Unterstützung für Sehbehinderte in Ghana
Das gemeinsame „Low-Vision“-Projekt der Hochschule München (HM) und der Kwame Nkrumah University of Science and Technology (KNUST) in Ghana etablierte eine dreistufige Versorgungsstruktur für Menschen mit Sehbehinderung in der Ashanti Region: Ein Grundstein für eine nachhaltige Behandlung von Menschen mit Sehbehinderung in Ghana und ganz Subsahara-Afrika.
München, 26. Mai 2026 – Sehbehinderung betrifft weltweit Millionen von Menschen – doch in Ghana und weiten Teilen Subsahara-Afrikas fehlen häufig ausreichende Behandlungsangebote. Genau hier setzte das „HM KNUST Low Vision Project" an: Ziel war es, Versorgungslücken zu schließen, indem vor Ort praktizierende Optometristinnen und Optometristen eine spezialisierte Low-Vision-Ausbildung erhalten. Begleitend dazu wurden Studien zur evidenzbasierten Praxis durchgeführt und eine Plattform entwickelt, die den Zugang zu Brillen und vergrößernden Sehhilfen erleichtert. Das Projekt baute die Low Vision-Versorgung in Ghana aus.
Von der Universitätsklinik bis ins Gesundheitszentrum
Seit dem Projektstart 2023 haben HM-Professor und Projektleiter Werner Eisenbarth von der Fakultät für angewandte Naturwissenschaften und Mechatronik und Dr. Kwadwo Owusu Akuffo, Senior Lecturer an der KNUST, gemeinsam ein dreistufiges Versorgungsmodell entwickelt und umgesetzt. „Ziel war es die International Vision Rehabilitation Standards der WHO in einem Modelprojekt in Ghana zu etablieren“, so Eisenbarth. An der Universitätsklinik in Kumasi wurden technische Geräte für Diagnostik und Ausbildung angeschafft. Drei Distriktkrankenhäuser mit Augenstationen erhielten ebenfalls moderne Ausstattung. Auf der Ebene der ländlichen Gesundheitszentren wurden sogenannte „Ophthalmic Nurses“, also eigens in Augenmedizin geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, mit Low Vision-Tests ausgestattet. Begleitend liefen digitale Weiterbildungsformate sowie eine wissenschaftliche Begleitforschung, die die Wirksamkeit des Modells kontinuierlich dokumentiert.
Ausbildung, Versorgung und neue Perspektiven
Die Ergebnisse des Projekts sind weitreichend: In vier Low-Vision-Kliniken können künftig rund 400 Patientinnen und Patienten pro Jahr versorgt werden. Jährlich erhalten etwa 100 Studierende der Optometrie eine umfassende Ausbildung in der Low Vision-Rehabilitation. Durch Fortbildungsangebote – sogenannte „Continuing Professional Development Courses“ (CPD) – werden darüber hinaus Personen mit Optometrie- und Ophthalmologiekenntnissen sowie Therapeutinnen und Therapeuten weiterqualifiziert. Laut Professor Eisenbarth ging es dabei um die die Verbesserung der studentischen Ausbildung, um die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Sehbehinderung in Ghana nachhaltig zu verbessern: „In der Ashanti Region gibt es damit vier etablierte Versorgungszentren an die gezielt überwiesen werden kann. Vielen Patienten und z.T. auch Optometristen waren die konkreten Rehabilitationsoptionen für sehbehinderte Patienten bis zu diesem Projekt nicht bekannt“.
Das Projekt hat damit nicht nur Strukturen geschaffen, sondern auch das gesellschaftliche Bewusstsein gestärkt: Sehbehinderung ist keine unabwendbare Schicksalsfrage, sondern eine lösbare Versorgungsaufgabe. Die HM und die KNUST wollen die Zusammenarbeit weiter fortsetzen und das entwickelte Modell als Blaupause für weitere Regionen in Subsahara-Afrika nutzbar machen. „Aktuell führen wir eine Pilotstudie zur Glaukomfrüherkennung bei jungen Erwachsenen durch, denn wir haben festgestellt, dass circa 20 Prozent der aufgrund von Glaukom sehbehinderten Patienten 30 Jahre und jünger sind. Dies ist ein klarer Auftrag die Früherkennung dieser irreversiblen Erkrankung des Sehnervs zu stärken. Aktuell arbeiten wir daher an der Antragstellung für ein Folgeprojekt, welches diese Thematik adressieren soll“, so Eisenbarth.
HM KNUST Low Vision Project
Das HM KNUST Low Vision Project ist ein gemeinsames Forschungs- und Versorgungsprojekt der Hochschule München (HM) und der Kwame Nkrumah University of Science and Technology (KNUST), Kumasi, Ghana. Es wird von der Else Kröner-Fresenius Stiftung (EKFS) gefördert und lief von April 2023 bis März 2026.
Gerne vermitteln wir einen Interviewtermin mit HM-Professor Werner Eisenbarth.
Kontakt: Constance Schölch unter T 089 1265-1920 oder per E-Mail.
Hochschule München Die Hochschule München ist mit über 500 Professorinnen und Professoren, 820 Lehrbeauftragten und über 18.500 Studierenden eine der größten Hochschulen für angewandte Wissenschaften Deutschlands. In den Bereichen Technik, Wirtschaft, Soziales und Design bietet sie rund 100 Bachelor- und Masterstudiengänge an. Exzellent vernetzt am Wirtschaftsstandort München, arbeitet sie eng mit Unternehmen und Institutionen zusammen und engagiert sich in praxisnaher Lehre und anwendungsorientierter Forschung. Die HM belegt im Gründungsradar des Stifterverbands deutschlandweit erneut den ersten Platz unter den großen Hochschulen und Universitäten. Neben Fachkompetenzen vermittelt sie ihren Studierenden unternehmerisches und nachhaltiges Denken und Handeln. Ausgebildet im interdisziplinären Arbeiten und interkulturellen Denken gestalten ihre Absolventinnen und Absolventen eine digital und international vernetzte Arbeitswelt mit. In Rankings zählen sie bei Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern zu den Gefragtesten in ganz Deutschland. hm.edu



