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OTWorld: Nach schwersten Verbrennungen zurück in den Alltag

OTWorld: Nach schwersten Verbrennungen zurück in den Alltag
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Nach schwersten Verbrennungen zurück in den Alltag: OTWorld zeigt, wie mitteldeutsche Spezialisten einem 19-Jährigen helfen

Nach einem Verkehrsunfall kämpft sich ein 19-Jähriger aus Sachsen nach schwersten Verbrennungen Schritt für Schritt zurück in den Alltag. Möglich wird das durch die enge Zusammenarbeit von Spezialisten aus Halle, Bad Klosterlausnitz und dem Markkleeberger Sanitätshaus Orthovital. Auf der OTWorld 2026 – Weltkongress und internationale Fachmesse für moderne Hilfsmittelversorgung vom 19. bis 22. Mai in Leipzig – können sich Fachbesucher ausführlich über die komplexen Herausforderungen dieser Versorgung informieren.

Bei einem Verkehrsunfall erlitt ein junger Mann aus Sachsen im Juni 2023 schwere Verbrennungen an Händen, Beinen, Rumpf, Gesicht und Hals. Insgesamt 25 Prozent seiner Körperoberfläche waren betroffen. Noch im Rahmen der Akutversorgung im Brandverletztenzentrum des BG Klinikums Bergmannstrost in Halle/Saale mussten an seiner linken Hand alle Finger bis auf den Daumen und an der rechten Hand der kleine Finger teilamputiert werden. Nach der Stabilisierung der lebenserhaltenden Systeme und der Entfernung des abgestorbenen Gewebes wurde in mehreren Operationszyklen schrittweise Haut transplantiert, um die Wundheilung zu beschleunigen. „Würde man warten, bis so eine große Hautfläche abheilt, ist das Risiko für hypertrophe, überschießende, wulstige Narben sehr hoch und damit das Funktionsergebnis entsprechend schlecht“, erklärt Dr. Hans Ziegenthaler. Er ist Facharzt für physikalische und rehabilitative Medizin und Chefarzt des Rehabilitationszentrums für Brandverletzte der Moritz Klinik in Bad Klosterlausnitz.

In das Reha-Zentrum kam der 19-jährige Patient nach acht Wochen der intensivmedizinischen Versorgung und Hautersatztherapie. Bei der Rehabilitation lag der Fokus zum einen auf der Behandlung der Narben mit unterschiedlichen Methoden zur Förderung der Wundheilung: medizinische Waschungen und Bäder, Narbenmassagen und entsprechende Verbände sowie physikalische, Kaltplasma- und Infrarottherapie. Zum anderen ging es mit Bewegungstherapie, Konditionstraining und Kraftaufbau an medizinischen Geräten darum, den Patienten wieder zu Alltagshandlungen zu befähigen. „In einer frühen Phase der Rehabilitation wurde zudem mit dem Orthopädietechnik-Team besprochen, was orthopädietechnisch möglich ist“, erzählt Ziegenthaler. Er und Orthopädietechnikmeister Frank Naumann vom Markkleeberger Sanitätshaus Orthovital arbeiten seit mehr als 20 Jahren bei der Versorgung von Brandverletzten zusammen.

Kompressionskleidung für die optimale Narbenreifung

Wichtigstes orthopädisches Hilfsmittel bei der Versorgung der Brandverletzungen ist Kompressionskleidung, um durch kontinuierlichen Druck der hypertrophen Narbenbildung entgegenzuwirken. „Die Kompressionskleidung muss funktional und passgerecht sein, sodass sie Alltagsfunktionen zulässt, denn sie muss 23 Stunden am Tag und sieben Tage pro Woche getragen werden“, erklärt Frank Naumann. Getragen wird die Kompressionskleidung bis zum Abschluss der Narbenreifung und damit bis zu 24 Monate. Die Narbenreifung beginnt, wenn die Wunden verschlossen sind und sich an allen Stellen Epithel gebildet hat. Die innere Struktur der Narbe verändert sich dann weiter, die Narbe wird dehnfähiger und verursacht weniger Spannungsgefühl. „Wenn man in dieser Zeit konsequent mit Kompressionsbandgagen arbeitet, kontinuierlich Druck ausübt, wirkt sich das positiv auf die Narbenqualität und das Funktionsergebnis aus“, erklärt Dr. Hans Ziegenthaler.

Individuell angefertigte Maske für Narbenbehandlung im Gesicht

Mit einer Gesichtsmaske wurde die Narbenreifung im Gesicht des jungen Mannes unterstützt. „Eine Gesichtsmaske ist immer eine individuelle Anfertigung und variiert in Größe und Form“, erklärt Frank Naumann. Auf Grundlage eines digitalen Scans des Kopfes wird ein Modell angefertigt. Darauf werden eine dünne Silikonlage und eine Maske aus Kunststoff mit einem Verschlusssystem gearbeitet, perfekt angepasst an Konturen wie Nase, Kinn und Augenhöhlen. „So haben wir passend zur jeweiligen Anatomie die Möglichkeit, auch auf Unterschneidungen Druck auszuüben und erreichen im Kopfbereich ähnliche Ergebnisse wie mit der Kompressionskleidung“, sagt Naumann. Das Silikon hält die Feuchtigkeit in der Narbe und macht sie geschmeidiger. Größte Herausforderung der Fertigung: die Gesichtsmaske darf nicht zu schwer sein und sollte den Patienten nicht zusätzlich behindern, um tatsächlich effektiv genutzt zu werden. Gut ein Jahr musste der junge Mann diese Maske tragen.

Anpassung einer körpergesteuerten Fingerprothese

Um die Narbenreifung auch an den Händen zu unterstützen, trug der Patient individuell angepasste Kompressionshandschuhe. Mit Ergotherapie wurden die Stümpfe beweglich gehalten. Vor allem für seine linke Hand ging es um eine prothetische Versorgung, nachdem bis auf den Daumen ein Großteil der anderen vier Finger amputiert wurde. „Ein erster Test zeigte, dass eine Eigenkraftfingerprothese, bei der die Restfunktion der Fingerhandstümpfe genutzt wird, das am besten geeignete Hilfsmittel wäre“, erklärt Frank Naumann. Allerdings mussten die Stümpfe mit weiteren operativen Eingriffen für die prothetische Versorgung optimiert werden.

Mittlerweile nutzt der Patient eine körpergesteuerte Fingerprothese. Die Prothese funktioniert fingerweise, ist robust, wasserfest und auf Funktionalität ausgelegt, was dem Patienten besonders wichtig war. Die künstlichen Mittel- und Endglieder werden bei der Beugung im Grundgelenk gebeugt. „Der junge Mann kann die drei Finger an seiner linken Hand aktiv beugen und erreicht mit dem Daumen die Fingerspitzen“, beschreibt Frank Naumann den Erfolg der Versorgung. Im Februar 2026 hat er seine Definitivversorgung bekommen.

Brandverletzungen: Weit mehr als Basisversorgung

„Bei der Behandlung von Verbrennungen muss man für die Nachbehandlung und Rehabilitation eine sehr viel längere Zeit einplanen als bei anderen Unfallverletzungen“, sagt Dr. Hans Ziegenthaler. „Die Hautveränderung und Narbenreifung kann unterstützt, aber nicht beschleunigt werden. Die Natur gibt das Tempo vor.“ Hinzu kommt der emotionale Aspekt: „Narben und Amputationen im sichtbaren Bereich, das macht etwas mit einem jungen Mann. Bei der Rehabilitation geht es auch darum, mit dem Verlust der Unversehrtheit umzugehen, das oft traumatische Geschehen zu verarbeiten, sich mit dem veränderten Aussehen auseinanderzusetzen und nicht zuletzt eine Motivation für die Zukunft zu finden.“

Die Versorgung von Brandverletzungen ist keine Basisversorgung, gerade weil das Krankheitsbild selten und die Expertise entsprechend rar ist. Auf medizinischer Seite braucht es eine Zusatzausbildung und Spezialisierung, auf Seite der Orthopädietechnik zudem die entsprechende technische Ausstattung zur Fertigung der individuellen Hilfsmittel. „Und dann geht es darum, Routinen aufzubauen und von Versorgung zu Versorgung dazuzulernen“, sagt Dr. Hans Ziegenthaler. Frank Naumann ergänzt: „Schulungen bei Herstellern, etwa zu Kompressionskleidung, sind eine gute Basis für die Versorgung chirurgischer Narben. Und dann wächst man mit den Aufgaben, gerade bei komplexen Fällen“. Hinzu kommt die stetige Auseinandersetzung mit neuen technischen Entwicklungen, sei es moderne Silikonverarbeitung, additive Fertigung, Scanmethoden oder 3D-Druck.

Funktionierendes Netzwerk in Mitteldeutschland

Die Expertise, da sind sich Dr. Hans Ziegenthaler und Frank Naumann einig, entsteht aus dem Miteinander und dem ständigen Austausch über neue Erkenntnisse. „Alles, was über eine Basisversorgung hinausgeht, gelingt nur einem funktionierenden Netzwerk“, sagt Ziegenthaler. Dieses Netzwerk gibt es in Mitteldeutschland durch die Zusammenarbeit der Brandverletztenzentren in Leipzig und Halle, dem Rehabilitationszentrum für Brandverletze in der Moritz Klinik, spezialisierten Einrichtungen in Erfurt und Dresden, mitteldeutschen Sanitätshäusern und dem Deutschen Bundesverband für Narbentherapie.

Update Kompendium auf der OTWorld 2026

Zur OTWorld wird am 19. Mai in einem Workshop das „Update Kompendium Prothetik der unteren Extremität – praxisnahe Anwendung von Schaft bis Gehschule“ der Deutschen Gesellschaft für interprofessionelle Hilfsmittelversorgung (DGIHV) präsentiert. Frank Naumann wird im Workshop das neue Kapitel zur Versorgung nach thermischem Trauma mit Amputation vorstellen und einen praxisnahen Einblick der interdisziplinären Zusammenarbeit geben.

Zugang zur OTWorld 2026

Das OTWorld-MESSE Ticket ermöglicht für 44 Euro den Zugang zur internationalen Leitmesse, zu allen 130 praxisnahen Workshops sowie zum OTWorld.eSummit. Für Betriebe besonders attraktiv ist das Gruppenticket: Ab vier Personen beträgt der Preis 29 Euro pro Person und eröffnet damit auch ganzen Teams eine kostengünstige Teilnahme.

Das OTWorld-KOMPLETT Ticket umfasst zusätzlich den wissenschaftlichen Weltkongress und verbindet Kongress, Workshops und Messe in einem Gesamtpaket.

Tickets & Preise | OTWorld

Hinweis für Redaktionen

Medienvertreter können sich vorab online für die OTWorld 2026 akkreditieren.

Ansprechpartner für die Presse:

Kirsten Abel • Pressesprecherin des Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik

Reinoldistr. 7 -9 • 44135 Dortmund • Telefon: 01715608125 • E-Mail: kirsten.abel@biv-ot.org

Über den Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik:

Der Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT) vertritt als Spitzenverband mehr als 4.500 Sanitätshäuser und orthopädie-technische Werkstätten mit über 48.000 Beschäftigten, die mehr als 25 Millionen Hilfsmittelversorgungen in Deutschland pro Jahr in mehr als 30 Bereichen verantworten.

Im pressum:

Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik 
Reinoldistr. 7-9, 44135 Dortmund
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Tel.: 0231/557050-0, Fax: 0231/557050-40

E-Mail: info @ biv-ot.org

Vertreten durch:
Präsident: Alf Reuter
Vizepräsident: Albin Mayer
Geschäftsführer: Diplom-Kaufmann Georg Blome

Rechtsform: Bundesinnungsverband als juristische Person des Privatrechts gem. § 85 Handwerksordnung (HWO)

Zuständige Aufsichtsbehörde: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, 10115 Berlin
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UST-ID: DE124651675