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Günstigere Altersvorsorge gefordert: 100.000 Menschen unterzeichnen Petition für 0,5-Prozent-Kostendeckel

Pressemitteilung

Günstigere Altersvorsorge gefordert: 100.000 Menschen unterzeichnen Petition für 0,5-Prozent-Kostendeckel

Berlin, 14.03.2026 – Mehr als 100.000 Menschen haben innerhalb von zwei Tagen eine Finanztip-Petition für einen Kostendeckel von 0,5 Prozent beim geplanten Altersvorsorge-Depot unterzeichnet. Kurz vor der öffentlichen Anhörung im Finanzausschuss des Bundestags am 16. März fordert die gemeinnützige Finanztip Stiftung deutlich niedrigere Gebühren für die neue staatlich geförderte Vorsorge. Eine bevölkerungsrepräsentative Umfrage im Auftrag von Finanztip bestätigt die Bedeutung niedriger Kosten: Sie gehören für potenzielle Nutzer zu den wichtigsten Kriterien. Gleichzeitig zeigt die Befragung, dass ausgewiesene Effektivkosten für viele schwer greifbar sind und daher häufig unterschätzt werden.

Mehrheit akzeptiert Kosten von 1,5 Prozent nicht

Rund 78 Prozent der potenziellen Nutzer des staatlich geförderten Altersvorsorge-Depots halten niedrige Gebühren für wichtig oder sehr wichtig, damit sie es nutzen. Außerdem sind einfache Steuerregeln (83 Prozent) und flexible Auszahlmöglichkeiten (74 Prozent) für viele Befragte wichtige oder sehr wichtige Nutzungsgründe. Gleichzeitig sprechen sich 30 Prozent für maximal 0,5 Prozent jährliche Kosten aus, weitere 28 Prozent für höchstens ein Prozent. Der aktuelle Gesetzentwurf erlaubt jedoch Kosten von bis zu 1,5 Prozent pro Jahr, die nur wenige der potenziellen Nutzer akzeptieren würden (23 Prozent).

„Der Kostendeckel von 1,5 Prozent ist viel zu hoch. Das ist ein Zugeständnis an Banken und Versicherungen. Eine Obergrenze von 0,5 Prozent ist absolut ausreichend – und zwar für alle geförderten Vorsorgeprodukte“, sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztip.

Gebühren können Zehntausende Euro Altersvorsorge kosten

Wie stark sich Kosten langfristig auswirken, zeigt eine Finanztip-Beispielrechnung: Jemand spart 40 Jahre lang monatlich 200 Euro und erzielt sechs Prozent Rendite pro Jahr. Dann hat er bei 0,5 Prozent Kosten rund 338.000 Euro Vermögen, bei 1,5 Prozent Kosten dagegen nur 263.000 Euro. Das sind rund 75.000 Euro weniger Altersvorsorge – nur durch höhere Gebühren.

Die meisten Menschen unterschätzen diesen Effekt. In der repräsentativen Finanztip-Umfrage konnten nur rund 13 Prozent der Befragten die Größenordnung des Kostenunterschieds richtig einschätzen. 52 Prozent unterschätzten den Effekt deutlich, weitere 29 Prozent konnten ihn nicht einschätzen. „Hohe Gebühren wirken über Jahrzehnte wie ein Renditekiller“, so Tenhagen.

Petition: Kosten für alle Produkte auf 0,5 Prozent deckeln

Die Finanztip Stiftung fordert deshalb mit einer Petition, die Kosten für alle geförderten Vorsorgeprodukte auf maximal 0,5 Prozent pro Jahr zu begrenzen. Außerdem solle die Förderung für Geringverdienende so ausgestaltet sein, dass sie nicht schlechter gestellt werden als bei der bisherigen Riester-Rente. Darüber hinaus müsse ein transparenter Kostenvergleich zwischen den Angeboten möglich sein. Bereits innerhalb von zwei Tagen unterzeichneten mehr als 100.000 Menschen den Aufruf.

„Wenn die Gebühren zu hoch sind und das Angebot zu kompliziert ist, werden viele das Altersvorsorge-Depot gar nicht nutzen“, so Finanztip-Chefredakteur Tenhagen. Gelten die 0,5 Prozent nur für einen Teil der geförderten Vorsorgeprodukte, ist die Gefahr groß, dass Verbrauchern von Banken und Versicherungen vor allem teurere Varianten angeboten und verkauft werden.

Riester gilt vielen als gescheitert

Die Diskussion über die Kosten knüpft an die Erfahrungen mit der Riester-Rente an. Mehr als 20 Jahre nach ihrer Einführung wurden über fünf Millionen der rund 20 Millionen abgeschlossenen Riester-Verträge gekündigt. Gleichzeitig fallen die Auszahlungen häufig gering aus: In knapp drei Vierteln der Fälle liegt die monatliche Bruttorente unter 100 Euro, zeigen Zahlen des Bundesarbeitsministeriums.

Weitere Forderungen von Finanztip

Finanztip plädierte bereits im vergangenen Herbst neben niedrigen Gebühren für ein Opt-out-System bei der geförderten Altersvorsorge. Damit würden Menschen automatisch teilnehmen, sofern sie nicht aktiv widersprechen. Nach Ansicht der Verbraucherschützer würde ein solches Modell helfen, die verbreitete Aufschieberitis bei der Altersvorsorge zu überwinden. Opt-in-Systeme wie die Riester-Rente erreichen oft nur einen Teil der Bevölkerung und verursachen zugleich hohe Vertriebskosten.

Opt-out-Systeme kehren das Prinzip um: Wer nicht widerspricht, spart automatisch. Das erleichtert besonders finanzfernen Gruppen und Geringverdienenden den Einstieg in die Altersvorsorge – also jenen Menschen, die besonders stark von Altersarmut bedroht sind.

Methodischer Hinweis

Die Umfragedaten beruhen auf einer repräsentativen Online-Befragung von Innofact im Auftrag von Finanztip, an der im März 2026 1.020 Personen teilgenommen haben. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren. Nach bevölkerungsrepräsentativer Quotierung der Screening-Fragen wurden 765 Menschen, die noch nicht im Ruhestand sind und das staatlich geförderte Altersvorsorge-Depot nutzen können, genauer befragt.

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Über Finanztip

Finanztip ist Deutschlands führender Geldratgeber. Finanztip zeigt, wie man seine Finanzen einfach selbst machen kann. Dafür recherchiert eine unabhängige Redaktion aus Expertinnen und Experten rund um die Chefredakteure Hermann-Josef Tenhagen und Saidi Sulilatu für ihr Publikum relevante Finanzthemen: von Geldanlage, Versicherung und Kredit über Energie, Medien und Mobilität bis hin zu Reise, Recht und Steuern. Die Redaktion arbeitet nach einem strengen  Redaktionskodex. Das Angebot von Finanztip ist kostenlos und umfasst einen  wöchentlichen Newsletter sowie eine Website mit mehr als 1.000 fundierten Ratgebern mit konkreten Empfehlungen. Darüber hinaus bietet Finanztip einen  Youtube-Kanal sowie die Podcasts  „Auf Geldreise“ (der sich speziell an Frauen richtet) und  „Geld ganz einfach“. Jede Woche nutzen Millionen von Menschen die digitalen Angebote und Informationen von Finanztip. Finanztip ist Teil der gemeinnützigen Finanztip-Stiftung, deren Stiftungszweck die Finanzbildung von Verbrauchern ist.
Pressekontakt:
Finanztip Verbraucherinformation GmbH - ein Unternehmen der Finanztip Stiftung
Hasenheide 54
10967 Berlin
Telefon: 030 / 220 56 09 - 80
http://www.finanztip.de/presse/

Geschäftsführer: Dr. Simon Bründl, Stephan Link, Saidi Sulilatu, Hermann-Josef Tenhagen
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