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Steigender Verzehr von Wildfleisch in Afrika, PI Nr. 48/2026

Steigender Verzehr von Wildfleisch in Afrika, PI Nr. 48/2026
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Steigender Verzehr von Wildfleisch in Afrika

In städtischen Regionen Zentralafrikas ernähren sich immer mehr Menschen von Wildfleisch. Eine aktuelle Studie unter Beteiligung der Universität Konstanz zeigt: Das hat vor allem Auswirkungen auf ländliche Regionen, die auf diese Nahrungsquelle angewiesen sind.

Eine aktuelle Studie unter Beteiligung des Centre for the Advanced Study of Collective Behaviour an der Universität Konstanz, die jüngst in der Fachzeitschrift „Nature“ erschien, hat über einen längeren Zeitraum untersucht, in welchen Regionen Zentralafrikas wie viel Wildfleisch verzehrt wird. Das Ergebnis der Auswertung zeigt einen deutlichen Anstieg der verzehrten Menge in den letzten Jahren, vor allem seitens der städtischen Bevölkerung. Während im Jahr 2000 noch 0,73 Millionen Tonnen Wildfleisch von Menschen gegessen wurden, waren es im Jahr 2022 bereits 1,1 Millionen Tonnen. Dieser Anstieg weckt bei Forschenden die Sorge, dass Wildtierpopulationen in naher Zukunft gefährdet werden könnten – und damit langfristig auch die Ernährungssicherheit der Bewohner ländlicher Regionen.

Wildfleisch ist ein bedeutender Bestandteil der täglichen Ernährung in vielen ländlichen Regionen Zentralafrikas. Rund ein Fünftel der täglichen Proteine werden über Wildfleisch zugeführt. Erschwingliche und sichere Alternativen sind oft nur schwer zugänglich, denn in Zentralafrika gibt es nur wenige Bezugsquellen für Fleisch aus heimischer Produktion. Der begrenzte Zugang zu tierärztlicher Versorgung und Medikamenten kann sich bei der Haltung domestizierter Tiere insbesondere in ländlichen Gebieten auch auf die menschliche Gesundheit auswirken. Und nicht zuletzt ist Wildfleisch – ähnlich wie in Europa – auch ein Art Statussymbol: Es gilt als gesünder als das Fleisch von domestizierten Tieren.

„Der Verzehr von Wildfleisch ist damit ein zentraler Bestandteil des sozio-ökonomischen Gefüges in Zentralafrika“, sagt Mattia Bessone, Ökologe am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie an der Universität Konstanz und Leiter der Studie. „Es sollten Maßnahmen ergriffen werden, um die nachhaltige Nutzung dieser Nahrungsquelle für die Landbevölkerung zu sichern. Nur dann können die UN-Ziele zur nachhaltigen Entwicklung erreicht werden.“

Eine Empfehlung der Studie lautet daher, die Nutzung von Wildfleisch in städtischen Regionen zu reglementieren und dort vermehrt auf domestizierte Tierarten zu setzen – beispielsweise Geflügel, Rind oder auch Fisch. So könnte ermöglicht werden, dass die wichtige Eiweißquelle für ländliche Regionen verfügbar bleibt. Um eine größere Akzeptanz dieser Fleischarten bei der städtischen Bevölkerung zu schaffen, wären gut abgestimmte Investitionen in nationale Ernährungssysteme nötig. Unter anderem müsste der Ausbau alternativer Proteinsektoren wie Geflügel- oder auch Fischereiwirtschaft gefördert werden. Zeitgleich müssten laut Studie auch alternative Einkommensquellen für diejenigen geschaffen werden, die derzeit vom Handel mit Wildfleisch leben.

Faktenübersicht:

  • Originalpublikation: Bessone, M., Ingram, D.J., Abernethy, K. et al.: Increase in wild animal consumption across Central Africa. Nature (2026). DOI: 10.1038/s41586-026-10422-w
  • Mattia Bessone ist Postdoc in der Forschungsgruppe „Bonobo Ecology“ am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie und an der Universität Konstanz. In seiner Forschung beschäftigt er sich schwerpunktmäßig mit dem Wildtierschutz und dem Monitoring von Wildtierpopulationen in Zentralafrika.
  • Die Studie wurde durchgeführt als Zusammenarbeit zwischen dem Centre for International Forestry Research and World Agroforestry (CIFOR-ICRAF), dem Durrell Institute of Conservation and Ecology (DICE), den Universitäten Kent und Stirling, dem Centre for the Advanced Study of Collective Behaviour (CASCB) der Universität Konstanz sowie dem Institute for Research on Tropical Ecology (IRET) in Gabun.
  • Die Studie stützt sich auf einen umfassenden Datensatz, der mehr als 12.000 Haushalte an 252 Standorten in Zentralafrika analysierte.
  • Das Centre for the Advanced Study of Collective Behaviour an der Universität Konstanz ist ein interdisziplinäres Forschungszentrum, das die Prinzipien kollektiven Verhaltens bei Tieren und anderen Systemen untersucht.
  • Förderung: Die Durchführung der Studie wurde durch das von der EU finanzierte Programm „Sustainable Wildlife Management“ (SWM) unterstützt.

Bildmaterial kann im Folgenden heruntergeladen werden:

Bild: LINK

Bildunterschrift: In der Demokratischen Republik Kongo wird viel mit Wildfleisch gekocht.

Copyright: Axel Fassio/CIFOR-ICRAF

Kontakt:
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Telefon: + 49 7531 88-3603
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