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26.05.2003 – 16:21

Hamburg Messe und Congress GmbH

Teilnehmerrekord beim fünften hamburger dialog
Auftakt mit "Vorstandssitzung" der Kommunikationsbranche - wenn die Krise zur Normalität wird
Revision sollte mit Innovation einhergehen

    Hamburg (ots)

"Die erste Restrukturierung ist immer die
schwerste", tröstet Unilever-Chef Johann C. Lindenberg seinen
Kollegen aus der Medienindustrie zum Auftakt des fünften hamburger
dialog. Zwar ist die Krise noch nicht überwunden, aber den Managern
fällt der Umgang mit ihr spürbar leichter - die Krise wird zur
Normalität. Tenor: Die Restrukturierung der Branche ist dank
umfassender Revision erfolgreich angelaufen, muss jedoch mit
Innovationsschritten einhergehen.
    
    Sichtlich wohl fühlten sich Hamburgs Wirtschaftssenator Gunnar
Uldall (CDU) und der Vizepräses der Handelskammer Hamburg Dr. Martin
Willich in ihren Rollen als Schirmherren des fünften hamburger
dialog. Kein Wunder, denn der Kommunikationskongress ist in diesem
Jahr auf Wachstumskurs - satte 20% mehr Teilnehmer als im Vorjahr
werden erwartet. "Hier zeigt sich, dass die Branche den hamburger
dialog als Plattform annimmt und das Konzept honoriert", freut sich
Willich in seiner Eröffnungsrede. Und auch Gunnar Uldall kann seit
dem letzten hamburger dialog zumindest für den Medienstandort eine
positive Bilanz ziehen. Vieles von dem, was in seiner letzten
Eröffnungsrede noch Ankündigung war, ist nun in die Tat umgesetzt.
Beispiel hierfür ist die Hamburg Media School: im letzten Jahr noch
in der Planungsphase prangt heute das Logo des Instituts nun unter
"Kooperationspartner" im Programmheft des fünften hamburger dialog.
Und auch andere "Probleme" haben sich im Sinne Uldalls zum Positiven
entwickelt. "Ich begrüsse ausdrücklich die Ankündigung von NRW -
Staatssekretärin Miriam Meckel, dem Subventionswettlauf der Länder
ein Ende zu bereiten", so Hamburgs Senator für Wirtschaft und Arbeit.
    
    Zum Schulterklopfen hatte man sich freilich nicht getroffen und so
wurde nach der kurzen Begrüssung durch die beiden Schirmherren das
Podium freigegeben für eine hochkarätige "Vorstandssitzung" der
besonderen Art. Unter der Leitung und Moderation von Tagesspiegel-
Chefredakteur Giovanni di Lorenzo diskutierten Vorstände und
Geschäftsführer der drei größten deutschen Verlagshäuser Manfred Jung
vom Heinrich Bauer Verlag, Rolf Wickmann von Gruner und Jahr, Dr.
Andreas Wiele von Axel Springer, der Chef des größten werbetreibenden
Unternehmen des Landes Johann C. Lindenberg von Unilever Deutschland,
der geschäftsführende Gesellschafter Holger Jung von der
Kreativ-Agentur Jung von Matt und schliesslich Dr. Martin Willich in
seiner Funktion als Vorsitzender der Geschäftsführung von Studio
Hamburg zum Status Quo der Medienkrise.
    
    "Das Schlimmste was uns passieren kann ist, wenn die Politik sich
einmischt", sagte der Geschäftsführer Manfred Braun vom Heinrich
Bauer Verlag in Hinblick auf Spekulationen, dass sich die
Bundesregierung in die aktuelle Krise der Tageszeitungen einschalten
könnte. Überhaupt scheint der Heinrich Bauer Verlag der
Medienrezession gelassen zu begegnen. "Wir haben rechtzeitig Reserven
angelegt und halten es für die richtige Strategie, jetzt zu
restrukturieren und aber gleichzeitig Wachstum in Gang zu setzen", so
Braun. Die "Kriegskasse" des Heinrich Bauer Verlags ist randvoll -
und mit Augenzwinkern fragte Lorenzo, warum es denn so schwierig sei,
sie zu leeren. "Wir orientieren uns nach Berlin", orakelte Braun -
möglicherweise eine Bekräftigung des Interesses an der Übernahme des
Tagesspiegel?
    
    Auch Rolf Wickmann von Gruner + Jahr verweist auf 20-30 Jahre des
"Vollverdienens" und lehnt das Wort Krise in diesem Zusammenhang ab.
"Nennen wir es doch Herausforderungen, denn dafür braucht man Mut.
Wir haben Kostensenkungsprogramme initiiert, an die ich mich früher
nicht getraut hätte. Gleichzeitig haben wir aber auch in neue
Produkte investiert, was in dieser Zeit viel Mut abverlangt", so der
Verlagsmanager.
    
    "Ohne Kostenkontrolle ist alles nichts. Alles ist nichts ohne
Kreativität", philosophiert Dr. Andreas Wiele vom Axel Springer
Verlag und hilft mit einem Beispiel weiter: "Wenn man bei einer
Fotostrecke eben kein Geld für vier verschieden Shootings hat, um
dann das Beste auszusuchen, wird man von vornherein viel kreativer an
die Aufgabe herangehen und versuchen, gleich mit dem ersten Versuch
das Beste rauszuholen".
    
    Dass nach einer eigens für den hamburger dialog durchgeführten
Untersuchung von Maritz Research mehr als 3/4 der befragten
Branchenvertreter sagen, dass die eigene Branche nicht innovativ sei
und rund 60% der Meinung sind, Innovation und Kreativität seien nicht
wichtig, schreckte die Manager hoch.
    
    "Die Medienexplosion entsprach vor allem quantitativer Innovation.
Man sprach vom "Informationskrieg" und fragte sich, wie Botschaften
hier überhaupt wahrgenommen werden können", analysierte Holger Jung,
"und nun ist die Rede vom Markensterben. Im Grunde ist es immer die
gleiche Betroffenheit, nur der Einfallswinkel ist ein anderer".
    
    "Wir brauchen integrierte Kommunikation", setzte Unilever-Chef
Lindenberg obendrauf. "Als Markenartikler haben wir haben ein Defizit
in der Gesamtkommunikation, hier brauchen wir auch neue Angebote der
Medienindustrie. Wir sind es gewohnt, ständig unser Portfolio zu
überprüfen, für die Medien mag das neu sein. Es ist immer schmerzhaft
für diejenigen, die sich nur am Status Quo orientieren".
    
    "Man muss alles innovativ in Frage stellen", meinte Wiele und
wagte sich in Sachen Werbe-Kooperationen und redaktionellen Inhalten
weit vor. "Man kann die intelligente Zusammenarbeit zwischen
Redaktion und werbetreibender Industrie fördern, beispielsweise für
Magazine wie Vogue oder Glamour, deren Nutzen vor allem darin
besteht, die Leserschaft über bestimmte Produkte zu informieren. Das
ist längst gängige Praxis, alles andere wäre weltfremd", so der
Vorstand für Zeitschriften des Axel Springer Verlag.
    
    "Intelligenter Verrat mit leichter Schizophrenie" nennt Rolf
Wickmann den Vorstoss seines Konkurrenten und auch Manfred Braun
sieht hier Gefahren: "Ich kann nicht einverstanden sein, wenn Media-
Spendings an redaktionelle Inhalte geknüpft werden". Braun sieht
selbstkritisch eher einen Bedarf für eine bessere Differenzierung der
Inhalte. "In der Berichterstattung zum neuen Matrix-Film gibt es kaum
substantielle Unterschiede, alle schreiben, was die Agenturen
vorschlagen. Hier müssen die Verlage besser differenzieren".
    
    Wohlfühlen in der Krise - so könnte man das Manager-Treffen mit
leichtem Sarkasmus zusammenfassen. "Die Krise wird zur Normalität -
damit sollten wir uns anfreunden und es wird der Medienbranche nicht
schaden", meinte Dr. Andreas Wiele zum Abschluss. Dr. Martin Willich
sieht es ähnlich pragmatisch: "Für meine Sparte erwarte ich
mindestens noch zwei Jahre Krise, aber die gehen auch vorbei".
    
    
    
ots Originaltext: Hamburg Messe und Congress GmbH
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