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"Wir brauchen Lösungen, um Hungertote und Ausbeutung zu verhindern": Der Stopp der US-Entwicklungshilfe führt in Thailand zur Unterversorgung von Geflüchteten und Rückschritten bei der Aidsbekämpfung

"Wir brauchen Lösungen, um Hungertote und Ausbeutung zu verhindern": Der Stopp der US-Entwicklungshilfe führt in Thailand zur Unterversorgung von Geflüchteten und Rückschritten bei der Aidsbekämpfung
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Bangkok (ots)

Thailand hat von USAID Finanzierungshilfen über das in Bangkok ansässige Regionalbüro der US-Entwicklungsbehörde erhalten. Maßgeblich wurde in das Gesundheitswesen, speziell in die Bekämpfung von Aids und Malaria investiert. Auch sind Projekte zur Eindämmung des Menschenhandels gefördert worden sowie die humanitäre Hilfe. Zum Beispiel gingen Gelder an Hilfsorganisationen, die Geflüchtete aus Myanmar medizinisch versorgen. Laut Schätzungen sind 80 Prozent der humanitären Hilfe in den Geflüchtetencamps entlang der der Grenze zu Myanmar von USAID finanziert worden.

Thailand wurden im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit 2024 rund 85 Millionen US-Dollar zugesagt. Der USAID-Wegfall hat für die humanitäre Hilfe und den Gesundheitssektor schwerwiegende Folgen. Sawai Juntanoi, Koordinator für alternative Betreuung der SOS-Kinderdörfer Thailand sagt: "Die Situation in den Geflüchtetencamps ist extrem angespannt. Die Mittelkürzungen betreffen alle Menschen, aber unsere größte Sorge gilt unbegleiteten Minderjährigen, sie sind am schutzlosesten. Allgemein sind die Jugendlichen in Thailand jetzt schutzloser: Sie laufen wieder verstärkt Gefahr, sich mit HIV zu infizieren, weil Prävention und Aufklärung wegfallen."

Thailand ist kein Einzelfall. In einer Serie zeigen die SOS-Kinderdörfer, welche Folgen die Auflösung der US-Entwicklungsbehörde USAID und der Stopp zentraler Förderprogramme für Kinder und Familien in besonders betroffenen Ländern haben.

Kürzungen torpedieren die Aids-Bekämpfung

Thailand gilt als HIV-Hochrisikogebiet: 580.000 Menschen leben dort mit dem Virus, die Hälfte aller Neuerkrankungen ereignen sich bei Jugendlichen. Mit Unterstützung von USAID konnten große Fortschritte bei der HIV-Eindämmung erzielt werden. 2024 flossen mehr als fünf Millionen US-Dollar in den Bereich. Seit 2025 zählen die thailändischen Aids-Behandlungsprogramme zu denen, die im asiatischen Raum am schwersten von den Kürzungen betroffen sind. "Das UN-Nachhaltigkeitsziel Aids bis 2030 zu beenden, rückt damit in weite Ferne," sagt Sawai Juntanoi und fügt hinzu: "Erfolge wie die Eliminierung der Mutter-Kind-Übertragung oder die flächendeckende Versorgung von HIV-Infizierten mit antiretroviraler Therapie könnten bald hinfällig sein." Im letzten Jahr verzeichnete das thailändische Gesundheitsministerium schon einen Anstieg der Neuinfektionen, größtenteils bei Teenagern. Der Wegfall von Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen korreliert damit.

Not der Geflüchteten aus Myanmar wächst

In Thailand leben rund 1,3 Millionen geflüchtete und vertriebene Menschen aus Myanmar. In den Geflüchtetencamps entlang der Grenze sind laut UN-Flüchtlingskommissariat mehr als 100.000 Menschen untergebracht, die vor dem Bürgerkrieg in Myanmar, vor Diskriminierung und wirtschaftlicher Not geflohen sind. Ihre Selbstständigkeit ist von der thailändischen Regierung lange stark reglementiert worden, ohne humanitäre Hilfe sind die Geflüchteten kaum überlebensfähig. Noch 2024 unterstützte die US-Regierung die humanitäre Hilfe, insbesondere die für Geflüchtete, mit 35 Millionen US-Dollar. Aufgrund der Finanzierungsstopps mussten viele Hilfsorganisationen Lebensmittelausgaben und die medizinische Versorgung in den Camps reduzieren oder einstellen.

Geflüchtete Kinder sind mehr Gefahren ausgesetzt

In den Camps liegt der Anteil der geflüchteten Kinder bei über 30 Prozent. Neben Ernährungsunsicherheit und gesundheitlicher Unterversorgung sind sie weiteren Gefahren ausgesetzt. Gemäß der Internationalen Organisation für Migration drohen ihnen Zwangsverheiratung, sexueller Missbrauch und Zwangsarbeit. Sawai Juntanoi sagt: "Die Schließung von Kinderschutzräumen, etwa vom ,Migrant Learning Centers' und vom ,Children's Boarding Houses' erhöhen das Risiko von Missbrauch und Ausbeutung."

2025 hat die thailändische Regierung, unter anderem als Reaktion auf die Finanzierungsstopps, den Geflüchteten mehr Selbstständigkeit zugebilligt, indem sie ihnen zu arbeiten erlaubt. Sawai Juntanoi wertet das als historischen Schritt, sagt aber: "Damit allein verbessern wir die Situation der Geflüchteten nicht ausreichend! Wir brauchen nachhaltige Lösungen, um Hungertote und Ausbeutung zu verhindern. Eine große Hilfe wäre die Stärkung thailändischer zivilgesellschaftlicher Organisationen, aber dazu müssten andere Geberländer Thailand deutlich mehr bezuschussen."

Hintergrund zur Serie: Die Folgen des USAID-Stopps

Die SOS-Kinderdörfer dokumentieren in einer Reihe von Berichten die Auswirkungen der Auflösung von USAID auf besonders betroffene Länder. Neben Nigeria und Simbabwe gehören dazu unter anderem Peru, Kolumbien, Thailand und die Ukraine. USAID zählte jahrzehntelang zu den größten Gebern weltweit. Mit der Eingliederung in das US-Außenministerium im Februar 2025 wurden zahlreiche Programme gestoppt oder massiv gekürzt - mit direkten Folgen für Gesundheitsversorgung, Kinderschutz, humanitäre Hilfe, Friedensförderung und Kriminalitätsbekämpfung. Laut einer Studie der Fachzeitschrift ,The Lancet' könnten die Einschnitte bis 2030 zum Tod von bis zu 4,5 Millionen Kindern beitragen.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Boris Breyer
Pressesprecher SOS-Kinderdörfer weltweit
Tel.: 0160 - 984 723 45
E-Mail: boris.breyer@sos-kd.org
www.sos-kinderdoerfer.de

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