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Kann Künstliche Intelligenz zu mehr Teilhabe führen?

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Pressemitteilung der Hochschule Bremerhaven vom 19. Juni 2026

Kann Künstliche Intelligenz zu mehr Teilhabe führen?

Studierende und Menschen mit Beeinträchtigung im Dialog

Sie gilt als Gefahr für Arbeitsplätze, als Sicherheitsrisiko und als verstärkende Kraft von Populismus, von Gewaltdarstellung und Diskriminierung: Künstliche Intelligenz (KI). Doch kann sie unter bestimmten Umständen auch positive Auswirkungen in Bezug auf Teilhabe und Inklusion haben? Damit haben sich Studierende im Studiengang Soziale Arbeit an der Hochschule Bremerhaven beschäftigt und am Europäischen Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen den 22. „Parlamentarierabend“ der Lebenshilfe und Albert Schweitzer Wohnen und Leben Bremerhaven gGmbH besucht.

Ist KI eher Chance oder Bedrohung? Wer profitiert von ihr? Und was bedeutet sie für Inklusion und Teilhabe? Mit diesen Fragen haben sich die Studierenden in ihrem sechsten Semester gemeinsam mit Prof. Dr. Michael Böwer beschäftigt. Vor Beginn des Semesters hatten sie recht klare Vorstellungen. „Wenn man den Begriff KI hört, dann hat man eher negative Gedanken. Es geht dann meistens darum, dass Arbeitsplätze abgebaut oder persönliche Daten missbraucht werden. Darüber, welche Chancen KI bietet, macht man sich erstmal weniger Gedanken“, sagt Mattes Behrends, einer der Studierenden. Umso wichtiger sei es, mit den Personen ins Gespräch zu kommen, die KI nutzen und dadurch eine Erleichterung in ihrem Alltag erfahren, zum Beispiel Personen mit Beeinträchtigungen. Nachdem sie im „Mobilen-Parcours-für-neue-Perspektiven“ u.a. selbst mit der VR-Brille erlebten, wie Reizüberflutung wirkt und sich in Workshops der Bremerhavener Inklusionskonferenz beteiligten, haben die Studierenden und ihr Professor selbst den diesjährigen „Parlamentarierabend“ mitorganisiert und sich dort mit Menschen mit und ohne Beeinträchtigung ausgetauscht. Dies hat ihnen einen neuen Blick auf KI und Teilhabe ermöglicht.

Mithilfe Künstlicher Intelligenz können Barrieren abgebaut werden, die Menschen mit Beeinträchtigungen das Leben erschweren. Die Nutzungsmöglichkeiten sind vielfältig. „KI kann zum Beispiel Sprache aufzeichnen und transkribieren, Texte vorlesen oder bei Formulierungen und Rechtschreibung helfen“, erläutert die Studierende Anna Schaake. Dadurch können sich beeinträchtigte Personen äußern – auch politisch. Sprachbots könnten für Auskünfte genutzt werden, spezielle KI-Brillen Menschen mit Sehbehinderung unterstützen. Gleichzeitig sei wichtig aufzuklären, wie KI funktioniert und wo die Grenzen sind. „Wir haben festgestellt, dass Datensätze, mit denen KI trainiert wird, oft von privilegierten Personen stammen. Eine inklusive KI würde marginalisierte Gruppen einbeziehen und mit nötigem Zeitaufwand partizipativ entwickelt werden“, fasst Professor Böwer die gemeinsamen Erkenntnisse zusammen. Wichtig wäre, dass KI selbst barrierefrei ist und jede Person gleichermaßen Zugang hat. Dies sei jedoch nicht immer so. Zum einen sei die Benutzer:innenoberfläche nicht unbedingt selbsterklärend. Zum anderen werden ein entsprechendes Endgerät und Internetzugang benötigt, die nicht immer vorhanden sind.

Über die positiven Aspekte Künstlicher Intelligenz waren die Studierenden überrascht. Sie haben gemeinsam diskutiert, was dies für die Soziale Arbeit bedeutet. Ihr Fazit: Künstliche Intelligenz kann Menschen mit Beeinträchtigungen ermächtigen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Gleichzeitig ist sie aber nur ein kleines Puzzleteil, das zwar als Hilfsmittel, aber nicht als Ersatz für Fachpersonal genutzt werden darf. „Ein Ergebnis unseres Kurses ist, dass Assistenz und Ermöglichung von Teilhabe durch Professionelle unverzichtbar ist; insofern kritisieren wir die massiven Kürzungspläne der Politik im Bereich der Teilhabe und der Hilfesettings – es braucht tatsächlich mehr, nicht weniger davon, wenn man es mit einer inklusiven Gesellschaft ernst meint“, so Professor Dr. Michael Böwer.

Der siebensemestrige Bachelorstudiengang Soziale Arbeit an der Hochschule Bremerhaven qualifiziert seine Studierenden für die gesamte Bandbreite der Tätigkeitsbereiche, sei es Schulsozialarbeit, Drogenberatung, Erziehungs- und Familienhilfe, Erlebnispädagogik oder die Unterstützung älterer Menschen. Die praxisorientierten Studieninhalte wurden in enger Zusammenarbeit mit regionalen Partner:innen konzipiert und entsprechen damit den tatsächlichen Anforderungen des Arbeitsmarktes. Die Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Transaktionsanalyse ermöglicht den Studierenden den Erwerb eines Beratungszertifikats. Dieses kann regulär erst nach einer mehrjährigen Ausbildung als Zusatzqualifikation erworben werden. Das Angebot an der Hochschule Bremerhaven ist somit einzigartig. Die Bewerbungsphase für das kommende Wintersemester läuft noch bis zum 15. Juli. Alle Informationen unter www.hs-bremerhaven.de/Soziale-Arbeit.

Mit Begeisterung studieren, lehren und forschen – dafür steht die Hochschule Bremerhaven. In mehr als 20 praxisnahen und innovativen Studiengängen profitieren die rund 3.000 Studierenden von der engen Zusammenarbeit mit der regionalen Wirtschaft und modernen Lehr- und Lernansätzen. Die zahlreichen Forschungsaktivitäten der „Hochschule am Meer“ wurden bereits vielfach ausgezeichnet und unterstützen nachhaltige Entwicklungen in der Region und darüber hinaus.

Pressekontakt:
Hochschule Bremerhaven
Nadine Metzler
An der Karlstadt 8
27568 Bremerhaven
nmetzler@hs-bremerhaven.de
presse@hs-bremerhaven.de
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