Neu zugelassenes Verbinder-System ermöglicht kreislauffähige HBV-Decken – Schulbau in Aalen
Mit einem neu zugelassenen rückbaubaren Verbinder-System werden im Neubau der Karl-Kessler-Schule in Aalen Holz-Beton-Verbunddecken realisiert, die eine technisch nachweisbare Trennung von Holz und Beton ermöglichen.
Mit dem Neubau der Karl-Kessler-Schule entsteht in Aalen ein kommunales Schulgebäude, das konstruktive Leistungsfähigkeit mit einer vorausschauenden Betrachtung des gesamten Gebäudelebenszyklus verbindet. Schlosser Holzbau realisiert in dem Projekt Holz-Beton-Verbunddecken (HBV), die erstmals so ausgeführt werden, dass ein späterer Rückbau sowie die Trennung der eingesetzten Baustoffe mitgedacht sind.
Zum Einsatz kommen rückbaubare KVB-Verbinder von Reisser Schraubentechnik, die eine sortenreine Trennbarkeit von Holz und Beton ermöglichen. Damit wird ein bewährtes Deckensystem gezielt weiterentwickelt – insbesondere vor dem Hintergrund steigender Anforderungen an Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft.
HBV-Decken als wirtschaftliche Lösung
Holz-Beton-Verbunddecken haben sich nicht nur im Bildungsbau seit Langem bewährt. Sie ermöglichen wirtschaftlich größere Spannweiten und eignen sich insbesondere für Gebäude mit hohen Anforderungen an Nutzungskomfort und Langlebigkeit. Gleichzeitig lassen sich bauphysikalische Anforderungen wie Schallschutz, Schwingungsverhalten und Brandschutz vergleichsweise effizient erfüllen. Gerade für Schulgebäude, in denen flexible Grundrisse, robuste Konstruktionen und eine hohe Nutzungsintensität gefordert sind, bieten HBV-Decken damit klare Vorteile gegenüber reinen Holzkonstruktionen.
Kervenverbund: leistungsfähig, bislang jedoch nicht rückbaubar
Im Schulneubau werden HBV-Decken mit Kervenverbund eingesetzt. Bei dieser Bauweise erfolgt die Lastübertragung überwiegend kraftschlüssig über die Geometrie der Verbindung. Im Vergleich zu schraubenbasierten Verbundsystemen weist der Kervenverbund eine höhere Steifigkeit, die sich positiv auf das Schwingungsverhalten der Decke auswirkt.
Auch bei dieser Verbundart sind Schrauben erforderlich. Sie übernehmen jedoch nicht den Schubverbund, sondern dienen ausschließlich der Abhebesicherung zwischen Holz und Beton. In herkömmlichen Ausführungen sind diese Schrauben vollständig einbetoniert und beim Rückbau weder auffindbar noch lösbar. Eine Trennung der Materialien war bislang praktisch ausgeschlossen.
Rückbaubare Abhebesicherung als konstruktive Weiterentwicklung
Im Bauvorhaben in Aalen kommt eine zugelassene, rückbaubare Lösung für diese Abhebesicherung zum Einsatz. Die Reisser KVB-Verbinder mit allgemeiner Bauartgenehmigung für HBV-Decken mit Kervenverbund (aBG Z-9.1-916) sind so konstruiert, dass sie nach der Nutzungsphase identifiziert, freigelegt und entfernt werden können. Holz, Beton und Verbindungsmittel lassen sich dadurch sortenrein trennen und weiterverwerten oder recyceln. Zudem lassen sich die KVB-Verbinder über die Einbindetiefe in Beton und Holz statisch anpassen, wodurch die Anzahl der erforderlichen Abhebesicherungen und Schrauben reduziert werden kann.
Damit eröffnet sich eine neue Perspektive: Die Vorteile leistungsfähiger Holz-Beton-Verbunddecken bleiben erhalten und werden um den Aspekt der Rückbaubarkeit und Ressourcenschonung ergänzt.
Karl-Kessler-Schule: Zahlen, Daten, Fakten
In den Ebenen E0 bis E3 werden rund 2.350 Quadratmeter Holz-Beton-Verbunddecken realisiert. Die Fertigteildecken spannen etwa acht Meter und liegen auf blockverleimten Holzträgern auf. Die Betonplatten werden als Komplettfertigteile auf die Baustelle geliefert. Im Anschluss wird lediglich der Bereich der Kerven mit Ortbeton vergossen. Insgesamt kommen rund 5.600 rückbaubare KVB-Verbinder zum Einsatz, die im Bauablauf vergossen werden. Dadurch wird der Feuchtigkeitseintrag in die Konstruktion reduziert und die Montage nicht durch lange Aushärtezeiten verzögert. Die Fertigstellung des Projekts ist für den Sommer 2026 vorgesehen.
Die architektonische Planung des Schulneubaus liegt bei Liebel/Architekten in Aalen. Schlosser Holzbau wurde mit der technischen Holzbauplanung, den Werkstattzeichnungen sowie der 3D-Modellierung des Gebäudes betraut.
Gebäude weiterdenken
Der Neubau der Karl-Kessler-Schule zeigt exemplarisch, wie sich bewährte Holz-Beton-Verbundsysteme durch neue Verbindungstechnologien weiterentwickeln lassen. Mit dem Einsatz des neu zugelassenen rückbaubaren Verbinder-Systems von Reisser Schraubentechnik wird der Holz-Beton-Verbund konstruktiv um die Perspektive des sortenreinen Rückbaus ergänzt. Durch abgestimmte Projektprozesse und konstruktive Weiterentwicklung entsteht ein Gebäude, das sowohl heutigen Anforderungen gerecht wird als auch zukünftige Entwicklungen mitdenkt.
Stimmen zum Projekt
Bernd Liebel, Liebel Architekten Aalen:
„Der Wandel hin zu einer enkeltauglichen Architektur profitiert vom interdisziplinären Miteinander der Beteiligten. Bereits ab Planungsbeginn erarbeiten wir deshalb mit unterschiedlichen Fachrichtungen ein effizientes Konzept. Für die technische Holzbauplanung und die Realisierung haben wir mit Schlosser Holzbau eine innovative und gleichgesinnte Firma gefunden, die wie wir einen Schwerpunkt im Bereich Nachhaltigkeit setzt.“
Marlen Schlosser, Schlosser Holzbau, Jagstzell:
„Je früher Fachplanung und ausführende Unternehmen in komplexe Bauvorhaben eingebunden werden, desto effizienter lassen sich innovative Konstruktionen umsetzen. Eine sehr frühe Integration in die Projektprozesse würde dazu beitragen, Vorhaben dieser Art schneller, wirtschaftlicher und mit noch größerer Planungssicherheit zu realisieren.“
Über ein Belegexemplar würden wir uns sehr freuen!
Schlosser Planprojekt GmbH & Co.KG
Schlosser Holzbau GmbH
Industriestraße 17-23, 73489 Jagstzell
presse@schlosser-projekt.de
fon +49 (0)172-6131926



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