Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V.
Weltschlaftag: Asphalt statt Abendruhe – Lkw-Fahrende brauchen mehr Stellplätze
Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR) e.V.
Pressemitteilung
Weltschlaftag: Asphalt statt Abendruhe – Lkw-Fahrende brauchen mehr Stellplätze
Berlin, 12. März 2026
Zum Weltschlaftag am Freitag, 13. März, warnt der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) vor den Folgen des massiven Mangels an Lkw-Stellplätzen an deutschen Autobahnen. Weil Übernachtungsplätze fehlen, sind viele Lkw-Fahrende gezwungen, trotz Übermüdung weiterzufahren – mit erheblichen Risiken für sich selbst und andere Verkehrsteilnehmende. Branchenverbände schätzen den aktuellen Fehlbestand bundesweit auf 25.000 bis 40.000 Stellplätze. Der DVR fordert das Bundesministerium der Finanzen (BMF) und das Bundesministerium für Verkehr (BMV) auf, Prioritäten so zu setzen, dass die Autobahn GmbH des Bundes ausreichend Mittel erhält, um dringend benötigte Stellplätze schneller zu bauen.
Mehr Investitionsmittel
„Asphalt statt Abendruhe – so sieht Abend für Abend die Realität für viele Lkw-Fahrende aus“, sagt Manfred Wirsch, Präsident des DVR. „Übermüdung am Steuer ist ein enormes Risiko für die Verkehrssicherheit. Ohne ausreichend Stellplätze wird gesetzestreues Verhalten für viele Fahrerinnen und Fahrer zur Illusion. Die Autobahn GmbH braucht verlässlich mehr Mittel, damit alle baureifen Lkw-Stellplätze zeitnah realisiert werden können.“
Parkflächen effizienter nutzen
Der DVR begrüßt ausdrücklich, dass das Bundesverkehrsministerium und die Autobahn GmbH verstärkt auf telematisches Parken setzen. Dabei ordnen sich Lkw auf den Parkplätzen nach ihrer geplanten Abfahrtzeit. Fahrzeuge mit gleichen Abfahrtzeiten parken hintereinander. Dadurch werden Fahrgassen eingespart und für weitere Parkplätze genutzt, sodass mehr Lkw auf begrenztem Raum untergebracht werden können.
Bürokratische Hürden abbauen
„Telematisches Parken nutzt Flächen effizienter“, sagt Manfred Wirsch. „Mehr Effizienz brauchen wir auch bei den bürokratischen Vorgaben zur Wirtschaftlichkeitsprüfung. Damit ein Bereich eines Parkplatzes mit telematischem Parken ausgebaut werden kann, muss weiterhin eine Vergleichsplanung für einen konventionellen Parkplatz erstellt werden, obwohl telematisches Parken nachweislich wirtschaftlicher ist. Deshalb sollte diese bürokratische Vorgabe abgebaut werden – das spart Planungskosten und Zeit.“
Mehr Stellplätze auch abseits von Autobahnen
Zusätzliche Lkw-Stellplätze werden nicht nur direkt an den Autobahnen benötigt, sondern auch im Umkreis von bis zu drei Kilometern entlang von Anschlussstellen. Zur Schaffung solcher Stellplätze fordert der DVR einen zeitnahen zweiten Aufruf für das Förderprogramm Lkw-Stellplätze (SteP) des Bundesamts für Logistik und Mobilität (BALM).
Besonders betroffene Autobahnabschnitte
Besonders hoch ist der Stellplatzmangel auf mehreren Autobahnkorridoren. Laut Daten der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt) fehlen in manchen Abschnitten mehr als fünf Lkw-Stellplätze pro Kilometer. Dazu zählen die A2 zwischen Magdeburg und Bielefeld, die A7 südlich des Hattenbacher Dreiecks auf 61 Kilometern und die A5 in Hessen auf 40 Kilometern. Weitere kritische Abschnitte finden sich auf der A9 nördlich von München, der A67 südlich des Rhein-Main-Gebiets, der A44 in Hessen und Nordrhein-Westfalen, der A3 und A46 in Nordrhein-Westfalen sowie der A4 westlich von Dresden.
Stellplatzmangel als Wahlkampfthema
Eine der längsten Mangelstrecken ist die A61 von Bad Kreuznach nahe Mainz bis Meckenheim südlich von Bonn. Entsprechend spielt der mangelhafte Stellplatzausbau auch im Landtagswahlkampf in Rheinland-Pfalz eine Rolle.
„Ich begrüße ausdrücklich, dass sich auf Landesebene in Rheinland-Pfalz ein Anreizsystem zur Ausweisung entsprechender Flächen für Stellplätze in einem Wahlprogramm wiederfindet“, sagt Manfred Wirsch. „Dies ist eine sinnvolle und notwendige Ergänzung zur finanziellen Förderung des autobahnnahen Ausbaus privater Lkw-Stellplatzanlagen durch den Bund. Neben Bund und Ländern tragen auch die Kommunen Verantwortung, um Bedenken gegen neue Stellplätze vor Ort auszuräumen. All dies muss Gegenstand einer umfassenden Verkehrssicherheitsstrategie – der Vision Zero – sein.“
Übermüdung als unterschätztes Unfallrisiko
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) waren Lkw-Fahrende 2024 an rund 22.900 Unfällen beteiligt. Offiziell wurde Übermüdung bei fünf tödlichen Unfällen, 199 Unfällen mit Personenschaden und 182 Unfällen mit schwerem Sachschaden festgestellt. Eine Untersuchung der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt) aus dem Jahr 2015 zeigte jedoch, dass bei 19 Prozent der 219 untersuchten schweren Lkw-Unfälle Übermüdung die Ursache war.
Akuter politischer Handlungsbedarf
„Hochgerechnet auf alle 22.900 Unfälle unter Lkw-Beteiligung im Jahr 2024 ergibt sich aus den BASt-Zahlen ein deutlich höheres Risiko durch Müdigkeit als offiziell ausgewiesen“, sagt Manfred Wirsch. „Die amtliche Statistik erfasst Übermüdung nur, wenn sie eindeutig dokumentiert ist – etwa durch Aussagen von Fahrern und Zeugen oder durch polizeiliche Ermittlungen. In der Praxis bedeutet das, dass nur ein kleiner Teil der tatsächlichen Müdigkeitsunfälle auch als Übermüdung erfasst wird. Der DVR sieht akuten politischen Handlungsbedarf. Mehr sichere Stellplätze sind ein zentraler Baustein für mehr Verkehrssicherheit.“
Hintergrund: Über den Weltschlaftag
Der Weltschlaftag (World Sleep Day) wird von der World Sleep Society organisiert und macht weltweit auf die Bedeutung des gesunden Schlafs aufmerksam. Der Aktionstag findet jedes Jahr am Freitag vor dem ersten Äquinoktium des Jahres – also der Tag-und-Nacht-Gleiche – statt. Der erste Weltschlaftag wurde 2008 begangen. Das Motto des diesjährigen Aktionstages lautet ›Sleep Well, Live Better‹ (›Gut schlafen, besser leben‹).
Weiterführende Informationen
DVR Schriftenreihe Verkehrssicherheit: Arbeitsplatz Straße (2025)
DVR Report: Schwere Last für die Verkehrssicherheit? (2024)
DVR/UK/BG-Schwerpunktaktion: Aufmerksamkeitsdefizite (2024)
DVR Blickpunkt: Schwere Last für die Verkehrssicherheit? (2023)
DVR-Beschluss: Müdigkeit im Straßenverkehr (2022)
DVR-Beschluss: Fehlende Lkw-Stellplätze auf Bundesautobahnen (2008)
Pressefotos
Pressefotos von Manfred Wirsch sind unter diesem Link abrufbar. Ein Symbolfoto ist unter diesem Link abrufbar. Nutzung jeweils honorarfrei bei Nennung der Quelle.
Über den DVR
Der DVR ist Deutschlands unabhängiger Vorreiter und Kompetenzträger in allen Belangen der Straßenverkehrssicherheit. Mit dem Ziel der Vision Zero („Alle kommen an. Niemand kommt um.“) setzt er sich für die gemeinsame Verantwortung aller Gesellschaftsgruppen ein, um den Straßenverkehr sicher zu machen. Durch die hohe Sachkenntnis und die Erfahrung seiner Mitglieder bildet der DVR ein effizientes Netzwerk für Verkehrssicherheit.
Kontakt
Christoph Rieger Pressesprecher Abteilung Kommunikation Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR) e.V. Jägerstraße 67-69 10117 Berlin +49 (0)30 2 26 67 71 - 30 CRieger@dvr.de www.dvr.de