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Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)

Unterdrückung über Jahrzehnte vorbereitet: Chinas langer Arm gegen Tibets religiöse Selbstbestimmung

Die gewaltsame Assimilation von Minderheiten betreibt die Kommunistische Partei Chinas nicht erst seit ihrem jüngsten Gesetz zur „Förderung ethnischer Einheit und Fortschritts“. Mit der Entführung des Panchen Lama hat sie bereits vor über 30 Jahren den Grundstein für eine feindliche Übernahme des tibetischen Buddhismus gelegt. Das betont die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) anlässlich des 31. Jahrestags der Entführung am kommenden Sonntag: „China versucht, die Nachfolge des bald 91-jährigen Dalai Lama politisch zu kontrollieren, denn als zweithöchste Autorität des tibetischen Buddhismus spielt der Panchen Lama traditionell eine zentrale Rolle bei der Anerkennung eines neuen Dalai Lama“, erklärt Mirjam Kobold, GfbV-Referentin für Genozid-Prävention und Schutzverantwortung. „Dieser Fall zeigt, wie langfristig und planvoll die chinesische Regierung vorgeht, um den tibetischen Buddhismus zu assimilieren. Das verletzt grundlegende Menschenrechte wie Religionsfreiheit sowie das Recht der Menschen auf kulturelle und spirituelle Selbstbestimmung, die ihnen auch das chinesische Recht formal zugesteht.“

Der vom Dalai Lama anerkannte 11. Panchen Lama, Gedhun Choekyi Nyima, wurde am 17. Mai 1995 im Alter von sechs Jahren gemeinsam mit seiner Familie von den chinesischen Behörden verschleppt. Bis heute gibt es keine unabhängigen Informationen über seinen Aufenthaltsort oder Gesundheitszustand. Menschenrechtsorganisationen wie die GfbV sowie die Vereinten Nationen fordern seit Jahren vergeblich Aufklärung über sein Schicksal.

Nach der Entführung von Gedhun Choekyi Nyima setzte die chinesische Regierung einen eigenen Panchen Lama ein, den tibetische Buddhisten nicht anerkennen. Seit 2007 beansprucht Peking staatliche Kontrolle über die Anerkennung einer künftigen Reinkarnation des Dalai Lama. Der Dalai Lama betonte hingegen wiederholt, dass allein tibetisch-buddhistische religiöse Institutionen über seine Nachfolge entscheiden können.

„Chinas Angriffe auf Religionsgemeinschaften und Minderheiten betreffen immer mehr auch Exil-Gruppen in Deutschland und Europa. Tibetische, uigurische sowie andere chinesische Communities berichten seit Jahren von Einschüchterung und Überwachung sowie Druck auf Familienangehörige in der Heimat“, betont Kobold. „Menschenrechte in Tibet müssen deshalb ein substanzieller Bestandteil deutscher und europäischer China-Politik bleiben. Die staatliche Einflussnahme auf die Nachfolge des Dalai Lama ist ein klarer Eingriff in die Religionsfreiheit und muss auch so benannt werden – besonders vor dem Hintergrund transnationaler Repressionen gegen Exil-Communities in Europa.“

Sie erreichen Mirjam Kobold unter m.kobold@gfbv.de oder 030/51695825-4.

Gesellschaft für bedrohte Völker
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Tel.: +49 551 499 06-21
Fax: +49 551 580 28
E-Mail:  info@gfbv.de
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