Alle Storys
Folgen
Keine Story von PricewaterhouseCoopers GmbH mehr verpassen.

PricewaterhouseCoopers GmbH

Insolvenzen und Private Equity prägten 2025 den M&A-Markt im Gesundheitswesen

Insolvenzen und Private Equity prägten 2025 den M&A-Markt im Gesundheitswesen
  • Bild-Infos
  • Download

Insolvenzen und Private Equity prägten 2025 den M&A-Markt im Gesundheitswesen

Transaktionsmonitor Gesundheitswesen 2025 von PwC: 240 Deals im Jahr 2025 – stabiles Niveau zum Vorjahr / Klinikmarkt weiter von Insolvenzwelle geprägt, freigemeinnützige und private Krankenhausgruppen sowie Kommunen selektiv als Käufer / MVZ-Markt 59 von 68 Transaktionen mit Private-Equity-Beteiligung / Pflegesektor auf Höchststand mit 79 Deals, davon 30 aus Insolvenz / Deal-Volumen bei Pflegeimmobilien steigt um 18 Prozent

Frankfurt am Main, 28. Mai 2026

Der deutsche Gesundheitsmarkt blieb 2025 unter Druck. Die beschlossene Krankenhausreform, die sich abzeichnende Gesundheitsreform und Fachkräftemangel belasteten Betreiber über alle Segmente hinweg. Inflationsbedingt gestiegene Personal- und Energiekosten verschärften die Situation. Trotzdem blieb der M&A-Markt im Gesundheitswesen aktiv: 240 Deals verzeichnet der „Transaktionsmonitor Gesundheitswesen 2025“ von PwC für das Jahr 2025. Die Anzahl der Deals blieb damit fast exakt auf dem Vorjahresniveau (2024:237 Deals).

Die 240 Transaktionen verteilen sich wie folgt: 79 Deals entfielen auf Pflegebetriebe (rund 33 Prozent), 68 auf niedergelassene Leistungserbringer und Labore (rund 28 Prozent), 48 auf Pflegeimmobilien (20 Prozent), 33 auf Krankenhäuser und Fachkliniken (rund 14 Prozent) sowie 12 auf den Bereich stationäre und ambulante Rehabilitation (5 Prozent). Die PwC-Analyse erfasst alle Deals aus öffentlich zugänglichen Quellen für das zurückliegende Jahr.

Insolvenzwelle im Klinikmarkt

Im Krankenhaussektor blieb der Restrukturierungsdruck hoch: 66 Prozent der Allgemeinkrankenhäuser ab 100 Betten schrieben 2024 – aus diesem Jahr sind die aktuellsten Daten – Verluste. Das ist ein Anstieg um fünf Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Für 2025 erwarten 70 Prozent der Häuser einen Jahresfehlbetrag.

Vor allem die Insolvenz der DRK Trägergesellschaft Süd-West betraf im Jahr 2025 mehrere Standorte. Sie gingen sukzessive an verschiedene Träger: das Krankenhaus Neuwied an die Marienhaus-Gruppe, Hachenburg an das Evangelische Krankenhaus Dierdorf/Selters und drei psychiatrische Einrichtungen an VALEARA (GENUI). Die St. Franziskus-Stiftung Münster übernahm eine Mehrheitsbeteiligung vom Erzbistum Köln am Verbund Katholischer Kliniken Düsseldorf mit rund 50 Fachkliniken und Kompetenzzentren. Private-Equity-Investoren traten bei nur fünf der 33 Krankenhaustransaktionen als Käufer auf.

Dr. Alexander von Friesen, Partner Corporate Finance und M&A sowie Head of Healthcare & Consumer bei PwC Deutschland, sagt: „Freigemeinnützige und private Krankenhausgruppen sowie kommunale Träger nutzen das Marktumfeld zur selektiven regionalen Konsolidierung. Zugleich haben insolvente Häuser zunehmend Schwierigkeiten, neue Träger zu finden, und stellen ihren Betrieb komplett ein.“ Als Alternative zur Schließung etablierten sich, so von Friesen, Transformationspfade – etwa die Umwandlung in ein ambulantes Gesundheitszentrum oder die Spezialisierung als Fachklinik.

Private Equity erreicht Rekordanteil bei MVZ-Transaktionen

Bei den niedergelassenen Leistungserbringern und Laboren stieg die Zahl der Transaktionen mit Private-Equity-Beteiligung deutlich: von 40 im Jahr 2024 auf nun 59 von insgesamt 68 Deals. Folgende Deals stachen heraus: GENUI veräußerte die auf Psychosomatik und Psychotherapie spezialisierte VALEARA-Gruppe an Luxempart. Carlyle stieg mit rund 250 Millionen Euro bei der Augenheilkundeplattform Sanoptis ein Mit der Übernahme von Stingray Healthcare (auch in Deutschland aktiv) durch Amethyst Radiotherapy (Fremman Capital) schlossen sich zwei der drei größten europäischen Plattformen für Krebsbehandlung zusammen. Sanecum (Adiuva Capital) konnte mit der Übernahme der Radiologische Allianz Hamburg mit 20 Einrichtungen und rund 300 Mitarbeitenden einen wesentlichen Zukauf in der Radiologie verbuchen.

Ob es in 2026 zu größeren Exits von Private Equity im MVZ-Markt kommen wird, wird bleibt abzuwarten. Ein EuGH-Urteil vom Dezember 2024 erlaubt EU-Mitgliedstaaten, Finanzinvestorenbeteiligungen an Rechtsanwaltsgesellschaften einzuschränken. Das Urteil könnte als Referenzrahmen für eine mögliche Übertragbarkeit auf den Gesundheitssektor dienen. „Anders als in der Vergangenheit bremsen diesbezügliche regulatorische Unsicherheiten das Geschäft aber aktuell eher nicht“, kommentiert PwC-Experte Dr. Alexander von Friesen, „dagegen werden die möglichen negativen Auswirkungen der aktuellen Vorschläge für Einsparungen im ambulanten Bereich zur Stabilisierung der GKV-Beiträge und die anstehende GoÄ Reform sehr genau analysiert. Andererseits wird der Zwang, sich effizient auch unter Zuhilfenahme von Digitalisierung aufzustellen, zu weiterer Konsolidierung führen und größere Einheiten begünstigen“.

Pflege bleibt stärkster Transaktionsbereich – Pflegeimmobilien legen zu

Der Pflegesektor verzeichnete 2025 mit 79 Transaktionen einen Höchststand. 30 Deals entfielen auf Insolvenzen. Zu den Deals im Einzelnen: Die Argentum Pflege Gruppe ging mit 22 Einrichtungen und rund 1.600 Mitarbeitenden an Lafayette Mittelstand Capital. Die opseo-Gruppe (Apheon/Sofina) baute ihre Position in der Intensivpflege durch die Übernahmen der CCC-Intensivpflege-Gruppe und der Lebenswert weiter aus. Die Insolvenz des mit Risikokapital finanzierten Anbieters Kenbi führte zur Aufspaltung: Die Pflegewerk-Gruppe übernahm 29 Standorte, die Pflegeunion Düsseldorf und Lebensblick Mobile Pflege weitere 13.

Auch im Immobiliensegment stieg das Transaktionsvolumen 2025 gegenüber dem Vorjahr um 18 Prozent. Die Freie und Hansestadt Hamburg erwarb über die städtische Konzernholding HGV das Portfolio „PFLEGEN UND WOHNEN Hamburg“ von der Deutschen Wohnen für rund 380 Millionen Euro zurück. Dies betrifft 13 Pflegeheimstandorte mit rund 2.400 Pflegeplätzen.

Benjamin Schrödl, Partner Real Assets Mergers & Acquisitions bei PwC Deutschland, ordnet ein: „Bei Pflegeimmobilien ist die Preisfindungsphase weitgehend abgeschlossen. Käufer- und Verkäufererwartungen haben sich angenähert, die Spitzenrenditen blieben 2025 stabil.“ Dies erkläre das deutlich höhere Transaktionsvolumen. Der PwC-Experte ergänzt: „Das Betreiberrisiko bleibt der zentrale limitierende Faktor, weil die regulierten Refinanzierungssysteme den Fachkräftemangel und hohe Personalkosten nur eingeschränkt auffangen.“ Schrödl verweist auf erste Transaktionen Anfang 2026, die die fortschreitende Konsolidierung bestätigen: die Übernahme der Vitanas durch Domidep (I Squared Capital) und den Erwerb von DKV-Einrichtungen durch die Münchner Augustinum Gruppe.

Digitale Gesundheit: KIS-Markt im Umbruch nach SAP-Rückzug

Bei den digitalen Leistungserbringern blieb der Markt im Jahr 2025 von breit gestreuten Finanzierungen geprägt. So erhielt die Berliner Plattform Amboss mit 240 Millionen Euro die größte deutsche Digital-Health-Finanzierung des Jahres. Sequoia investierte 30 Millionen Euro in Avelios Medical zur Entwicklung eines neuen Krankenhausinformationssystems (KIS). Anfang 2026 stieg auch SAP bei Avelios ein – parallel zur Einstellung des Moduls „SAP für Healthcare“, die viele Kliniken zum Wechsel ihres KIS i.s.h.med zwingt. Die im Mai 2026 bekannt gegebene Partnerschaft zwischen Avel und der Fresenius Group könnte einen Strukturwandel im KIS-Markt markieren. Auch andere KIS-Anbieter wie Mesalvo, Dedalus oder Deutsche Telekom Healthcare versuchen hier zu profitieren und Marktanteile zu gewinnen.

Michael Ey, Global Health Services Leader und Partner bei PwC Deutschland, sagt: „Krankenhäuser müssen jetzt handeln. Der Rückzug von SAP aus dem Healthcare-Modul, die Krankenhausreform und die aktuellen Transaktionen im Markt schaffen ein Zeitfenster, das Kliniken aktiv nutzen sollten, um ihre digitale Infrastruktur neu aufzustellen. Agentic AI und KI-basierte Plattformen eröffnen dabei die Chance, Prozesse grundlegend effizienter zu gestalten und die Transformation im stationären Sektor deutlich zu beschleunigen.”

Über PwC

PwC betrachtet es als seine Aufgabe, gesellschaftliches Vertrauen aufzubauen und wichtige Probleme zu lösen. Mehr als 370.000 Mitarbeitende in 149 Ländern tragen hierzu mit hochwertigen, branchenspezifischen Dienstleistungen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Unternehmensberatung bei.

Die Bezeichnung PwC bezieht sich auf das PwC-Netzwerk und/oder eine oder mehrere der rechtlich selbstständigen Netzwerkgesellschaften. Weitere Details unter www.pwc.com/structure.

Weiteres Material zum Download

Dokument:  PM_PwC_Transaktionsm~eitswesen 2025.docx
Weitere Storys: PricewaterhouseCoopers GmbH
Weitere Storys: PricewaterhouseCoopers GmbH