Klett-Umfrage: Rund 70 Prozent der Lehrkräfte sehen Rückgang zentraler Basiskompetenzen
Stuttgart (ots)
Bundesweite Lehrkräftebefragung zeigt Förderbedarf beim Lesen, Schreiben, Rechnen und Sprechen in den Klassen 1 bis 10 / Viele Befragte blicken skeptisch auf die nächsten fünf Jahre
Rund 70 Prozent der befragten Lehrkräfte in Deutschland beobachten nach Angaben des Ernst Klett Verlags einen spürbaren Rückgang zentraler Basiskompetenzen in den vergangenen fünf Jahren. Das geht aus einer bundesweiten Befragung von mehr als 4.000 Lehrkräften aller Schularten hervor. Betroffen seien nach Einschätzung der Befragten nicht nur Lesen, Schreiben, Rechnen und Sprechen, sondern auch Fähigkeiten wie Konzentration, Ausdauer, Selbstregulation oder sozial-emotionale Kompetenzen.
Den Angaben zufolge ist der Rückgang an Grundschulen und mittleren Schulformen besonders ausgeprägt. Auch Lehrkräfte an Gymnasien berichten von nachlassenden Basiskompetenzen, vor allem beim Lesen und Schreiben. Damit bleibt der Befund nicht auf einzelne Schularten beschränkt. Sinkende Basiskompetenzen erschweren fachliches Lernen, binden Unterrichtszeit und können langfristig Schulabschlüsse sowie den Übergang in Ausbildung und Arbeitsmarkt belasten.
Ursachen liegen nicht allein im Unterricht
Befragt nach möglichen Ursachen nennen Lehrkräfte vor allem den gestiegenen Medienkonsum. Viele sehen Zusammenhänge mit kürzeren Aufmerksamkeitsspannen, nachlassender Konzentrationsfähigkeit und zunehmenden psychischen Belastungen.
Viele Rückmeldungen zeigen zudem, dass Lernvoraussetzungen zum Schulstart und an Übergängen häufig nicht mehr ausreichend vorhanden sind. Lehrkräfte berichten etwa, dass feinmotorische Fähigkeiten und soziale Kompetenzen zunehmend erst in der Schule aufgebaut werden müssten. Zugleich fehle vielerorts die Zeit, Basiskompetenzen gezielt und kontinuierlich zu fördern.
Als wirksame Hebel nennen viele Befragte kleinere Klassen, mehr Personal sowie eine stärkere Einbindung von Erziehungsberechtigten und außerschulischen Partnern. Ob sich die Basiskompetenzen unter den derzeitigen Bedingungen in den kommenden fünf Jahren spürbar verbessern, beurteilt die Mehrheit jedoch skeptisch.
Bildungsforscher sieht möglichen Wendepunkt
Bildungsforscher Kai Maaz, dem die Ergebnisse zur Einordnung vorlagen, sieht in der Lage dennoch einen möglichen Wendepunkt. "Die aktuellen Ergebnisse markieren einen Tiefpunkt und genau darin liegt auch eine Chance für Veränderung," sagte er. Die ernste Lage könne Reformen beschleunigen.
"Wenn Basiskompetenzen unter Druck stehen, verändert das den Unterrichtsalltag spürbar", sagt Maximilian Schulyok, Geschäftsführer des Ernst Klett Verlags. Lehrkräfte müssten zunehmend Unterrichtszeit darauf verwenden, Lernvoraussetzungen zu sichern. Dafür bräuchten sie Materialien und Angebote, die Lernstände sichtbar machten, Förderung anschlussfähig machten und unterschiedliche Lernvoraussetzungen berücksichtigten. Diese Aufgaben didaktisch sauber miteinander zu verbinden, sei eine zentrale Aufgabe moderner Bildungsmedien.
An diesen Fragen setzt auch der Klett Bildungsdialog ab dem 16. Juni an. Er soll die Perspektive der Schulpraxis sichtbar machen und den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis darüber fördern, was im Unterricht hilft, grundlegende Kompetenzen sicher aufzubauen.
Bildungsdialog verbindet Wissenschaft und Schulpraxis
Vor dem Hintergrund der Umfrage widmet der Verlag den diesjährigen Klett Bildungsdialog dem Schwerpunkt "Basiskompetenzen und deren Förderung an Grund- und weiterführenden Schulen". Vom 16. bis 26. Juni 2026 geben Referentinnen und Referenten aus Wissenschaft und Schulpraxis fachliche Impulse zu zentralen Kompetenzbereichen - von Handschrift, Sprache, Lesen und Rechnen bis zu sozial-emotionalen Prozessen:
- 16.06., 16:00 Uhr, Handschrift, Automatisierung und Schreibflüssigkeit im Grundschulalter, Prof. Astrid Renk (Universität Regensburg)
- 17.06., 16:00 Uhr, Arithmetische Basiskompetenzen fördern - alle Kinder mathematisch stärken, Prof. Dr. Nührenbörger (Universität Münster) und Prof. Dr. Ralph Schwarzkopf (Universität Oldenburg)
- 18.06., 16:00 Uhr, Leseförderung in der Grundschule, Theresa Weber (Lehrerin)
- 19.06., 16:00 Uhr, Basale Kompetenzen im Bereich Lesen, Dr. Carola Schnitzler (IQB)
- 24.06., 17:00 Uhr: Identifizieren, Diagnostizieren und Fördern mathematischer Basiskompetenzen in der Sekundarstufe, Prof. Dr. Birte Friedrich (Universität Potsdam)
- 25.06., 17:00 Uhr, Basiskompetenzen im Bereich Sprache - vom Schulanfang bis zur SEK I, Bernadette Girshausen (Universität Leipzig)
- 26.06., 15:30 Uhr: Soziale und emotionale Prozesse vom Schuleintritt bis in die Sekundarstufe I, Prof. Dr. Juliane Schlesier (Universität Wuppertal)
Bildungsdossier ordnet Ergebnisse ein
Begleitend zum Bildungsdialog ist das Klett Bildungsdossier Basiskompetenzen erschienen. Es stellt die Umfrageergebnisse in den Mittelpunkt und ordnet sie mit Beiträgen und Interviews aus Didaktik, Bildungsforschung und Schulpraxis ein.
Weitere Informationen:
Die Online-Vortragsreihe Klett Bildungsdialog startet am 16. Juni 2026 und richtet sich an Lehrkräfte aller Schulformen. Informationen zum Programm und zur kostenlosen Anmeldung: [ Link]
Das Klett Bildungsdossier Basiskompetenzen steht hier kostenlos zum Download bereit: [ Link]
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