mehrere Massengräber, um ihre Verbrechen zu vertuschen. Die Exhumierung und Identifizierung der Opfer dauert bis heute an. Oft werden nur wenige Knochen beerdigt.
„Dass auch 2026 weitere Opfer beerdigt werden, zeigt mit erschütternder Klarheit: Für die Familien ist der Genozid keine Vergangenheit. Er ist bis heute eine offene Wunde“, sagt Belma Zulčić, Direktorin der GfbV-Sektion Bosnien und Herzegowina. „Wer den Genozid leugnet, relativiert oder in ein politisches Gleichgewicht der Opfergruppen umdeutet, greift die Würde der Überlebenden und Angehörigen an. Srebrenica ist keine offene historische Debatte, sondern eine gerichtlich festgestellte Tatsache.“
Vor diesem Hintergrund sieht die GfbV auch den jüngsten Besuch des US-nahen evangelikalen Pastors Mark Burns am 4. Juli 2026 in Bratunac in der Nähe von Srebrenica mit Sorge. Burns, der als religiöser Berater von US-Präsident Donald Trump agiert, nahm an einer Gedenkveranstaltung für serbische Opfer teil. Die GfbV betont, dass jedes zivile Opfer des Krieges in Bosnien und Herzegowina Respekt und Würde verdient. Das Gedenken an andere Opfer darf jedoch nicht als politisches Instrument missbraucht werden, um den Genozid von Srebrenica zu relativieren. Die GfbV fordert internationale Vertreter dazu auf, sich klar von Veranstaltungen zu distanzieren, die zur Relativierung des Genozids beitragen können. „Das Leid unschuldiger Menschen darf niemals gegeneinander ausgespielt werden. Aber es gibt einen klaren Unterschied zwischen dem Gedenken an zivile Opfer und dem Versuch, einen gerichtlich festgestellten Genozid in eine allgemeine Tragödie umzudeuten“, so Zulčić.
Im Juli 1995 wurden in und um Srebrenica mindestens 8.372 Menschen – vor allem bosniakische Jungen und Männer – ermordet. Internationale Gerichte, darunter das UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien und der Internationale Gerichtshof, haben die Verbrechen eindeutig als Genozid eingestuft. Dennoch werden die Urteile bis heute von politischen Akteuren in der Republika Srpska und in Serbien geleugnet, relativiert oder durch die Glorifizierung verurteilter Kriegsverbrecher offen verhöhnt.
Sie erreichen Belma Zulčić, Direktorin der GfbV-Sektion in Bosnien und Herzegowina, unter gfbv_sa@bih.net.ba oder (+387) 61 220 883 oder (+387) 33 213 707.
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