Baden-Württemberg Stiftung gGmbH
Untersuchung zeigt: Bürgerforen stärken die demokratische Resilienz
PRESSEINFORMATION
Untersuchung zeigt: Bürgerforen stärken die demokratische Resilienz
- Wissenschaftliche Ergebnisse zum Bürgerforum über die Medienlandschaft der Zukunft werden vorgestellt
- Neuartiger Vergleich einer jungen mit einer generationengemischten Gruppe
- Bürgerforen schärfen unter anderem das Problembewusstsein für Desinformation und können Mediennutzung verbessern
Was passiert, wenn zwei Gruppen mit zufällig ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern parallel zu den gleichen Fragestellungen diskutieren? Kommen sie zu den gleichen Ergebnissen und Empfehlungen? Im Bürgerforum Über Medien – Über Verständigung – Über uns wurde diese Konstellation zum ersten Mal gewählt und durch ein Team um Professor Dr. Uwe Wagschal wissenschaftlich begleitet. Nun liegt der Abschlussbericht vor.
Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Analyse des Formats, mit besonderem Fokus auf die Stärkung demokratischer Resilienz, und aus den Entwicklungsprozessen der Empfehlungen der einzelnen Gruppen wurden am 22. April 2026 im Rahmen einer Landespressekonferenz von Theresia Bauer, Geschäftsführerin der Baden-Württemberg Stiftung, Prof. Dr. Uwe Wagschal, Professor für Politikwissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, und Dr. Jens Schmitz, Vorsitzender der Pressestiftung Baden-Württemberg, in Stuttgart vorgestellt.
„Die wissenschaftliche Begleitung des Bürgerforums war uns von Anbeginn sehr wichtig, weil sie der Arbeit aller Beteiligten zusätzliches Gewicht verleiht“, sagt Theresia Bauer. „Der systematische Vergleich einer jungen Gruppe unter 25 Jahren mit einer altersgemischten Gruppe hat wesentlich dazu beigetragen, wichtige Erkenntnisse über das mediale Nutzungsverhalten verschiedener Generationen zu gewinnen. Die Ergebnisse dieses Prozesses senden starke Signale: Menschen wollen sich einbringen, wenn man ihnen zuhört; sie wollen Orientierung in einer komplexen Welt und sie sind bereit, Verantwortung zu übernehmen.“
Das Bürgerforum Über Medien – Über Verständigung – Über uns wurde von der Pressestiftung Baden-Württemberg ins Leben gerufen und von der Baden-Württemberg Stiftung gefördert. Ziel war es, zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger aus dem ganzen Land zusammenzubringen, um gemeinsam über die Zukunft der Medien zu diskutieren. Eine wissenschaftliche Begleitung untersuchte, welche Wirkung diese Gespräche haben – zum Beispiel darauf, wie Menschen Medien nutzen, um sich eine eigene politische Meinung zu bilden, und wie sehr sie ihnen vertrauen. Dabei zeigte sich: Das Bürgerforum regte intensiv zum Nachdenken über den eigenen Medienkonsum an, schärfte das Bewusstsein für Desinformation und gesellschaftliche Spaltung und förderte den Austausch zwischen den Generationen.
Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung wurde methodisch ein Mixed-Methods-Design eingesetzt, bestehend aus teilnehmender Beobachtung aller Forensitzungen, drei standardisierten Online-Befragungen und zwölf qualitativen Interviews mit den Teilnehmenden sowie einer vergleichenden Bevölkerungsumfrage. „Es hat sich gezeigt, dass die beiden Gruppen zu ähnlichen Einschätzungen und Forderungen kamen, aber mit unterschiedlichen Gewichtungen. Ein Aspekt wurde aber besonders deutlich: Medienkompetenz wurde als zentrale Zukunftsaufgabe identifiziert“, sagt Prof. Dr. Uwe Wagschal, Professor für Politikwissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der die Begleitforschung geleitet hat. „Insgesamt belegt unsere Untersuchung, dass deliberative Beteiligungsformate die Demokratie stärken können. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben ein stärkeres Problembewusstsein hinsichtlich Desinformation und gesellschaftlicher Polarisierung gewonnen.“
Zwei Gruppen – eine generationengemischte Gruppe und eine Gruppe mit jungen Teilnehmenden zwischen 16 und 24 Jahren – aus ganz Baden-Württemberg hatten im Bürgerforum diskutiert. In mehreren Veranstaltungen entwickelten beide Gruppen konkrete Empfehlungen an Politik, Medienschaffende und Mediennutzende zu Fragen von Vertrauen, Meinungsvielfalt und demokratischer Öffentlichkeit. Der Empfehlungsbericht war bereits im Januar dieses Jahres – stellvertretend für Politik, Medien und Zivilgesellschaft – unter anderem an Landtagspräsidentin Muhterem Aras, SWR-Intendant Prof. Dr. Kai Gniffke und VSZV-Geschäftsführer Prof. Dr. Holger Paesler sowie die Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung, Barbara Bosch übergeben worden.
„Bürgerforen bringen Menschen miteinander ins Gespräch, über alle Unterschiede hinweg“, sagt Dr. Jens Schmitz, Vorsitzender der Pressestiftung Baden-Württemberg. „Sie können die Perspektiven auch jener einbinden, die für klassische Medien oder die Politik schwer zu erreichen sind. Sie schaffen Raum für Gedankenexperimente und neue Ideen.“
Über die Baden-Württemberg Stiftung
Die Baden-Württemberg Stiftung wurde im Jahr 2000 gegründet und ist eine der großen operativen Stiftungen in Deutschland. Als unabhängige und überparteiliche Stiftung des Landes ist sie in besonderem Maße den Menschen in Baden-Württemberg verpflichtet. Mit einem klaren Auftrag und mit einer klaren Haltung gestaltet sie den Wandel – in Gesellschaft und Kultur, in der Bildung sowie in der Spitzenforschung. Für eine gemeinsame Zukunft, die nicht auf das Ich, sondern auf das Wir baut. Die Baden-Württemberg Stiftung engagiert sich für eine lebendige Bürgergesellschaft und fördert soziale und kulturelle Teilhabe. Mit Ideen und mit Investitionen in Bildung, Wissenschaft und Kultur setzt sie sich für ein nachhaltig lebenswertes Baden-Württemberg ein. Ihr Motto: Wir stiften Zukunft. www.bwstiftung.de
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Die Pressestiftung Baden-Württemberg wird getragen von der Landespressekonferenz Baden-Württemberg (LPK), dem Landesverband des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) und dem Verband Südwestdeutscher Zeitungsverleger (VSZV). Die Stiftung leistet Beiträge zu einem funktionierenden Gemeinwesen, die über das Alltagsgeschäft der Medienbranche hinausreichen: In einer Gesellschaft, die zunehmend auseinanderzudriften scheint, sucht sie Antworten zur Zukunft von Informationsvermittlung, Kommunikation und Verständigung. Die Stiftung fördert Medienkompetenz und demokratische Teilhabe. Hervorgegangen aus einem Hilfsfonds, bietet sie unverschuldet in Not geratenen Journalist:innen weiterhin wertvolle Stabilität. www.pressestiftung-bw.de
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