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Kläranlagen in Rheinland-Pfalz werden zu Energieproduzenten

Kläranlagen in Rheinland-Pfalz werden zu Energieproduzenten
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Photovoltaik und Speichertechnik können dazu beitragen, die Energiekosten für Kläranlagen zu senken und die Energieunabhängigkeit zu stärken. Wie das funktionieren kann zeigen Beispiele aus den Verbandsgemeinden Vordereifel und Schweich sowie der Stadt Zweibrücken.

Kläranlagen gehören zu den größten Stromverbrauchern kommunaler Betriebe und werden zugleich immer häufiger selbst zu Stromproduzenten. Die Verbandsgemeinden Vordereifel und Schweich sowie die Stadt Zweibrücken zeigen, wie sich mit Photovoltaik (PV) und Speichertechnik Energiekosten senken und die Energieunabhängigkeit stärken lassen. „Durch die EU-Kommunalabwasserrichtlinie müssen Kommunen ihre Kläranlagen bis 2045 energieneutral betreiben. Deshalb müssen sie aktiv werden. Wir unterstützen sie dabei“, sagt Alexander Ehl von der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz.

Abwasserreinigung bleibt ein großer Kostenfaktor

Trotz sinkendem Energieverbrauch bleibt die Abwasserreinigung ein großer Kostenfaktor: Pumpen, Belüftung und Schlammbehandlung laufen rund um die Uhr und verursachen selbst in kleineren Kläranlagen einen jährlichen Strombedarf in Höhe von mehreren hunderttausend Kilowattstunden (kWh). „Dabei summieren sich die Kosten auf Zehntausende bis hin zu Hunderttausenden Euro. Vor dem Hintergrund gestiegener Energiepreise stellt dies für Kommunen eine erhebliche finanzielle Belastung dar“, erklärt Ehl.

Vordereifel: Auf dem Weg zur energieautarken Kläranlage

Die Verbandsgemeindewerke Vordereifel setzen auf ein breites Spektrum an Technologien: An den insgesamt neun Klär- und Pumpwerk-Standorten kommen unterschiedliche Technologien zum Einsatz, um das Potenzial der Sonnenenergie optimal zu nutzen. Neben klassischen Dach-PV-Anlagen und innovativen Solartracker-Systemen sind auch steckerfertige Solaranlagen zur Stromerzeugung installiert. An einigen Standorten sichern Batteriespeicher die Energieversorgung auch bei wechselhaftem Wetter. Bei einem jährlichen Strombedarf von rund 600.000 kWh sparen die Werke durch die Nutzung von Sonnenenergie bereits heute einige Zehntausend Euro pro Jahr ein.

Die Verbandsgemeindewerke möchten den Weg zur energieautarken Kläranlage weiterverfolgen: Ein geplantes Projekt soll jährlich rund 16 Millionen kWh Strom erzeugen, der dann im Rahmen eines Strombilanzkreis direkt vor Ort genutzt werden kann. Auch drei weitere Tracker-Systeme, weitere Batteriespeicher sowie ein elektrischer Allrad-Transporter sind derzeit in der Umsetzung.

„Mit diesen Schritten zeigt unsere Verbandsgemeinde, wie innovative Technologien und Umweltbewusstsein kombiniert werden können. Photovoltaik ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer klimaneutralen und nachhaltigen Energieversorgung“, sagt der Werkleiter des Eigenbetrieb Abwasserwerk Vordereifel, Markus Atzor.

Zweibrücken: Eigenstrom statt Stromzukauf

Der Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken setzt ebenfalls auf Unabhängigkeit von fossilen Energien. Auf allen Kläranlagen-Gebäuden sind PV-Anlagen installiert, zusätzlich liefert ein Solarzaun Strom. Der Erdgas-Anschluss konnte bereits abgestellt werden.

„Der jährliche Strom- und Wärmebedarf von rund 1,1 Millionen kWh wird bereits heute zu einem großen Teil (80 %) durch Eigenproduktion gedeckt“, sagt Patrick Raguse vom Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken. Ein Klärgas-Blockheizkraftwerk produziert jährlich rund 800.000 kWh Strom und die Solarkollektoren rund 100.000 kWh. Das entspricht einer Stromkosteneinsparung von jährlich rund 260.000 Euro. Ein großer Batteriespeicher mit 233 kWh Speicherkapazität hilft dabei, die Schwankungen der Produktion und des Verbrauchs auszugleichen.

Künftige Maßnahmen wie die Installation eines PV-Tracker-Systems mit einer Energieerzeugung von rund 180.000 kWh pro Jahr und die Erweiterung des Gasspeichers sollen in näherer Zukunft die vollständige Eigenstromversorgung sichern.

Schweich: Moderne Technik für maximale Eigenstromproduktion

Die Verbandsgemeindewerke Schweich nutzen das volle PV-Potenzial ihrer Anlagen: An der Gruppenkläranlage Leiwen beispielsweise erzeugen zwei PV-Anlagen mit insgesamt 566 kWp rund 600.000 kWh Strom pro Jahr – mehr als von der Kläranlage benötigt. Überschüssiger Strom wird innerhalb eines Strombilanzkreises auf andere Liegenschaften der Verbandsgemeindewerke verteilt. Auch die Gruppenkläranlage Riol, sieben Grundschulen und zahlreiche Feuerwehrgerätehäuser beteiligen sich an diesem Bilanzkreis.

„Wir möchten unsere eigene Energieerzeugung weiter ausbauen – vor allem durch zusätzliche Photovoltaikanlagen und die Nutzung von Windenergie. So können wir den Bedarf an zugekauftem Strom weiter reduzieren. Bereits heute fallen die Kosten für den Netzbezug durch den selbst erzeugten Strom jährlich um etwa 180.000 Euro geringer aus“, erklärt Jannik Schmitt von den Verbandsgemeindewerken Schweich.

Handfeste Vorteile für Kommunen

Eigenstrom aus Kläranlagen ist nicht nur ein Umweltprojekt. Er senkt Betriebskosten, reduziert Abhängigkeit von Energiepreisschwankungen, erhöht die Versorgungssicherheit und stabilisiert Abwassergebühren – ein klarer Vorteil gerade in Krisenzeiten.

Vom Verbraucher zum Energieproduzenten

Bis 2045 sollen alle Kläranlagen energieneutral arbeiten. Die Stromfresser von früher werden zu intelligenten Energiezentren mit PV, Klärgasnutzung und Batteriespeichern. Die Beispiele aus der Vordereifel, aus Schweich und Zweibrücken zeigen: Die Energiewende findet nicht nur auf Dächern und Feldern statt, sondern auch dort, wo täglich unser Abwasser gereinigt wird.

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Tel.: 0631 - 34371-173 
sabine.werle@energieagentur.rlp.de

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