Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.
VNW-Direktor Andreas Breitner: Untersuchung ist ein wichtiger Schritt zur Versachlichung der Klimadebatte
15/2026
Schleswig-Holstein hat eine Untersuchung zur Klimaneutralität 2040 versus 2045 im Gebäudebestand des Landes in Auftrag gegeben.
Dazu erklärt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW):
„Endlich! Die Landesregierung in Kiel hat einen wichtigen Schritt getan, die Debatte über den bezahlbaren Weg der Energiewende zu versachlichen. Ich bin überzeugt, dass am Ende wissenschaftlich fundierte Vorschläge herauskommen werden, die beides möglich machen: Klimaneutralität und bezahlbares Wohnen. Nur wenn diese Einheit gelingt, wird die Mehrheit der Gesellschaft die Energiewende mitmachen.
Die im VNW organisierten sozialen Vermieter stehen zu ihrer Verpflichtung, klimaneutral zu werden. Der genaue Zeitpunkt spielt dabei für uns nicht die entscheidende Rolle. Allerdings sind wir davon überzeugt, dass Klimaneutralität im Jahr 2040 nicht zu erreichen ist, ohne den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu gefährden.
Sorge vor hohen zusätzlichen Mietsteigerungen
Unser wichtigstes Argument: Klimaneutralität innerhalb der kommenden 15 Jahre zu erreichen, würde erhebliche zusätzliche Mietsteigerungen zur Folge haben. Wir rechnen mit bis zu zwei Euro pro Quadratmeter, die zusätzlich zu den normalen Mietsteigerungen notwendig würden. So viel Geld kann das Land gar nicht zur Verfügung stellen, um diese Kosten ‚wegzufördern‘.
Zum anderen dürfte es unmöglich sein, bis 2040 flächendeckend alle für Klimaneutralität notwendige Umbaumaßnahmen umzusetzen. Weder werden wir entsprechend modernisierte Strom- und Heizungsnetze haben, noch wird es ausreichend klimaneutral erzeugten Strom für den Betrieb von Hunderttausenden Wärmepumpen geben.
Bis zu 10.000 Euro pro Meter Fernwärme
Auch die Dekarbonisierung von Fernwärme und der massive Ausbau der Fernwärmenetze sind aus unserer Sicht in den kommenden 15 Jahren nicht zu stemmen. So ist allein der Ausbau sehr teuer. In dicht bebauten Innenstädten kostet ein Meter Fernwärmeleitung bis zu 10.000 Euro. Daher fordern Experten, dass Vermieter einen Fernwärmeanschluss mit bis zu 50 Cent pro Quadratmeter und Monat auf die Mieter umlegen können sollen. Allein das würde zu einer erheblichen Steigerung der Wohnkosten führen.
Die energiewirtschaftliche Alternative, die Wärmepumpe, ist möglich, wird durch begrenzte Stromnetzkapazitäten aber faktisch unmöglich gemacht. Unzählige Wärmepumpen wurden von der gemeinwohlorientierten Wohnungswirtschaft beschafft, bezahlt und geliefert, sind anschlussbereit, können aber nicht ans Netz und in Betrieb gehen, weil viele Stromnetze in Schleswig-Holstein sie nicht aufnehmen können. Irre.
Reduzierung klimaschädlicher Emissionen ist entscheidend
Für die sozialen Vermieter spielen die Wohnkosten – und dazu gehört auch die sogenannte zwei Miete – eine wichtige Rolle. Deshalb geht es ihnen darum, mit den begrenzten finanziellen Mitteln das größtmögliche Maß an Reduzierung klimaschädlicher Emissionen zu erreichen. Das wird nach unserer Überzeugung besser gelingen, wenn das Erreichen von Klimaneutralität zeitlich stärker gestreckt wird. 2040 geht nicht, 2045 ist möglich, 2050 sicher.
Unsere Unternehmen haben sich seit Jahren auf den Weg gemacht und umgesteuert. Sie entwickelten Strategien entwickelt und starteten Projekte. Wir heute neu baut, setzt auf eine Wärmeversorgung, die in absehbarer Zeit klimaneutral sein wird - sehr oft auf Fernwärme oder Wärmepumpen.
Pragmatismus im Heizungskeller ist entscheidend
Die eigentliche Herausforderung sind die Bestandswohnungen, vor allem jene Nachkriegsbauten, bei denen eine energetische Sanierung angezeigt ist. Hier aber ist eine ‚individuelle‘ Betrachtung notwendig, auf deren Grundlage Maßnahmen zur Emissionsreduzierung geplant und umgesetzt werden. Pragmatismus im Heizungskeller ist die entscheidende Regel.
Klimaneutralität ist auf unterschiedlichen Wegen erreichbar. Fernwärme und Wärmepumpen gehören genauso dazu wie Quartiers-und Flottenlösungen, um die Betrachtung einzelner Wohngebäude zu vermeiden. Genauso sinnvoll ist es, fossile Heizungsanlagen nicht vor dem Ende ihrer technischen Lebensdauer aus dem Keller zu reißen.
Wir brauchen die Energieerzeuger als Partner
Um Klimaneutralität zu erreichen, brauchen wir die Energieerzeuger als Partner. Sie müssen ausreichend klimaneutral erzeugte Wärme und klimaneutral erzeugten Strom anbieten. Dazu ist eine Strominfrastruktur notwendig, die den höheren Bedarf an Elektrizität auch befriedigen kann. Viel erleben unsere Unternehmen, dass sie Wärmepumpen (noch) nicht installieren können, weil Stromleitungen veraltet und ‚zu schwach‘ sind.
Entscheidend ist am Ende nicht ein genaues genaue Datum, an dem Klimaneutralität erreicht ist, sondern dass am Ende klimaschädliche Emissionen erheblich reduziert sind und die Menschen ihre Wohnung noch bezahlen können.
Es geht darum, die Energiewende vom Kopf auf die Füße zu stellen: pragmatisch, effizient, bezahlbar. Ich bin mir sicher, dass die Untersuchung zur Klimaneutralität 2040 versus 2045 im schleswig-holsteinischen Gebäudebestand dazu gute Anregungen geben wird.“
13-03-2026
Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) vertritt in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein insgesamt 481 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften. In den von ihnen verwalteten 730.000 Wohnungen leben rund zwei Millionen Menschen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Unternehmen bei 7,69 Euro. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.
V.i.S.P.: Oliver Schirg, Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Referat Kommunikation, Telefon: +49 40 52011 226, Mobil: +49 151 6450 2897, Mail: schirg@vnw.de