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Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)

Menschenrechtler fordern Ausladung von al-Scharaa: Staatsempfang eines Islamisten ist „ignorant und verantwortungslos“

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) kritisiert den geplanten Empfang des syrischen Machthabers Ahmed al-Scharaa (islamistischer Kampfname Mohammed al-Golani) in Berlin scharf und fordert seine Ausladung. „Die Bundesregierung hofiert bewusst einen Top-Islamisten, Terroristen und Kriegsverbrecher. Das ist nicht nur ignorant, sondern verantwortungslos“, betont der Nahostreferent der GfbV, Dr. Kamal Sido. „Wir fordern Bundeskanzler Merz ausdrücklich dazu auf, al-Scharaa wieder auszuladen. Sein Empfang sendet ein verheerendes Signal an alle, die sich für Demokratie, Frauenrechte und Glaubensfreiheit in Syrien einsetzen. Al-Scharaa muss verhaftet und vor Gericht gestellt werden, nicht den roten Teppich ausgerollt bekommen.“

Nach der Absage seines Besuchs im Januar soll al-Scharaa am Montag (30. März) nach Berlin kommen und von Bundeskanzler Friedrich Merz empfangen werden. Bereits im Januar forderten die GfbV und zahlreiche Verbände ethnischer und religiöser Minderheiten aus Syrien, die deutsche Bundesregierung auf, al-Scharaa auszuladen. In diesem Zusammenhang fanden zahlreiche Kundgebungen und Mahnwachen statt, die den Umgang der Bundesregierung mit der islamistischen Regierung in Damaskus scharf kritisierten.

„Aufgrund des brutalen Vorgehens des Regimes gegen Minderheiten, Frauen und Oppositionelle droht in Syrien ein neuer Bürgerkrieg und eine dauerhafte Zersplitterung des Landes. Es ist absurd, dass die Bundesregierung den Mann hofiert und einlädt, der dafür verantwortlich ist, um Abschiebungen zu erleichtern. Die Lage in Syrien ist alles andere als sicher. Das zeigt sich auch daran, dass seit dem Sturz des Assad-Regimes kaum Syrer freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt sind“, sagt der Menschenrechtler.

Mit ihrer Syrien-Politik gefährde die Bundesregierung nicht nur die Sicherheit und das Leben der ethnischen und religiösen Minderheiten in Syrien, sondern auch das friedliche Zusammenleben in Deutschland. „Al-Scharaa und sein Regime verbreiten auch unter den Syrern in Deutschland ihre menschenverachtende Ideologie. Sie schüren Hass gegen Drusen, Alawiten und Kurden sowie gegen Juden und Israel“, betont der GfbV-Nahostreferent.

Die Laufbahn des Islamisten Ahmed al-Scharaa – ein Überblick:

Die Liste der Kriegsverbrechen, für die al-Scharaa unmittelbar verantwortlich ist oder an denen er zumindest indirekt beteiligt war, ist lang.

Bereits 2003 ließ der 2024 gestürzte syrische Diktator Baschar al-Assad Tausende sunnitische Islamisten, darunter auch al-Scharaa, aus den Gefängnissen frei. Sie sollten im Irak gegen die dort einmarschierten US-Truppen kämpfen. Al-Scharaa kämpfte dort in den Reihen radikal-sunnitischer, terroristischer Milizen wie al-Qaida. Er verübte nicht nur Anschläge auf US-Truppen, sondern auch auf christliche Kirchen. Der Terror gegen Minderheiten zwang Zehntausende Assyrer/Chaldäer/Aramäer sowie Mandäer aus dem Südirak zur Flucht. Viele fanden Zuflucht in irakisch-Kurdistan.

Aufgrund der von ihm verübten Verbrechen nahmen die USA al-Scharaa fest. Nach seiner Freilassung 2011 ging er nach Syrien und gründete im Auftrag des internationalen islamistischen Netzwerks al-Qaida mehrere islamistische Terrororganisationen. Auch in Syrien verübte er Anschläge, vor allem auf alawitische Zivilisten, aber auch auf syrische Demokraten, die damals gegen die Assad-Diktatur kämpften. Die USA setzten ihn daraufhin auf die Liste der weltweit meistgesuchten Terroristen und lobten ein Kopfgeld von zehn Millionen US-Dollar auf ihn aus.

Nach seiner Machtübernahme im Dezember 2024 setzte al-Scharaa seine Kriegsverbrechen in Syrien fort. Unter dem Vorwand, Anhänger Assads zu bekämpfen, ließ er im März 2025 30.000 bis 60.000 Alawiten ermorden, verletzen oder vertreiben. Zahlreiche Frauen wurden verschleppt und vergewaltigt. Im Juli 2025 ließ er die drusische Minderheit im Süden Syriens angreifen. Auch hier verschleppten und vergewaltigten die Angreifer viele Frauen und setzten zahlreiche drusische Dörfer in Brand. Ende 2025 und Anfang 2026 begann sein Regime, systematisch die Kurden im Norden Syriens anzugreifen und zu vertreiben. Die kurdische autonome Region „Rojava” wurde dabei weitgehend zerstört und Zehntausende IS-Anhänger aus den Gefängnissen entlassen, die unter anderem am Genozid an den Yeziden 2014 beteiligt waren. Auch christliche Gemeinschaften in Syrien werden immer wieder angegriffen. Obwohl al-Scharaa vorgibt, Christen zu schützen, treibt er in Wahrheit eine schleichende Islamisierung voran, die Christen und anderen religiösen Minderheiten jede Zukunft in Syrien nimmt. Al-Scharaa versucht, Alkoholkonsum und Musik nur noch in den christlichen Stadtvierteln von Damaskus, Aleppo und anderen christlichen Gemeinden zu erlauben. In anderen Teilen des Landes, in denen vor allem sunnitische Muslime leben, werden Alkohol und Musik nach und nach aus dem öffentlichen Leben verbannt.

Sie erreichen Dr. Kamal Sido telefonisch unter 0173/6733980.

Gesellschaft für bedrohte Völker
Pressereferat
Sarah Neumeyer
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