Ready to transfer? Methoden, Wissen und Leitfäden für passgenaue Vermittlung von Transferkompetenzen an Hochschulen
„Transfer von der Theorie in die Praxis bringen und von der Pflicht zur Kür machen“ ist das Ziel der „Ready-to-Transfer“ Tool Box. Entwickelt wurde sie von einem HM-Team in einem Kooperationsprojekt zur Qualifizierung von Forschenden und Entscheiderinnen und Entscheidern kleiner und mittlerer Unternehmen. Alle Methoden, Formate und Leitfäden sind frei verfügbar.
München, 13. März 2026 – Die Forschungswelt wandelt sich: Grundlagenforschung und angewandte Forschung rücken näher zusammen und Innovationskraft sowie Wirkung in der Gesellschaft werden für die Forschung immer wichtiger. Transfer ist als dritte Mission in den Hochschulgesetzen aller Bundesländer verankert und in zehn sogar explizit die Aufgabe von Professorinnen und Professoren.
Die Fähigkeit von Forschenden, mit Praxispartnern aus Unternehmen und Verwaltung zusammenzuarbeiten ist eine Schlüsselkompetenz für etablierte ebenso wie für angehende Forscherinnen und Forscher. Um diese zu stärken, entwickelte das Projekt „Transferkompetenzen entwickeln“ eine „Ready-to-Transfer“ Tool Box, die alles enthält, um passgenaue Trainings für Forschende und Unternehmensleitungen anzubieten. Pragmatisch, lösungsorientiert und praxiserprobt.
Das Kooperationsprojekt der Hochschule München (HM), des Fraunhofer Center for Responsible Research and Innovation (CeRRI) sowie der Technischen Universität Berlin (TU Berlin) präsentierte den modularen Trainingsbaukasten in einem Treffen der bundesweiten Fachcommunity für Transfer in Berlin unter dem Motto: „Transfer – nicht weiter wie bisher“.
Transferkompetenzen für Forschende und Praxispartner
Transfer meint heute nicht mehr die eindimensionale Verwertung von Forschungsergebnissen für beispielsweise Patente, Lizenzen oder Ausgründungen, sondern vor allem auch den wechselseitigen Austausch von Forschung mit der Gesellschaft. In der Praxis jedoch – so das Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands 2026 – wird Transfer „vielfach noch nicht als Kernaufgabe behandelt“. Zudem fehlen systematische Programme, um diese Schlüsselqualifikationen bei Forschenden innerhalb und außerhalb von Universitäten, an Hochschulen für angewandte Wissenschaften sowie auf Seiten der Praxispartner zu fördern.
Zentrale Zielgruppe der Transfer-Box sind bei den Forschenden Promovierende und Forschende in frühen Karrierephasen. Bei Praxispartnern liegt der Fokus vor allem auf die bisher im Transfer unterrepräsentierten kleinen und mittelständischen Unternehmen. Beide Gruppen werden im Rahmen der Formate auch in Kontakt mit Forscherinnen und Forschern der Fraunhofer Gesellschaft auf die Voraussetzungen einer erfolgreichen Zusammenarbeit vorbereitet. „So lange Transfer nur als zusätzliche Aufgabe erlebt wird, werden wir mit unseren Bemühungen um die Intensivierung von Transfer zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft nicht erfolgreich sein. Transfer ist eine Haltung“, sagt HM-Professorin Anke van Kempen von der Fakultät für technische Systeme, Prozesse und Kommunikation.
Trainings-Box: Ready-to-Transfer
Den Beitrag der HM an der Transfer-Box entwickelte van Kempen mit ihrem Team auf Basis von qualitativen und quantitativen Befragungen und mehreren Erprobungszyklen. Dabei entstanden Formate für Angebote „vor Ort“ und online, die je nach Trainingskonstellation kombinierbar sind. Das ermöglicht trainingserfahrenen Personen ad hoc passende Schulungen mit interaktivem, co-kreativem und interdisziplinärem Austausch umzusetzen. Angewandt wurden die Module bereits in der Graduate School der HM sowie im Rahmen der Zertifikation der Abschlüsse für die Berliner University Alliance (BUA).
Im Rahmen des Fachgesprächs „Transfer – nicht weiter wie bisher“ entwickelten arrivierte Gestalterinnen und Gestalter von Transfer und dessen Rahmenbedingungen Perspektiven für die Weiterentwicklung und Gestaltung einer Transferkultur in Deutschland. Die Teilnehmenden erprobten selbst die Transfer-Box und sind begeistert: „Nicht weiter wie bisher – das bedeutet für uns, Transfer offen zu denken. Inhaltlich vielfältig, mit diversen Kooperationspartnern und ganz unterschiedlichen Zielen. Nur wenn wir das schaffen und transferaktive Forscherinnen und Forscher ernsthaft und pragmatisch unterstützen, können wir es schaffen, dass Wissenschaft zur unüberhörbaren Stimme in Politik und Gesellschaft wird“, sagt Prof. Dr. Martina Schraudner, Professorin an der Technischen Universität Berlin und Wissenschaftliche Leiterin des CeRRI.
Prof. Dr. Anke van Kempen
Anke van Kempen ist Professorin für Unternehmenskommunikation von Technologieunternehmen sowie Inhaberin einer Innovationsprofessur für Transfer an der Hochschule München. Nach einem Studium der Germanistik, Geschichte und Politischen Wissenschaften in München, Prag und Frankfurt an der Oder (Assoziiertes Mitglied des DFG-Graduiertenkollegs „Rhetorik, Repräsentation, Wissen“) war sie knapp 20 Jahre in leitenden Positionen der Unternehmens- und Wissenschaftskommunikation tätig, darunter an der LMU, beim Studentenwerk München, der Max-Planck-Gesellschaft sowie als Strategie- und Kommunikationsberaterin mit Branchenfokus Biotech, Automotive und IT. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Innovations-, Wissenschafts- und Technologie-Kommunikation, der Kommunikation mit kritischen und unterrepräsentierten Zielgruppen, partizipativen Verfahren sowie der Systemtheorie.
Kooperationsprojekt Transferkompetenzen vermitteln
Das Projekt „Transferkompetenzen vermitteln – Teilvorhaben: Qualifizierung für Transferhandeln in anwendungsorientierten Forschungsprozessen“ der Hochschule München in Kooperation dem Fraunhofer Center for Responsible Research and Innovation (CeRRI) sowie der Technische Universität Berlin (TU Berlin) lief von Mai 2023 bis April 2026 und wurde gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (Fördernummer: 01|O2301C).
Gerne vermitteln wir einen Interviewtermin mit Prof. Dr. Anke van Kempen.
Kontakt: Christiane Taddigs-Hirsch unter T 089 1265-1911 oder per Mail.
Weitere Informationen: Die „Ready-to-Transfer-Box“ lässt sich auf der Webseite des Projekts abrufen.
Hochschule München Die Hochschule München ist mit über 500 Professorinnen und Professoren, 820 Lehrbeauftragten und über 18.500 Studierenden eine der größten Hochschulen für angewandte Wissenschaften Deutschlands. In den Bereichen Technik, Wirtschaft, Soziales und Design bietet sie rund 100 Bachelor- und Masterstudiengänge an. Exzellent vernetzt am Wirtschaftsstandort München, arbeitet sie eng mit Unternehmen und Institutionen zusammen und engagiert sich in praxisnaher Lehre und anwendungsorientierter Forschung. Die HM belegt im Gründungsradar des Stifterverbands deutschlandweit erneut den ersten Platz unter den großen Hochschulen und Universitäten. Neben Fachkompetenzen vermittelt sie ihren Studierenden unternehmerisches und nachhaltiges Denken und Handeln. Ausgebildet im interdisziplinären Arbeiten und interkulturellen Denken gestalten ihre Absolventinnen und Absolventen eine digital und international vernetzte Arbeitswelt mit. In Rankings zählen sie bei Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern zu den Gefragtesten in ganz Deutschland. hm.edu