IBT Lower Saxony fördert Forschungsprojekte aus Göttingen und Braunschweig mit knapp 2,4 Millionen Euro
Aus dem Labor zur nächsten Generation Startups:
IBT Lower Saxony fördert biomedizinische Forschungsprojekte aus Göttingen und Braunschweig mit knapp 2,4 Millionen Euro
22-jähriger Student pitcht für Team der Universitätsmedizin und holt Förderung nach Göttingen I Team aus Braunschweig überzeugt mit Biotherapeutikum gegen Krankenhauskeime
Hannover, 07.05.2026 – Lymphknoten-Metastasen besser erkennen für eine präzisere Krebsdiagnose oder Krankenhausinfektionen durch multiresistente Bakterien verhindern: Worauf viele Patient*innen hoffen, ist längst Thema in der niedersächsischen Spitzenforschung. Damit innovative Ideen aus der Biomedizin schneller vom Labor in die praktische Anwendung kommen und Erkrankten helfen können, fördert das Institute for Biomedical Translation Lower Saxony (IBT), eine Landesinitiative unter dem Dach von Niedersachsen.next, zwei besonders vielversprechende Projekte mit insgesamt knapp 2,4 Millionen Euro.
Die Auswahl der Forschungsprojekte, die bei der sechsten „IBT PRE-SEED Portfolio-Konferenz“ im Medical Park Hannover um eine Förderung gepitcht haben, war groß und vielfältig: Es ging um Therapien für antibiotikaresistente (Lungen-) Infektionen in Krankenhäusern oder Bauchspeicheldrüsenkrebs, um medizinische Robotik, frühe und präzise Krebs-Diagnostik oder die Sichtbarmachung von bakteriellen Infektionen in Wunden während einer Operation.
Gesichert haben sich die Fördersummen schließlich das Projekt PathoPress von der Universitätsmedizin Göttingen (1.336.650 Euro) mit dem Thema Krebs-Diagnostik und das Projekt DeColi vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung Braunschweig (1.045.148 Euro), das Krankenhausinfektionen proaktiv verhindern will. Die hochkarätig besetzte Jury aus Akademie, Gründer*innen, Industrie und Regulatorik hat diese Innovationen als erfolgversprechendste ausgewählt.
Die Projektteams hatten sich in Präsentationsrunden gegen fünf weitere Teams aus niedersächsischen Forschungseinrichtungen durchgesetzt. Mit einer Besonderheit konnte das Team von PathoPress aufwarten: Als einziger Student unter den Teilnehmenden der Portfolio-Konferenz führte der 22-jährige Pedro Gebhardt Apalategui durch die Präsentation. Die zukunftsweisende Methode zur Krebsdiagnostik, zu der auch Prof. Philipp Ströbel und Friederike Mörk Rede und Antwort standen, kann nun mit Hochdruck weiterentwickelt werden.
Die Aufnahme in das IBT- Portfolio und ein Fördervolumen in dieser Höhe sind mit der Chance verbunden, Forschungsergebnisse möglichst schnell voranzubringen und durch die Gründung eines Startups auch wirtschaftlich erfolgreich zu machen. Darüber hinaus unterstützt das IBT durch fachkundige Beratung, Coaching und Vernetzung. Davon wird nun auch das Projekt DeColi profitieren, für das Prof. Dr. Till Strowig, Prof. Dr. Julia Henkel und Dr. Christian Brandstetter gepitcht hatten.
Innovative Köpfe aus Niedersachsen – Das sind die Gewinner-Projekte:
PathoPress - Universitätsmedizin Göttingen (UMG)
Eine präzise Krebsdiagnostik hängt maßgeblich davon ab, genau zu wissen, wie weit sich die Erkrankung ausgebreitet hat. Ein entscheidender Faktor ist die zuverlässige Erkennung von Lymphknotenmetastasen, die einen starken Einfluss auf die Stadieneinteilung, Behandlungsentscheidungen und den Behandlungserfolg hat. In der routinemäßigen Pathologie ist die Identifizierung von Lymphknoten in chirurgisch entnommenem Gewebe jedoch nach wie vor ein arbeitsintensiver und von Anwender*innern abhängiger Prozess – insbesondere bei Krebsarten wie Darm- und Eierstockkrebs, bei denen Lymphknoten in großen Mengen an Fettgewebe eingebettet sind.
PathoPress führt ein neuartiges Gerät ein, das Fettgewebe mechanisch komprimiert, um dessen Volumen deutlich zu reduzieren, während die volle Kompatibilität mit der Standard-Histopathologie und Immunhistochemie gewahrt bleibt. Durch die Ermöglichung einer vollständigen und standardisierten Untersuchung des verbleibenden Gewebes macht diese Technologie eine zuverlässigere Erkennung aller Lymphknoten möglich, reduziert die Arbeitsbelastung für das Pathologiepersonal, verbessert die Sicherheit und den Arbeitsablauf und unterstützt bessere Behandlungsentscheidungen. PathoPress hat sich zum Ziel gesetzt, ein einfaches physikalisches Prinzip in ein praktisches Diagnosewerkzeug umzusetzen, das die Krebsstadien-Einteilung verbessern und letztlich Patient*innen weltweit zugutekommen kann.
DeColi - Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung Braunschweig (HZI)
Krankenhausinfektionen, die durch multiresistente gramnegative Bakterien verursacht werden, stellen weltweit eine wachsende Bedrohung dar – oft treten sie gerade dann auf, wenn Patient*innen am verwundbarsten sind. Eine Besiedlung des Darms mit Krankheitserregern wie Escherichia coli tritt häufig lange vor der Entwicklung schwerer Infektionen wie einer Sepsis, Lungenentzündung, Wundinfektion oder wiederkehrenden Harnwegsinfektionen auf. DeColi geht dieses Problem an der Quelle an, indem es ein lebendes biotherapeutisches Produkt entwickelt, das diese gefährlichen Bakterien selektiv aus dem Darm entfernt, bevor eine Infektion beginnt. Der Ansatz richtet sich an eine große und hochrisikobehaftete Patient*innengruppe, für die es keine zugelassenen Präventionsmöglichkeiten gibt, und nutzt ein zielgerichtet entworfenes Bakterienkonsortium mit klar definierten Funktionen.
Diese Strategie, die auf zuverlässige Wirksamkeit und skalierbare Herstellung ausgelegt ist, zielt darauf ab, Infektionen zu verhindern, anstatt auf sie zu reagieren. DeColi bietet einen neuen, proaktiven Weg, um antibiotikaresistente Infektionen zu reduzieren und die Behandlungsergebnisse für Patient*innen zu verbessern.
Schwere Entscheidung für die Jury
Niedersachsen ist gut aufgestellt in den Lebenswissenschaften. Gleich sieben Teams aus den führenden Forschungseinrichtungen Leibniz Universität Hannover, Georg-August-Universität Göttingen, Universitätsmedizin Göttingen und Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, haben dieses Mal ihre Innovationen im Rahmen des IBT-Events präsentiert. Die Qual der Wahl hatte die Jury unter dem Vorsitzenden Prof. Dr. Peter Hammann (Consultant, ehem. Sanofi) und der Vize-Vorsitzenden Prof. Dr. Helga Rübsamen-Schaeff (Gründerin AiCuris). Die nächste und damit siebte IBT Portfolio-Konferenz findet Anfang 2027 in Göttingen statt.
Prof. Dr. Thomas Sommer, Direktor des IBT: „Ich freue mich über zwei Dinge ganz besonders: Wir beobachten mittlerweile eine konstante Zahl an Anträgen neuer Projekte. Das spricht deutlich für die Innovationskraft Niedersachsens. Und wir haben diesmal zwei junge Teams gekürt, die ihre Ausgründungsideen hochengagiert vorantreiben.“
Die IBT PRE-SEED Portfolio-Konferenz fand im Rahmen der Veranstaltung „Transfer X Machen | IBT Life Science Edition“ von Niedersachsen.next statt, ein Tag ganz im Zeichen der Lebenswissenschaften - mit Coaching, Beratung und Netzwerkformaten für Startups, Forschende und Investor*innen.
Von der Idee zur Gründung: Förderung verschafft Rückenwind
Den beiden Gewinner-Teams steht die jeweilige Fördersumme für eine Laufzeit von zwei Jahren zur Verfügung. Die Zeit wird dafür genutzt, die Projekte wissenschaftlich und marktorientiert weiterzuentwickeln sowie ggf. weitere Fördergelder zu generieren, damit aus den Forschungs- und Geschäftsideen eine Unternehmensgründung erfolgen kann. Mit PathoPress und DeColi befinden sich inzwischen zwölf Projekte mit einer Gesamtförderung von rund 13 Millionen Euro im IBT-Portfolio.
Über das IBT Lower Saxony
Das IBT unterstützt die Gründung neuer Startups im Bereich der biomedizinischen Forschung durch gezielte finanzielle Förderung sowie fachkundige Beratung und Vernetzung mit führenden Köpfen aus Forschung und Industrie. Dabei werden landesweit die existierenden Stärken gebündelt.
Darüber hinaus schafft das IBT ein starkes Netzwerk aus Wissenschaft, Wirtschaft und klinischer Praxis, das Gründer*innen den Zugang zu relevanten Partner*innen, Ressourcen und Expertise erleichtert. Immer mit dem Ziel, exzellente Forschungsergebnisse möglichst rasch in innovative präventive, diagnostische und therapeutische Verfahren zu überführen.
Ermöglicht wird das IBT durch eine Förderung des Landes Niedersachsen und der VolkswagenStiftung über das Programm zukunft.niedersachsen. Seit Ende 2025 gehört die Landesinitiative zur Wirtschafts- und Innovationsagentur Niedersachsen.next.
Das waren die weiteren Finalisten bei der IBT Portfolio-Konferenz in Hannover:
DECYTE – Georg-August-Universität Göttingen
Bauchbeschwerden sind häufig – und sie erzählen nicht immer die ganze Geschichte. Die zugrunde liegenden Ursachen reichen von harmlosen Problemen bis hin zu lebensbedrohlichen Erkrankungen wie dem kolorektalen Karzinom, der weltweit tödlichsten Form von Bauchkrebs. Doch die heutigen Screeningverfahren haben deutliche Schwächen: Stuhltests übersehen häufig Krebsvorstufen und frühe Stadien und die Koloskopie ist zwar effektiv, für Patient*innen jedoch invasiv. DECYTE entwickelt einen hochsensitiven, blutbasierten Test, der mithilfe künstlicher Intelligenz kolorektalen Krebs bereits in sehr frühen Stadien erkennt, indem subtile Signale des Immunsystems entschlüsselt werden – lange bevor Symptome auftreten. Der Proof-of-Concept zeigt: DECYTE erreicht eine mit der Koloskopie vergleichbare Sensitivität – ohne deren Invasivität – und übertrifft bestehende blutbasierte Screeningtests in Sensitivität und Genauigkeit. Durch den Verzicht auf invasive Eingriffe und unzuverlässige Stuhltests hat diese Technologie das Potenzial, die Krebsfrüherkennung grundlegend zu verändern und künftig auch viele weitere immunassoziierte Erkrankungen früher zu erkennen.
FLARE - Leibniz Universität Hannover (LUH)
Was wäre, wenn Chirurg*innen während einer Operation Infektionen fast so klar sehen könnten wie anatomische Strukturen? FLARE entwickelt sNIR, einen neuartigen Farbstoff für die Nahinfrarot-Bildgebung, der eine Echtzeit-Darstellung während chirurgischer Eingriffe ermöglicht. Im Vergleich zu heute verwendeten Standardfarbstoffen liefert sNIR einen höheren Kontrast und schnellere Ergebnisse – und kann dabei mit bestehenden klinischen Bildgebungssystemen eingesetzt werden. Ursprünglich zur Detektion von Hirntumoren entwickelt, wird die Technologie nun erweitert, um bakterielle Infektionen in Wunden oder an Implantaten sichtbar zu machen und zuverlässig von harmlosen Entzündungen zu unterscheiden. Durch die Kombination intelligenter Bildgebungssonden mit modernen Technologien wie chirurgischen Robotern kann dieser Ansatz Operationen sicherer machen, Komplikationen reduzieren und letztlich Leben retten, indem er genau dann bessere Informationen liefert, wenn sie am dringendsten benötigt werden.
PAERUBLOCK - Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung Braunschweig (HZI)
Schwere, im Krankenhaus erworbene Lungeninfektionen, die durch Pseudomonas aeruginosa verursacht werden, gehören zu den am schwersten zu behandelnden Erkrankungen und stellen weltweit eine wachsende Gesundheitsgefahr dar. Anstatt die Bakterien direkt abzutöten, verfolgt PAERUBLOCK einen anderen Ansatz: Es zielt auf ein Schlüsselenzym ab, das der Erreger nutzt, um Gewebe zu schädigen, Entzündungen auszulösen und das Immunsystem zu umgehen. Indem die Bakterien unschädlich gemacht statt direkt angegriffen werden, ermöglicht diese Antivirulenz-Strategie den körpereigenen Abwehrkräften – und den verfügbaren Antibiotika –, Infektionen effektiver zu bekämpfen. Der Ansatz trägt dazu bei, den Selektionsdruck für Antibiotikaresistenzen zu verringern, und senkt das Risiko von Nebenwirkungen, die üblicherweise mit einer konventionellen Antibiotikatherapie verbunden sind. Da sich die Wirkstoffe in mehreren Krankheitsmodellen als hochwirksam erwiesen haben – insbesondere in Kombination mit Standard-Antibiotika – und über günstige Sicherheits- und Wirkstoffprofile verfügen, treibt das Projekt nun die präklinische und klinische Entwicklung dieser Verbindungen voran und legt damit den Grundstein für ein zukünftiges Spin-off, das sich auf sicherere und nachhaltigere Infektions-Behandlungen konzentriert.
RESTORE-PDAC - Universitätsmedizin Göttingen (UMG)
Das duktale Adenokarzinom des Pankreas (PDAC) gehört zu den aggressivsten und tödlichsten Krebsarten. Aktuelle Immuntherapien schlagen jedoch häufig fehl, weil der Tumor für das Immunsystem weitgehend unsichtbar bleibt. RESTORE-PDAC begegnet dieser Herausforderung durch die Entwicklung neuartiger niedermolekularer Modulatoren, die dazu beitragen, dass Tumore wieder erkennbar werden. Der Ansatz konzentriert sich auf die Wiederherstellung der Tumorantigenität, wodurch Immunzellen in die Lage versetzt werden, Bauchspeicheldrüsenkrebs (PDAC, duktales Adenokarzinom der Bauchspeicheldrüse) effektiver zu erkennen und anzugreifen. In präklinischen Studien verbessern die Leitstrukturen die Antigenpräsentation, verstärken die T-Zell-Aktivierung und potenzieren neuartige Immuntherapien wie CAR-T-Zell-Reaktionen. Durch die Reduktion von Entwicklungsrisiken und einen klaren Weg in Richtung klinischer Umsetzung soll das Potenzial kombinierter Immuntherapien für Bauchspeicheldrüsenkrebs erschlossen werden – und neue Hoffnung für eine Erkrankung geschaffen werden, für die dringend vielversprechendere Therapien benötigt werden.
RETRACT - Universitätsmedizin Göttingen (UMG)
In der modernen Chirurgie verbringen hochqualifizierte Fachkräfte bis zu vier Stunden täglich mit manueller Retraktion – dem Halten von Organen, um den Zugang zum Operationsfeld zu gewährleisten. Diese körperlich anstrengende, repetitive Aufgabe trägt zu Ermüdung bei und schränkt den effizienten Einsatz spezialisierter chirurgischer Fähigkeiten ein. RETRACT entwickelt ein neuartiges robotergestütztes Assistenzsystem, das diese Belastung übernimmt. Die Technologie fungiert als intuitive, jederzeit verfügbare „dritte Hand“ und unterstützt Chirurg*innen während der Eingriffe. Im Gegensatz zu statischen Instrumenten ist das System mit Vibroakustik- sowie Kraft-Drehmoment-Sensoren ausgestattet, die Gewebespannung und Verrutschen in Echtzeit erfassen. Durch kontinuierliche Anpassung der Position und konstante Gewebespannung soll die Patient*innensicherheit deutlich erhöht werden. RETRACT ist ein Wegbereiter für die Solochirurgie und verbindet Patient*innensicherheit mit chirurgischer Effizienz.
Niedersachsen.next GmbH Schiffgraben 22-28 30175 Hannover
Telefon: 0511 76 07 26-0 Email: next-info@nds.de www.niedersachsen-next.de
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Geschäftsführer: Uwe Ilgenfritz-Donné (Sprecher) I Christian Kotschy Vorsitzender des Aufsichtsrates: Björn Ungruhe (Niedersächsische Staatskanzlei) Amtsgericht Hannover | HRB 60760 | USt-ID-Nr.: DE225080579

